Mad Max: Fury Road

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Der (positive) Internet-Wirbelsturm um den neuen und reichlich verspäteten „Mad Max: Fury Road“ ist schon vorbei. Trotzdem haben wir bei unserer letzten Redaktionskonferenz den Beschluss gefasst, unsere Meinung zum Wüstenrummel in die unendlichen Weiten des Internets zu blasen.

Was ist denn hier los?!

What a lovely day! Die großen Lettern am Kopf des Filmposters schicken die Stimmung des Zuschauers nach dem zweistündigen Rausch voraus. „Mad Max: Fury Road“ ist in erster Linie ein reinrassiger Actionfilm, dessen Laufzeit gefühlt in eine Mittagspause passen würde. Der weltweite Zuspruch von Publikum und Filmkritik ist allerdings nicht nur dadurch zu erklären, dass der Film laut und schnell ist und den Fuß nur für kleine Verschnaufpausen vom Gas nimmt.

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Ein normaler Dienstag für Max Rockatansky (Tom Hardy)

Doch der Reihe nach. Max Rockatansky ist ein Ex-Cop, der sein tristes Dasein dieser Tage damit fristet, durch eine desolate Wüstenlandschaft zu rasen. Sein idyllischer Alltag wird jäh unterbrochen, als er von einer Horde postapokalyptischer Soldaten verschleppt wird. Seine neue Heimat ist eine so genannte Zitadelle, in der Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne), der deformierte Sektenführer der Zukunft, mit eiserner Hand über sein Volk herrscht. Wenig später findet Max sich in einer mehrtägigen Verfolgungsjagd wieder. Im Mittelpunkt stehen die beinharte Furiosa (Charlize Theron) und ein Quintett aus Immortan Joes Ehefrauen/Sexsklaven. Weil er gerade sowieso nichts Besseres zu tun hat, nimmt Max auf dem Beifahrersitz Platz und genießt die Wüstenrallye.

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Imperator Furiosa (Charlize Theron): Einen Arm zu wenig, dafür drei Hoden mehr als männliche Actionhelden

„Mad Max: Fury Road“ markiert die Rückkehr des australischen Visionärs und Großvaters George Miller zu einem Franchise, das er 36 Jahre zuvor startete. Damals im Sattel: Ein Newcomer und späterer Actionheld, Filmemacher und Aussätziger mit dem Namen Mel Gibson. Im neuen Millenium sehen die Dinge etwas anders aus. Gibson noch immer in der Ungnade der Anzugträger, Miller am Steuerrad von Familienfilmen wie „Happy Feet“ oder „Schweinchen Babe in der großen Stadt“. Wider jede Vernunft bekam George Miller nach über einem Jahrzehnt der Vorbereitung das neunstellige Budget für einen großen Sommerfilm und mit Tom Hardy und Charlize Theron zwei A-Lister oben drauf.

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Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) ist ein dufter Kerl

So schräg die Vorgänge hinter den Kulissen auch gewesen sein mögen, sie verblassen im Antlitz des fertigen Films. Mit 70 Jahren stellt George Miller einen Film auf die Beine, der den Nachwuchs im Fahrwasser ertrinken lässt und macht beinahe alles richtig. Vordergründig natürlich der schmale aber effektive Plot, der den Zündstoff fürs Spektakel auf der Leinwand liefert. Auf näheren Blick erweist „Mad Max: Fury Road“ sich als das Werk eines kreativen und originellen Geschichtenerzählers, der für sein Publikum mehr als nur eine Überraschung parat hält.

Denn wer hätte gedacht, dass sich hinter einem Blockbuster von 2015, der den Titel seines männlichen Hauptcharakters trägt, ein Film versteckt, der vor allem die geschlechtlichen Konventionen des Actionfilms getrost über Bord wirft? Tom Hardy, der sich in vergangenen Jahren nicht nur als Charakterdarsteller („Locke“, „Bronson“), sondern auch als physikalische Macht („The Dark Knight Rises“, „Warrior“) etabliert hat, spielt hier überraschend die zweite Geige, und das nicht nur was Leinwandpräsenz angeht. „Mad Max: Fury Road“ stellt seinen Protagonisten bewusst in den Hintergrund und lässt ihn als Teil eines Ganzen funktionieren. Als Ganzes bietet George Miller eine Story, die sich mit der sexuellen und anderweitigen Unterdrückung der Frau in einer verwüsteten, maskulin beherrschten Welt befasst. Wer daran zweifelt, braucht nur über die Tatsache sinnieren, dass Max Rockatanskys vermutlich coolste Aktion sich abseits der Augen des Publikums abspielt.

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Patriarchie war gestern

Was kontemporäre Actionfilme gerne vergessen, liefert „Fury Road“ in Mengen. Die Präsenz eines interessanten und relevanten Gerüsts hinter dem dekorativen Spektakel. Die Lorbeeren, die der Film weltweit erntet, ergeben sich also nicht nur aus der Tatsache, dass der neue „Mad Max“ ein aufregender, visuell fein konstruierter, angemessen harter und obendrein größtenteils handgemachter Actionfilm ist. Ganz nebenbei ist er auch ein ausgezeichneter Film, der sämtlichen ambitionierten Filmemachern als Vorbild dienen sollte.

9/10


Mad Max: Fury Road

Action, Abenteuer, Sci-Fi, Post-Apokalypse

Regie: George Miller

Buch: George Miller, Brendan McCarthy, Nick Lathouris

Darsteller: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Hugh Keays-Byrne, Rosie Huntington-Whiteley, Riley Keough

Kinostart DE: 14.05.2015

Kinostart US: 15.05.2015

Heimkinostart DE: ??.??.????

Trailer

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Village Roadshow Films

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Timo Löhndorf