Broadchurch

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Lang ist es her, dass ich mir Zeit für eine wirklich gute Serie genommen habe… also in Form eines Artikels. Tatsächlich habe ich so einige gute, schlechte und mediocre Show geguckt. Und wenn, dann gleich bis es keine einzige Folge mehr aufzuholen gab. Eine davon ist die britische Drama-Serie „Broadchurch“ mit dem 10. Doctor (Who?) David Tennant und der vor allem in Großbritannien sehr bekannten und anerkannten Charakterdarstellerin Olivia Colman in den Hauptrollen. Da mir die lieben Freunde aus dem Verleih mir ein Pressemuster zukommen haben lassen, darf ich mich endlich und verdient in unserer kleinen, hoffentlich wachsenden Rubrik „True Shows“ mit der Show und dem dazugehörigen Blu-Ray-Release auslassen.

Eine Serie, die betroffen macht

Den Plot kann man zum Glück kurz anreißen, ohne dass zuviel verraten wird. Die Serie beginnt bereits in den ersten 10 Minuten – ähnlich wie Amerikanische Kult-Serie „Twin Peaks“ vom Meister des Surrealismus‘ David Lynch – mit einem toten Kind. In diesem Fall handelt es sich um den elfjährigen Danny Latimer. Dessen bester Freund ist der Sohnes der örtlichen Polizistin Detective Sergant Ellie Miller, verkörpert von Olivia Colman. Schnell wird klar, dass es sich hierbei um einen Mord handelt.

Der wegen nicht aufgeklärten Mordfalles an zwei minderjährigen Mädchen in Sandbrook  in Ungnade gefallene Detective Inspector Alec Hardy (David Tennant) leitet die Ermittlungen, nachdem er gerade erst in Broadchurch angekommen ist und seinem Konterpart D.S. Miller den Job vor Nase weggeschnappt hat. Ziemlich fix wird ersichtlich, dass die gesamte Ortschaft in irgendeiner Form Dreck am Stecken hat(te), weshalb sich die Suche nach dem Täter und dem Motiv als äußerst schwierig erweist. Denn die Bewohner des Küstenstädtchens versuchen um jeden Preis ihre privaten Angelegenheiten und Verfehlungen geheim zu halten und dafür den nächstbesten ans Messer zu liefern. Bis zum Ende werden alle möglichen Motive und Verdächtige durchleuchtet und wieder verworfen. Der Schlussakt bietet dann einen großartigen und emotionalen Abschluss, der den einen oder anderen etwas aus der Fassung bringen wird.

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So viele Emotionen…

Menschen, die auf Dünen starren

Womit wir auch schon beim eigentlichen Thema sind. „Broadchurch“ lebt und funktioniert eindeutig durch Emotionen. Schon die erste Viertelstunde der Serie schafft es, den Zuschauer in eine leicht melancholische Stimmung zu versetzen. Das liegt nicht einzig und allein an der Story, in der ein kleiner, unschuldiger Junge ganz zu Anfang stirbt. Vielmehr ist es in diesem Fall die Inszenierung, die sich im ständigen Wechsel zwischen schöner Landschaft und hässlichen Bildern aufbaut. Die schwermütiger Musik, die wie der Filmort Dorset manchmal fast die Hauptrolle übernimmt, sowie die starken Leistungen der zahlreichen exzellenten und verdienten britischen Darsteller passen hier wie die Faust aufs Auge.

Ein relativ häufig verwendetes Stilmittel ist hierbei eine dialoglose Einstellung eines oder mehrerer Charaktere auf einer Düne bzw. Anhöhe mit einem melancholischen Blick gen Nirgendwo sowie traumhaften Lichtverhältnissen inklusive Lens Flare und Filtern. Nicht selten läuft einem dabei ein kleiner Schauer über den Nacken oder die Tränen aus den Drüsen. Die im Original bereits abgelaufene zweite Staffel ist im Vergleich mit noch mehr Szenen dieses Kalibers aufgewartet.

Viele bekannte Gesichter

Im dramatischen Bereich hat „Broadchurch“ also nicht untertrieben. Als Auflockerndes Element dient häufig Olivia Colman als D.S. Miller, die einen sehr charmanten Auftritt hinlegt und oftmals als Kontrastmittel zum extrem schwermütigen D.I. Hardy (Tennant) gesehen werden kann. Generell ist die Chemie zwischen diesen beiden Charakteren sehr interessant und faszinierend. Beide Darsteller liefern tadellose Leistungen ab. Colman wurde übrigens im letzten Jahr zurecht mit dem prestigeträchtigen BAFTA Award als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

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Eine Mix aus Vororterfahrung und leichter Naivität mit einem kleinen Hauch Zynismus: Ellie Miller

Wer sich darüber hinaus ein Wenig mit der Schauspieler-Riege Großbritanniens auskennt, wird so einige Bekannte in Nebenrollen wiedersehen dürfen. Ein Beispiel dafür ist David Bradley, auch prominent als Argus Filch aus der Harry Potter-Oktologie bzw. als der abtrünnige Walder Frey aus der HBO-Massenexekution „Game of Thrones“. Dieser durfte, genau wie Olivia Colman, auch in 2014 einen BAFTA Award einheimsen, respektive als bester Nebendarsteller.

