A World Beyond (Tomorrowland)

Tomorrowland_Cover_comp

Disney pausiert das Annektieren von fremden Franchises und wendet sich endlich wieder den Hausmarken zu, wie vernünftig! Das Konzept überzeugt: George Clooney tigert mit zwei weitaus jüngeren Damen durch Texas und sucht nach einem magischen Ort. Auch wenn sich die Idee etwas dubios anhört, „A World Beyond“ ist für die gesamte Familie genießbar und hat für Jung und Alt etwas dabei.

Zukunft und Vergangenheit

Freunde der elektronischen Zappelmusik dürften sich zunächst verwirrt zeigen, denn seit 2005 steht der Begriff Tomorrowland für ein jährlich stattfindendes belgisches Musikfestival. Für Fans und Liebhaber von Disney steht der Begriff jedoch seit Mitte der 50er für eine Sparte des Disney-Themenparks Disneyland. Eckpunkte der Attraktionen sind seither fantastische Visionen der Zukunft sowie der Raumfahrt. Im neuen Spektakel von Brad Bird wird dieses Konzept generalüberholt und einer neuen Generation präsentiert.

Der junge Erfinder und Pionier Frank Walker (Thomas Robinson) auf Entdeckungsreise

Erweckt wird die bunte Utopie zunächst von Frank Walker (George Clooney), der den Film mit einem Trip in seine Kindheitserinnerung eröffnet. Als tüchtiger Erfinder stellt Frank sich im Jahr 1964 auf der New Yorker Weltausstellung vor. Das Funkeln in seinen kindlichen Augen wird stärker, als er, geleitet von Athena (Raffey Cassidy), seine ersten Schritte ins Tomorrowland setzt.

Viele Jahre später treffen wir auf die ebenso eifrige und neugierige Casey Newton (Britt Robertson). Eine Teenagerin, die sich sowohl gegen den bevorstehenden Abbau der benachbarten NASA-Station und somit die Arbeitslosigkeit ihres Vaters, als auch gegen ihr eigenes Erwachsenwerden sträubt. Eine rätselhafte Anstecknadel zeigt ihr den Weg in die heile Welt des Tomorrowland und treibt sie in die Arme des Mädchens, das fünfzig Jahre zuvor bereits Frank in die geheimnisvolle Gesellschaft gelockt hat.

Ein seltenes Artefakt: Die Anstecknadel der 1964er Weltausstellung

Mit der Übernahme einiger der größten (und lukrativsten) Franchises, allen voran Marvel und Lucasfilm, hat Disney in letzter Zeit eher die Rolle des Strippenziehers und Kassierers angenommen. Mit „Tomorrowland“ wendet sich der Konzern wieder seinen eigenen Ideen zu und zeigt sein kreatives Potential. In den Händen von Brad Bird, der für seine Arbeit an „Ratatouille“ und „Die Unglaublichen“ („The Incredibles“) mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde, nimmt dieses Potential eine Form an, die man im modernen Kino schmerzlich vermisst. Knallbunt, überladen, aber doch herzlich und liebevoll lässt er sein Publikum in die utopische Welt eintauchen. Die Faszination des jungen Frank, als er seinen ersten Vorstoß in die Stadt von Morgen wagt, überträgt sich verlustfrei auf den Zuschauer.

„Nicht alles was glänzt, ist Gold“ – Dr. Gregory House (Hugh Laurie)

Doch selbst in einem Disney-Film hat die heile Welt ein Ablaufdatum. In „Tomorrowland“ zeichnet es sich in den Augen des erwachsenen Frank Walker, der fernab von Illusionen im Exil lebt, ab. Schon bald stellt sich heraus, dass selbst in Tomorrowland nicht alles perfekt ist. Brad Bird zeigt hier nicht bloß die Rechenleistung seines CGI-Personals, er erzählt auch eine Geschichte, die sogar überraschend komplex ist. Hinter den unverzichtbaren und fulminanten Actionsequenzen versteckt sich ein kraftvolles Statement über Nostalgie, Pessimismus und Optimismus. Abspielen tut sich all das vor der Kulisse einer modernen Welt, die zunehmend von Angst und Unruhe beherrscht wird.

Trotz dem steten Kampf zwischen Negativ und Positiv bewahrt Brad Bird sich eine versöhnliche Sicht auf die Welt von Heute und, viel wichtiger, die Welt von Morgen. In einer Zeit, in der die meisten großen Sommerblockbuster von Superhelden und grenzenloser Super-Zerstörung bevölkert werden, bildet „Tomorrowland“ eine willkommene Ausnahme. Ein herzlicher, aufregender Film, der Disneys verjährte Traditionen mit einem Knall in die Gegenwart holt. Ein perfekter Film für junge und alte Träumer und Nostalgiker, für die das Kino ein Fenster in eine etwas bessere Welt ist.

9/10


Tomorrowland (2015)

A World Beyond

Abenteuer, Fantasy

Regie: Brad Bird

Buch: Brad Bird, Damon Lindelof

Darsteller: George Clooney, Hugh Laurie, Britt Robertson, Raffey Cassidy

Kinostart DE: 21.05.2015

Kinostart US: 22.05.2015

Heimkinostart DE: ??.??.????

Trailer

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Walt Disney

Hinterlasse einen Kommentar

Du kannst folgende HTML-Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


*

Timo Löhndorf