Tale of Tales (Il Racconto dei Racconti)

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Mit „Tale of Tales“ („Il Racconto dei Racconti“) läuft bereits der dritte Film im episodischen Format auf dem Filmfest München. Das Erwachsenen-Märchen des Italieners Matteo Garrone, das bereits in Cannes gute Kritik einsammeln konnte, ist hier der Abschlussfilm und besticht mit internationaler Beteiligung und makellosem Stil.

Zwar sind einige der Geschichten, die die Regisseure auf dem Filmfest München erzählen, bereits mehrere Hundert Jahre gealtert, verstaubt sind sie jedoch keineswegs. Bereits in den 70ern verfilmte Pier Paolo Pasolini drei fundamentale Werke der Literatur („Il Decamerone“, „The Canterbury Tales“, „Arabian Nights“) zu seiner Trilogie des Lebens. Vierzig Jahre später gibt es eine neue Interpretation des Dekamerons („Maraviglioso Boccaccio“), ein Triptychon, das von 1001 Nacht inspiriert wurde („Arabian Nights“) und schließlich „Tale of Tales“, der auf dem Pentameron des neapolitanischen Autors Giambattista Basile basiert. Alle im Programm des Münchner Filmfestivals.

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Es gibt viel zu entdecken

Anders als der Dekameron, der ein mehr oder weniger realistisches Bild der mittelalterlichen Gesellschaft beschreibt, begibt Basile sich in seinem Werk auf die schwindelerregende Ebene eines fantasievollen Märchens. Die Ecksteine der drei Geschichten bilden eine unfruchtbare Königin, Albino-Zwillinge, ein gigantischer Floh, zwei alte Waschweiber, Seemonster, Zauberer und ein Höhlenmensch. Das Trio erzählt von drei Königreichen, ihren Einwohnern und den Schicksalen ihrer Herrscher. Verwoben werden die Geschichten im Schnitt so, dass sie harmonisch zusammenfließen und die zwei Stunden Laufzeit wie im Flug vergehen lassen.

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Zur Not reicht auch ein Finger

Mit einem ausgezeichneten Auge für Bilder hat Matteo Garrone mit „Il Racconto dei Racconti“ einen unglaublich schönen Film geschaffen, der mit schwebenden Kamerabewegungen, atemberaubenden Kulissen und prunkvoller Ausstattung eine märchenhafte Ästhetik versprüht, die bisher nicht oft erreicht wurde. Zeitweise weckt er ob seiner großspurigen, eleganten Optik Assoziationen zu Tarsem Singhs „The Fall“. Flankiert wird das Geschehen auf der Leinwand von einem epischen Soundtrack des großartigen Alexandre Desplat, der die Attribute der Bildgestaltung teilt und einen wichtigen Teil zum Film beiträgt.

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Genau wie die Maskenbildner

„Il Racconto dei Racconti“ ist die Definition eines internationalen Films. Produziert in Frankreich, Italien und England. Im Regiestuhl ein Italiener. Gefilmt in Englisch. Mit Beteiligung aus Mexiko (Salma Hayek), den USA (John C. Reilly), Frankreich (Stacy Martin, Vincent Cassel), England (Toby Jones) und Italien (Alba Rohrwacher). Das episodische Meisterwerk ist das Ergebnis der Kollaboration einiger der besten und kreativsten zeitgenössischen Filmschaffenden. Dies merkt man in jedem Bild, jedem Klang und jedem Moment dieses beeindruckenden, bezaubernden, vielseitigen Märchens.

10/10


Il Racconto dei Racconti (2015)

Tale of Tales

Das Märchen der Märchen

Surreales Märchen, Fantasy, Literaturadaption, Drama und noch vieles mehr!

Regie: Matteo Garrone

Buch: Matteo Garrone, Eduardo Albina, Ugur Chiti, Massimo Gaudioso, Giambattista Basile (Vorlage)

Darsteller: Salma Hayek, Vincent Cassel, Toby Jones, John C. Reilly, Shirley Henderson

Kinostart DE: 27.08.2015

Kinostart US: 

Heimkinostart DE: –

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Concorde

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Timo Löhndorf