Annabelle

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Als im Jahre 2013 der paranormale Horrorfilm „The Conjuring – Die Heimsuchung“ in die Kinos kam, haben sich viele Kritiker überschlagen mit Lob. Der Film handelt vom Ehepaar Ed und Lorraine Warren, die zwischen den 60er- und 90er-Jahren als Dämonologen in den USA zugegen waren. Dabei dreht sich das Geschehen um einen tatsächlichen Fall – die Familie Perron, die mutmaßlich vom Geist einer bösen Hexe heimgesucht wurde. Während des Films gab es auch eine kleine Randerscheinung, die viele Zuschauer die Nackenhaare hochstehen ließ. Es war die von einem Dämon besessene Puppe Annabelle, die ein Jahr später ihr gleichnamiges Spin-off bekommen sollte.

Kommen wir erstmal zur Story von „Annabelle“: Das junge Ehepaar John und Mia Gordon (Ward Horton & Annabelle Wallis) bekommt schon bald Zuwachs. Einmal in Form eines Kindes, denn Mia ist hochschwanger. Außerdem schenkt John seiner Frau eine Puppe, die sie schon seit Jahren zur Vervollständigung ihrer Sammlung gesucht hat. Alles scheint einigermaßen harmonisch und unhorrorfilmisch bis eines Nachts ihre Nachbarn von ihrer satanischen Tochter und ihrem Freund im Schlaf und im eigenen Hause skrupellos hingerichtet werden. John und Mia bemerken das und wollen die Sache untersuchen, doch die beiden Sektenleute haben sich schon in ihr Haus geschlichen, um auch die Gordons abzumurksen. Zum Glück schaffen sie das nicht, aber als die Satansschwester Annabelle (a.k.a. die Tochter der dahingeschiedenen Higinns‘ von nebenan) die gerade geschenkte Puppe entdeckt und sich mit dieser im Arm im zukünftigen Kinderzimmer selbst tötet, gerät ein Blutstropfen in die Puppe und diese ist somit besessen. Alles weitere würde zu viel spoilern, nur soviel: Annabelles Dämon, Teufel o. Ä. hat es auf das Kind der Gordons abgesehen, weshalb die Mutter und Protagonistin des Films an ihre Grenzen gehen muss.

Warum sind Puppen nur immer besessen? @ Warner Home Video

Warum sind Puppen nur immer besessen?

Bevor ich in die Tiefenanalyse gehe, eine kleines Schnellfazit: „Annabelle“ von Regisseur John R. Leonetti und Schreiberling Gary Dauberman ist insgesamt okay. Es sind schon wirklich schlechtere Horror-Spin-offs erschienen und bestimmt auch ein paar bessere. Ich war aber schon überrascht, dass der Film mich einigermaßen unterhalten konnte und in manchen Momenten wirklich gruselig war. Das das Niveau von „The Conjuring“ nicht gehalten werden konnte, müsste eigentlich jedem klar sein. Dennoch hatte „Annabelle“ auch einige gute Momente – auch filmtechnisch gesehen. Ziemlich zum Anfang ist eine tolle Plansequenz zu sehen, bei der sich sowohl die Hauptdarstellerin (Annabelle Wallis) als auch der Kameramann (James Kniest) stark präsentieren. Diese und eine Handvoll anderer achtbarer Szenen wechseln sich jedoch mit Einstellungen ab, die eher zum unteren Durchschnitt gehören. Manchmal hat man das Gefühl zwei separate Horrorstreifen zu sehen, die von unterschiedlichen Kamerateams mit einer krassen Budgetschere gedreht und später zu einem Werk zusammengeflickt wurden. Somit schwankt der Film ironischerweise auch zwischen Gut und Böse. Auf der Habenseite ist die gute Perfomance von Annabelle Wallis, die lustigerweise den gleichen Vornamen hat, wie die besessene Puppe [Ob das Absicht war?]. Zudem sind einige Effekte und Schockmomente effektiv und gelungen. Manch einen könnte die relativ generische Story irritieren, die zwar auf wahren Begebenheiten basieren soll, aber unter dem Strich schon zig Mal gesehen und abgenickt wurde. Dazu kommen manche mittelmäßige darstellerische Leistungen und die qualitative Diskrepanz zwischen einigen Stellen des 99-minütigen Films. Außerdem macht die böse Puppe Annabelle nicht viel mehr als rumsitzen oder -liegen und unheimlich aussehen, was jedoch auf viele übernatürliche Horrorfilmchen zutrifft (Stichwort: Paranormal Irgendwas). Insgesamt bin ich aber positiv überrascht von „Annabelle“.

