Jurassic World

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Nach 22 Jahren und zwei versuchten Mordanschlägen bäumt sich das beliebte Dino-Franchise mit „Jurassic World“ noch ein Mal auf. Ob die Generalüberholung der Urkreaturen für eine neue Generation geglückt ist, ergründet Timo in seiner Kritik.

Mehr ist weniger

Im Jahre 1993 machte Steven Spielberg den Traum vieler Jungen und Junggebliebenen wahr. Mit „Jurassic Park“ ließ er die ausgestorbenen Kreaturen auf der Leinwand auferstehen und schuf ein Abenteuer, das erstaunlich gut gealtert ist und noch heute einen Ehrenplatz in den Kindheitserinnerungen vieler Filmfans behaupten kann. Nach zwei durchwachsenen Sequels entschied sich Universal jetzt, der Dino-Saga ein weiteres Kapitel hinzuzudichten. Eine anfängliche Euphorie wurde schnell in Frage gestellt, als die ersten Trailer zu „Jurassic World“ beim Publikum in Ungnade fielen. Grund hierfür waren unausgereifte CGI-Sequenzen sowie ein besonders heikler Ausschnitt, in dem Chris Pratt inmitten einer Horde Raptoren auf die Jagd ging.

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Owen (Chris Pratt) und Claire (Bryce Dallas Howard) beobachten die ersten Reaktionen auf die Marketing-Kampagne zu „Jurassic World“

Die Dinofans werden sich erinnern: In keinem der drei vorherigen „Jurassic Park“-Teile konnte man den namengebenden Freizeitpark in seiner Blüte bestaunen. In „Jurassic World“ nutzt Regisseur Colin Trevorrow die Möglichkeit und zeigt uns einen funktionierenden Safaripark der besonderen Art, zu dem haufenweise Familien pilgern um die ausgestorbenen Tiere zu bewundern. Doch wie alles Andere auch haben die Glanztage der Jurassic World ein Ablaufdatum. Die Besucherzahlen schwinden, das verwöhnte Volk hat sich an die Tierchen gewöhnt und außer ein paar müden Tweets und dem gelegentlichen „Ooooh“ und „Aaaaah“ sinkt die Faszination. Eine Lösung hoffen Chefin Claire (Bryce Dallas Howard) und ihr Laborpersonal mit einer neuen Attraktion gefunden zu haben. Der Indomitus Rex, die größte und gefährlichste Kreatur, die der Park je gesehen hat. Doch wie es mit unberechenbaren, genmanipulierten Killermaschinen so ist, sie sind unberechenbar. Um den ungeplanten Freigang des Neuzuwachses muss sich Owen (Chris Pratt) kümmern, seines Zeichens Ex-Navy-Mann und Rapteur (Raptor-Dompteur).

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Rex sagt „AAAAAAAA.“

Wie so oft stellte sich die Nörgelei der Reddit-Gemeinde als voreilig und ultimativ sinnlos heraus. Bei „Jurassic World“ handelt es sich trotz der gelegentlich schlampigen Narrative um einen absolut würdigen Nachfolger des Franchises. Mit dem Thema des technologischen Fortschrittes und der damit zusammenhängenden vollkommenen Ignoranz des gemeinen Volkes hat Trevorrow einen interessanten und cleveren Aufhänger für seinen Film gefunden. Ein thematisches Grundgerüst, das inmitten von Dino-Action und Verfolgungsjagden sogar Platz für subtile Sozialkritik lässt. Auch bietet die Übersättigung des Publikums im Film amüsante Parallelen zu einem ähnlichen Phänomen, unter dem das Publikum vor der Leinwand seit Jahren zu leiden scheint.

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Weder die Raptoren noch Claire können dem überwältigenden Charme von Chris Pratt standhalten

Auch im Bereich des Fanservice zeigt Colin Trevorrow ein feines Gespür. Er spickt seinen Film mit einer Handvoll Zitate auf den ersten Teil der Reihe, ohne dabei in Verzweiflung oder Ideenlosigkeit abzurutschen. Der geneigte Fan wird gerne an ikonische Szenen wie das Duell zwischen zwei Kindern und einem Dino erinnert, ohne dass der gesamte Film an derartigen Hilfsleinen aufgehängt wurde.

Leider verspielt der Film das Prädikat „sehr gut“ durch eine Reihe Patzer der Drehbuch-Abteilung. Der Film ist vollgepackt von unnützen Subplots und Abzweigungen in der Handlung, die zum Film schlussendlich nichts beitragen und ihn überladen wirken lassen. Natürlich nehmen sie auch den nötigen Platz weg, den man in eine Entwicklung der Hauptcharaktere hätte stecken können. Schlimmer noch, das Schicksal einiger Nebencharaktere wird zum Ende schlicht ignoriert.

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„WEEEEeeeeee….“

Man muss Colin Trevorrow und seinem Team zugutehalten, dass sie mit „Jurassic World“ einen Film abgeliefert haben, der die Formel des Originals nicht nur kopiert, sondern im Sinne des technologischen Fortschritts weiterführt. Leider war es offensichtlich genau so wichtig, den Film mit allen Mitteln auf eine zweistündige Laufzeit zu prügeln. Unterm Strich bleibt ein unterhaltsamer, spaßiger Sommerfilm mit Dinosauriern. Mit anderen Worten genau das, was man von einem Film dieser Art erwarten kann.

7/10


Jurassic World (2015)

Action, Abenteuer, Dinos!

Regie: Colin Trevorrow

Buch: Colin Trevorrow,  Derek Connolly, Amanda Silver, Rick Jaffa

Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Irrfan Khan, Omar Sy, Vincent D’Onofrio, Judy  Greer

Kinostart DE: 11.06.2015

Kinostart US: 12.06.2015

Heimkinostart DE: ??.??.????

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Universal

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Timo Löhndorf