Um zu einem inhaltlichen Fazit zu kommen: Das britische Crime-Drama „Broadchurch“ ist absolut sehenswert. Sowohl die schauspielerischen Leistungen als auch Bildsprache und Musik haben mich persönlich total angefixt und mich auch manchmal wirklich mitfühlen lassen. Also von mir gibt es beide Daumen hoch und eine gute Note unter dem Zeugnis.

 

8,5/10

 

Das haben übrigens auch gewisse Hollywood-Köpfe gedacht und schwupps eine eigene Version von „Broadchurch“ mit dem Namen „Gracepoint“ und „Breaking Bad“-Star Anna Gunn sowie … David Tennant (?) in den Hauptrollen. Ja genau, der selbe Hauptdarsteller der UK-Version spielt die mehr oder weniger gleiche Rolle auch im US-Pendant. So sehr ich meinen 10. Doctor auch liebe bzw. schätze und mich auch für seine Anerkennung in Hollywood freue. Aber ich finde sowas schon echt grenzwertig. Sei’s drum, die Ami-Abart kann meines Erachtens sowie nicht mit dem britischen Original mithalten.

Kommen wir noch schnell zum Abwasch und besprechen wir die Blu-Ray…


Das Bild:

Beim Bild des 2-Disc-Sets gibt es keine großen Abstriche. In Zeiten von Full-HD, Blu-Ray, 4K usw. sollte dies kein Problem mehr sein. Vor allem für eine derart junge und sorgfältig produzierte Serie wie „Broadchurch“.

Mit einem Seitenverhältnis von 1,78:1 und einem angepassten Full-HD-Bild mit 50 Halbbildern pro Sekunde (1080i) kann man jedenfalls vollkommen zufrieden sein. Selbst auf großen LCD-TVs und geschulten Augen fällt die Tatsache, dass hier nicht im Voll- sondern im Halbbildverfahren gearbeitet wurde, nicht wirklich ins Gewicht. Ich persönlich kann generell keine Unterschiede zwischen 1080p und 1080i erkennen.

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Auch Arthur Darvill – ebenfalls bekannt aus Doctor Who – spielt eine wichtige Rolle in „Broadchurch“

Der Ton:

Wie üblich ist die Blu-Ray mit einer deutschen und einer englischen Tonspur versehen. Im Gegensatz zur guten deutschen Synchro, welche im astreinen 5.1 DTS-HD Master Audio daherkommt, wurde hier bei der englischen Originalvertonung etwas gespart und lediglich eine Stereo-Spur mitgeliefert. Meiner Meinung ist das etwas schade, wo doch die Serie sehr vom starken Sound lebt und profitiert. Eine gute Soundanlage kann hier jedoch Abhilfe schaffen und dieses Manko weniger schwer wiegen lassen. An Untertiteln wurde einzig die deutsche Version inbegriffen, was jedoch vollkommen okay ist.

Die Extras:

Im Bereich der Bonus Features sind zunächst zwei Audiokommentare mit Regisseur James Strong, Produzent Richard Stokes und David Tennant zur ersten Episode bzw. Strong, Colman und Showrunner Chris Chibnall zur letzten Folge vorhanden. Darüber hinaus glänzt das Heimkino-Release mit einer „Behind the Scenes“-Featurette, Deleted Scenes und Trailern. Außerdem besitzt die Blu-Ray ein Wendecover, was immer gut ist.

Das Fazit:

In der Summe steht eine klare Kaufempfehlung für „Broadchurch“. Gerade diejenigen, die sich grundsätzlich Serien und Filme in der Originalversion mit oder ohne Untertitel anschauen (so wie ich), können mit der Anschaffung dieses Heimkino-Releases nichts falsch machen. Die erste Staffel der Show ist sehr interessant und intensiv und bietet durchweg tolle darstellerische Leistungen sowie eine sehr emotionsgeladene Atmosphäre.

Die erste Staffel von Broadchurch auf DVD und Blu-Ray

DVD / Blu-Ray


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Broadchurch (2013)

Drama, Krimi, Mystery

Showrunner: Chris Chibnall

Darsteller: David Tennant, Olivia Colman, Jodie Whittaker, Andrew Buchan, Arthur Darvill, Joe Sims, Adam Wilson, Charlotte Beaumont, Simone McAullay, Matthew Gravelle, Jonathan Bailey, David Bradley

Länge: 45 Minuten pro Folge

Staffeln: 2

Folgen: 16 Folgen

Heimkinostart DE: 21.05.2015

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei STUDIOCANAL

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Lennart Gotta