6/10


Jetzt kommen wir noch zur Blu-Ray-Besprechung. Wie bei „The Raid 2 – Berandal“, werde ich die Bewertung in drei Bereiche – Bild, Ton und Extras – aufteilen, bevor ich zum Fazit komme. Fangen wir mal an…

… und davor gab es originelle Horrorfilme. @ Warner Home Video

… und davor gab es originelle Horrorfilme.

Das Bild:

„Annabelle“ besticht größtenteils durch eine satte Farbgebung im gewohnten 16×9-Format. In Zeiten der Blu-Ray sollte sowas zwar kein Problem mehr sein, doch manchmal kommen Filme mit kleinem Budget daher, die 1080p nicht so gut vertragen. Hier ist das aber keineswegs der Fall. An manchen Stellen des Films könnte es dem Zuschauer zwar zu dunkel werden, das ist jedoch auch so vorgesehen, um die Effekte der Jump Scares zu steigern. Generell sollte man Horrorfilme im Dunkeln schauen, damit man sich auch wirklich gruseln kann.

Wer würde sich nicht bei sowas gruseln? @ Warner Home Video

Wer würde sich nicht bei sowas gruseln?

Der Ton:

Wie bei Blu-Rays so üblich ist bei „Annabelle“ sowohl die deutsche Synchronisation in Dolby Digital und der Originalton (in diesem Fall Englisch) im DTS-HD Masterformat vorzufinden. Außerdem gehört in der Standardausführung sowohl die spanische als auch die französische und italienische Tonspur in Dolby Digital zum Repertoire. Darüber hinaus gibt es auch eine Audiodeskription für Blinde in Englisch. Alle Audiospuren sind für 5.1-Soundsysteme optimiert. Auch bei der Abmischung gibt es keinerlei Mängel zu beklagen: Musik und Dialoge sind sehr harmonisch auf einander abgestimmt. Gerade im Horrorbereich ist die Abmischung sehr wichtig, vor allem wenn es viele Jump Scares gibt. Dahingehend hat die Blu-Ray-Version von „Annabelle“ alles richtig gemacht.

Untertitel sind auf Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Niederländisch, Dänisch, Finnisch, Schwedisch und Norwegisch sowohl für Hörgeschädigte auf Englisch, Deutsch und Italienisch vorhanden.

DDD @ Warner Home Video

Hier würde die liebe Mia sicher gerne Untertitel für Hörgeschädigte haben.

Die Extras:

Bei den Specials hat die Blu-Ray von Annabelle einige kleine Featuretten zu bieten. Dazu gehören „Der Fluch von Annabelle“, „Blutige Tränen der Besessenheit“, „Die Puppe des Teufels“ und „Ein dämonischer Prozess“. Außerdem sind auch nicht verwendete Szenen bei den Extras zu finden. Im Gegensatz zu irgendwelchen Trailern und Teasern, bekommt man also noch einige zusätzliche Inhalte für sein Geld. Auch wegen des Wendecovers, das JEDE Blu-Ray oder DVD haben sollte, gibt es hier beide Daumen hoch.

 

Wendecover to the rescue! @ Warner Home Video

Wendecover to the rescue!

Das Fazit:

In der Bilanz kann ich zum Kauf der „Annabelle“-Blu-Ray durchaus raten. Das gilt besonders für Freunde des Horrors, insbesondere für Fans von „The Conjuring“, „Paranormal Activity“ und anderen psycho-paranormalen Gruselstreifen. Zwar ist der Film nicht die absolute Offenbarung, aber für Entertainment-Zwecke ist „Annabelle“ allemal gut. Und darauf kommt es ja auch an. Wer natürlich nichts mit dem Horrorgenre anfangen kann oder die Welle der übernatürlichen Jump Scare-Orgien satt hat, kann diesen Film überspringen. Aus technischer Sicht gibt es nichts gegen den Scheiben-Kauf auszusetzen, da überzeugt „Annabelle“ auf ganzer Linie.

DVD / Blu-Ray


 Annabelle (2014)

Horror

Regie: John R. Leonetti

Buch: Gary Dauberan

Darsteller: Annabelle Wallis, Ward Horton, Tony Amendola, Alfre Woodard

Heimkinostart: 19.02.2015

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Warner Home Video

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Lennart Gotta