Frequencies (OXV: The Manual)

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Ein merkwürdiges Indie-Kleinod aus England hat vor Kurzem den Sprung in die Regale der deutschen Elektrofachmärkte geschafft. „Frequencies“, auch bekannt als „OXV: The Manual“ ist der erste Langfilm des Regisseurs Darren Paul Fisher und nimmt irgendwo in der Nische zwischen junger Romanze, hochgeistiger Science-Fiction und philosophischer Debatte Platz. Wir haben die Blu-Ray zum Film rotieren und uns einen der außergewöhnlicheren Filme der letzten Jahre durch den Kopf gehen lassen.

Zum Film

Das Universum von „Frequencies“ wird, wie der Name bereits verrät, von Frequenzen beherrscht. Jeder Mensch hat seine eigene, unveränderliche Frequenz, die seinen Weg durchs Leben bestimmt. Marie (Eleanor Wyld) hat eine besonders hohe Frequenz, die sie zu einem Genie macht. Den Preis für ihren monströsen Intellekt zahlen sie und ihre Familie mit Empathie und sozialen Fähigkeiten, beides Fremdwörter für das Mädchen. Ihr Mitschüler Zak (Daniel Fraser) hat eine negative Frequenz, die ihn zwar zu einer umgänglichen Person macht, die Interaktion mit seinen Mitmenschen, insbesondere Marie aber erschwert. Nur eine Minute haben die beiden pro Unterhaltung, bevor Natur und Schicksal in bester „Final Destination“-Manier zwischen sie tritt.

Maries treffender Spitzname ist „The Machine“

In drei Zeitebenen erzählt Fisher die Entwicklung seiner Protagonisten, von arglosen Schulkindern über Teenager bis hin zu jungen Erwachsenen. Während dieser Zeit lässt Zak nichts unversucht, um den Fluch seiner niedrigen Frequenz zu bannen und sich permanenten Zugang zu seiner Jugendliebe zu gewähren. Zusammen mit seinem Freund Theo (Owen Pugh) stößt er auf ein Phänomen namens OXV, das die natürliche Ordnung zu stören vermag. Natürlich nimmt Mutter Natur diesen Eingriff in ihren Plan nicht ohne Weiteres hin und Zak muss sich schon bald den Konsequenzen seiner Suche nach Liebe stellen.

Eine flüchtige Begegnung

An diesem Punkt wechselt „Frequencies“ den Gang und was zunächst wie eine zierliche Romanze scheint, erweitert sich zu einem spannenden Drama, das sich mit den selbst auferlegten Regeln des fiktionalen Universums anlegt. Mit dem Eigenleben, das die OXV-Technologie entwickelt, spinnt Fisher eine philosophische Mythologie, die Jahrhunderte in die Vergangenheit reicht und die Welt des Films ungemein bereichert. Dabei diskutiert er eine der fundamentalen Fragen der Menschheit, den Konflikt zwischen Schicksal und freiem Willen. Anstatt sich auf die Idee eines Gottes zu beziehen, basiert er diese Überlegungen ausschließlich in einem theoretisch-wissenschaftlichen Kontext. Der Mix aus glaubhaftem menschlichen Drama mit philosophisch angehauchter Science-Fiction erinnert an die Arbeit von Mike Cahill, der mit „Another Earth“ und „I Origins“ einen ähnlichen Impuls von der anderen Seite des Teiches liefert.

But does it even matter?

Wenn es etwas gibt, das man dem Autorenfilmer Darren Paul Fisher in seinem Langfilmdebüt ankreiden kann, ist es die ungeheure Ambition, an der er sich zum Ende des Films zu verheben droht. Die zunehmend hohe Zahl an verschiedenen Elementen, mit denen er seinen Film spickt, machen es mitunter schwer, seiner Logik zu folgen. Trotzdem handelt es sich bei „Frequencies“ („OXV: The Manual“) um ein mehr als beeindruckendes Debüt, das mit seinem innovativen Drehbuch und einer einfallsreichen Inszenierung an Indie-Vorbilder wie Shane Carruth erinnert.

