Dope

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In einem Programm voller globaler Arthouse-Perlen sticht „Dope“ genau so heraus wie sein Protagonist. Mitten in den Bottoms, der wohl heikelsten Nachbarschaft in Los Angeles, ereignet sich die schräge Odyssee dreier High Schooler und liefert dabei etliche Lacher und sogar soziologischen Zündstoff.

Malcolm (Shameik Moore) ist ein seltenes Tier. Er ist ein Geek mit Leib und Seele, steht auf Hip Hop und Popkultur der 90er. Zusammen mit seinen beiden Freunden Jib (Tony Revolori) und Diggy (Kiersey Clemons) bildet er die wohl langweiligste Clique der Schule. Mit Waffen haben sie nichts am Hut, mit Drogen noch weniger, Malcolm und Co. investieren ihre Zeit lieber in ausgiebiges Lernen, das Lesen von Comics oder das Bewerben an Colleges. Es erübrigt sich, zu sagen, dass die Streber in einer Schule mit dedizierten Polizisten, Gewalt und Metalldetektor nicht gerade populär sind. Dank eines Eingriffs des Chaos-Prinzips findet sich das Trio nach einer zur Abwechslung wilden Nacht vor einem heiklen Paket wieder. So müssen die drei widerwillig erste Schritte in eine Welt unternehmen, von der sie genau so wenig wissen wie halten.

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Generationskonflikte zwischen Gleichaltrigen

Der Humor des Films hinterlässt schon früh seine Visitenkarte, als Malcolm von einem Freund erzählt, der bei einem Überfall aus Versehen erschossen wurde. Präsentiert wird die tragische Story mit schnellen Schnitten, in einem sarkastisch leichten Ton und mit einer Extraportion Galgenhumor. Malcolm und seine Freunde nehmen diese Sachen nicht so schwer, stehen sie doch im Ghetto von Los Angeles auf der Tagesordnung. Überhaupt macht „Dope“ es sich zur Aufgabe die teils katastrophalen Umstände, zu denen Rassenhass, Gewalt und so manch andere Niedertracht gehören, gewaltig auf die Schippe zu nehmen. Ein cleverer und sympathischer Schachzug, denn wie der geschulte Mann weiß, kann man manchen Traumata ausschließlich mit Humor entgegentreten.

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Und mit Funk!

„Dope“ verlässt sich nicht ausschließlich auf seine skurrilen Figuren und die chaotische Welt, durch die sie stolpern. Die wirkliche Stärke des Films liegt in der Tatsache, dass er einige höchst relevante und taugliche Denkansätze zum Thema Rassismus liefert. Ein Problem, das noch immer fast überall auf der Welt präsent ist. Vor allem für die USA, die in den letzten Monaten und Jahren immer öfter von gewalttätigen Aufständen und Rassenkämpfen geschüttelt werden, könnte „Dope“ sich als wichtiger Film erweisen. Wenn man den ersten, durchweg positiven Resonanzen vertrauen darf, erreicht er dieses Ziel.

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Malcolm ist zur Stelle, wenn jungen Damen beim Lernen geholfen werden muss

Bevölkert wird Malcoms Schule von Möchtegern-Gangstern, die in Gruppen durch die Flure schleichen Gewalt und Elend verbreiten. Diese Darstellung der afro-amerikanischen Demographie ist nicht gerade neu. Origineller sind der Protagonist und seine Freunde, die ebenfalls dunkelhäutig sind und als einige der sympathischsten Figuren der jüngeren Filmwelt charakterisiert werden. Trotz der vielen Albernheiten und Späße fällt es auf, dass „Dope“ einen durchaus ernsten Kern beherbergt. Die Story um drei außergewöhnliche Geeks, die sich in einer neuen und gefährlichen Umgebung orientieren müssen, ist nicht nur witzig, sondern auch eine balancierte, kritische Untersuchung des momentanen Status Quo in den Staaten.

8/10


Dope (2014)

Komödie, Krimi, Coming-of-Age-Variante

Regie: Rick Famuyiwa

Buch: Rick Famuyiwa

Darsteller: Shameik Moore, Tony Revolori, Kiersey Clemons, Kimberly Elise, Keith Stanfield, Zoë Kravitz

Kinostart DE: –

Kinostart US: 19.06.2015

Heimkinostart DE: –

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Sony Pictures

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Timo Löhndorf