Pain & Gain

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Wer sich schonmal länger als 3 Minuten mit mir unterhalten hat, weiß über meine durchwachsene Einstellung zum amerikanischen Spektakel-Filmemacher Michael Bay Bescheid. So sehr seine früheren Werke Bad Boys, Armageddon und The Rock wichtige Meilensteine des modernen Actionkinos sind, so sehr empfinde ich Filme wie Pearl Harbor und die Transformers-Reihe (Teil 2 im Besonderen) als weitgehend glänzende aber erschreckend seelenlose Hüllen. In Bays 10 Filme starkem Repertoire sind also sämtliche Qualitätsstufen vorhanden, die zuletzt aber dank der Transformers-Reihe eher nachgelassen haben.

Mit Pain & Gain versucht Michael Bay sich jetzt an einer Kriminalgeschichte, die sich so oder so ähnlich Mitte der 90er in Miami zugetragen haben soll. Gelangweilt von ihrem lahmen Alltag finden sich drei Bodybuilder zusammen und beschließen, eine Abkürzung auf dem Weg zum amerikanischen Traum zu machen, über Nacht unverschämt reich und populär zu werden und außerdem den Stereotypen des unambitionierten und dämlichen Muskelbergs ein für alle Mal Lügen zu strafen.

Wie dieser Stereotyp überhaupt aufkommen konnte erklärt der Film nicht (Quelle: cinemaassassin.com)

Wie dieser Stereotyp überhaupt aufkommen konnte erklärt der Film nicht

Der Plan ist so einfach wie genial. Ein reicher Schnösel (Tony Shalhoub), der die gleiche Muckibude wie Daniel Lugo (Mark Wahlberg) frequentiert, wird kurzerhand gekidnappt und unter Folter gezwungen, seine Besitztümer den drei Musketieren zu überschreiben. Trotz der Präzision und Simplizität des Plans kommt es natürlich schon bald zu Komplikationen und die drei laufenden Proteinshakes stolpern mit zunehmend weniger Plan durch ihr eigenes Labyrinth aus Gewalt, Diebstahl und Betrug.

Bays Pinselstrich liegt unmissverständlich auf der Oberfläche des Films und schlägt seinem Zuschauer von Sekunde 1 an mit bunten, dynamischen und rasch geschnittenen Bildern ins Gesicht. So sehr man Bay und die Inhalte seiner Werke auch kritisieren mag, sein visueller Stil ist seit seinem Spielfilmdebüt Bad Boys in 1995 nicht nur außergewöhnlich, aufregend und unterhaltsam, sondern auch absolut hochwertig.

Genau wie Dwayne Johnsons Bizeps (Quelle: news.softpedia.com)

Genau wie Dwayne Johnsons Bizeps

Aber alle knackigen Bilder, saftigen Explosionen und hochgeschraubten Kontrastregler können einen Film leider nicht genießbar machen, wenn er in Disziplinen wie Drehbuch, Story und schauspielerischer Leistung auf ganzer Linie versagt. Wo Filme wie Transformers 2 zu 80% aus einer dramatisch wehenden US-Flagge bestehen und jeden Beteiligten der Produktion in einen Taumel aus Scham und Depressionen schicken sollten, kann Pain & Gain tatsächlich einige Punkte sammeln.

Zunächst sei gesagt dass der beinahe schon peinliche Pathos der „Transformers“-Filme hier ein gutes Stück heruntergedreht wurde. Überdies setzt Bay sich hier zur Abwechslung etwas neutraler mit den US von A auseinander und zeigt mit seinen drei Protagonisten und ihren Motivationen und Handlungen einen ungewohnt sozialkritischen Ansatz und sogar eine Art Schattenseite des amerikanischen Traums auf.

Keine Sorge, Explosionen gibt es auch (Quelle: www.cltampa.com)

Keine Sorge, Explosionen gibt es auch

Wie in seinen früheren Filmen mit Sean Connery, Nicolas Cage, Ed Harris, Will Smith, etc. kitzelt Bay aus seinen Schauspielern solide Leistungen heraus die zwar nicht nach viel Preisgold, dafür aber nach umso mehr Spaß riechen. Dwayne Johnson stellt nicht zum ersten Mal sein absolut akzeptables komödiantisches Timing unter Beweis und ist wegen seiner absolut beängstigenden Statur gepaart mit seinen „Team Jesus“-Shirts ein konstanter Spaßfaktor. In Nebenrollen freut man sich über Ed Harris, Rebel Wilson, Peter Stormare und einige Andere, die allesamt ihren Teil beitragen und zum Teil einfach eine Augenweide sind.

Natürlich entfernt sich Michael Bay nicht zu weit aus seiner Komfortzone und bietet den einen oder anderen unerhört flachen und schlicht gesagt beschissenen Witz an. Aber ich kann trotzdem Entwarnung geben und bestätigen, dass nichts im Film an das Kaliber der Roboterhoden in „Transformers 2“ oder den unfassbar komischen, schwulen Friseur in „The Rock“ herankommt.

Alles in Allem hat „Pain & Gain“ mich durchaus positiv überrascht. Es ist ein dynamischer und unterhaltsamer Film mit Michael Bays unverwechselbarem Stil, der endlich wieder etwas unter der hochpolierten Schale zu bieten hat. Für Fans von Bay ist der Film erwartungsgemäß genau das Richtige, aber auch Zweifler (wie ich) können sich ruhigen Gewissens heranwagen.

6/10


Pain_and_Gain_Hauptplakat

Pain & Gain

Action, Komödie

Regie: Michael Bay

Buch: Christopher Markus, Stephen McFeely

Darsteller: Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Anthony Mackie, Tony Shalhoub, Ed Harris, Rob Corddry

Kinostart DE: 22.08.2013

Kinostart US: 26.04.2013

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Timo Löhndorf