 

8/10

Zur Blu-Ray

Das Bremer Label OFDb Filmworks schickt zum Heimkinostart von „Frequencies“ drei verschiedene Versionen ins Rennen. Eine DVD, eine Blu-Ray sowie eine Sammleredition im Steelbook, die die Blu-Ray beinhaltet.

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Das von uns getestete Steelbook kommt mit einer Pappe daher, das auf der Vorderseite das Logo des Labels sowie den FSK-Sticker zeigt. Natürlich kann man die Pappe entfernen und wie schon bei der vorherigen Veröffentlichung von „Late Phases“ den Blick auf ein ansprechendes Cover-Design freigeben.
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Auf der Rückseite der Pappe warten die üblichen Angaben zur technischen- und Sonderausstattung des Films. Die Pappe ist außerdem so perforiert, das man alles außer der Rückseite abreißen kann, falls man diese behalten möchte. Die bloße Rückseite des Steelbooks zeigt ein ungestörtes Artwork zum Film.

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Zur technischen Ausstattung der Blu-Ray:

Der Film selbst kommt mit zwei Tonspuren in Deutsch und Englisch daher, beide als verlustfreies DTS-HD Master Audio gespeichert. Der Film ist Deutsch untertitelt. Die Tonmischung verhält sich größtenteils dezent, wie man es von einem dialoggetriebenen Film erwartet. Gewisse Szenen, wie der Überflug eines Flugzeugs oder der Eklat in einem Café bauen stellenweise Druck in der Tonkulisse auf. Zusammen mit dem attraktiven Transfer des Films ist an der technischen Ausstattung der Blu-Ray nichts zu bemängeln.

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Zur Sonderausstattung des Films gehört Folgendes:

  • Trailer zum Film (insgesamt drei, zwei auf Englisch, einer auf Deutsch)
  • Making Of-Featurette, das in mehrere kurze Kapitel unterteilt wurde. Darin kommen Schauspieler, der Regisseur und andere Beteiligte zu Wort und liefern Einblicke in Inspiration und Produktion
  • „Bonusszene“, die den Film nicht ergänzt, aber eine amüsante alternative Version einer im Film vorkommende Szene ist
  • Audiokommentar von Autor und Regisseur Darren Paul Fisher. Der junge Filmemacher begleitet den Film mit interessanten Anekdoten und verrät viel über seinen Prozess. Wenn man die Kommentarspur aktiviert, vernimmt man während Fishers Sprachpausen ein Echo, was an der doppelten Tonspur des Films liegt. Insgesamt ist der Ton des Films, der neben dem Kommentar des Regisseurs liegt, etwas laut.

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Insgesamt haben OFDb Filmworks mit ihrer Veröffentlichung von „Frequencies“ („OXV: The Manual“) gute Arbeit geleistet. Der kleine, aber sehr feine Film, der in den zwei Jahren seit seiner Entstehung hauptsächlich auf Festivals ein Publikum fand, steht dem deutschen Interessenten in einem angemessenen Gewand zur Verfügung. Bleibt zu hoffen, dass ihm die Aufmerksamkeit zuteil wird, die dieser clevere, komplizierte Indie-Genremix verdient.


OXV: The Manual (2013)

Frequencies

Romanze, (soft) Sci-Fi, philosophisches Experiment

Regie: Darren Paul Fisher

Buch: Darren Paul Fisher

Darsteller: Eleanor Wyld, Daniel Fraser, Owen Pugh, David Broughton-Davies, Gareth Llewelyn, Ria Carroll,

Kinostart DE:

Kinostart US: 23.05.2014

Heimkinostart DE: 23.06.2015

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei OFDb-Filmworks

 

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Timo Löhndorf