Fantastic Four

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Nachdem die Disney-Sparte von Marvels Gedankengut ihr Pulver für 2015 mit „Avengers: Age of Ultron“ und „Ant-Man“ bereits verschossen hat, ist Fox an der Reihe. Im Angebot ist ein Neustart des „Fantastic Four“-Franchises, das in 2005 und 2007 bereits Verfilmungen erfahren durfte. Da die beiden Vorgänger, die von Kritik und Publikum nicht besonders wohlwollend aufgenommen wurden, offenbar noch nicht schlecht genug waren, versucht Fox, die äußerst niedrige Messlatte zu unterschreiten. Ein Ziel, das die Neuauflage der Fantastischen Vier problemlos erreicht.

Es hört nicht auf..

Als Comic-Nichtleser, der die beiden ersten Filme taktisch vermieden hat, wusste ich nicht, was mich erwartet. Entsprechend positiv war ich überrascht, als der erste Abschnitt von „Fantastic Four“ sich dem Thema der interdimensionalen Reise annahm. Schließlich sind derartige, stark fiktionalisierte Darbietungen von wissenschaftlichem Gedöns erstmal interessant. Der Anfang des Films tut allerdings wenig, um den Zuschauer auf das kommende Debakel vorzubereiten.

In seiner Garage bastelt der junge Reed Richards (später Miles Teller), der eigentlich Tony Stark heißen sollte, mit seinem Freund Ben Grimm (später Jamie Bell) an einem Teleporter. Einige Jahre später wird Ben während eines Wettbewerbs an seiner Schule von Wissenschaftler Franklin Storm (Reg E. Cathey) und dessen Tochter Sue (Kate Mara) wegrekrutiert, um seine Technologie mit jeder Menge Geld zu verfeinern. Im Zuge seiner Arbeit trifft Reed außerdem auf Johnny (Michael B. Jordan) und Victor von Doom (Toby Kebbell), dessen Name sehr vertrauenswürdig klingt und nur wenig Unheil verspricht. Nach einem Besuch in der fremden Dimension erlangen Johnny, Sue, Reed und Ben (der aus irgendeinem Grund plötzlich wieder dabei ist) Superkräfte. Herr von Doom bleibt zurück und baut seine Zelte in der alternativen Dimension auf.

„Immerhin habe ich in Whiplash mitgespielt“ – Miles Teller

Wer jetzt vor seinem Bildschirm sitzt und sich lauthals darüber beschwert, wie lieblos und grob ich die Handlung des Films umrissen habe, kann beruhigt sein. Im Gegensatz zum tatsächlichen Film läuft meine Inhaltsangabe von „Fantastic Four“ mit Leidenschaft und Sorgfalt über. Wo der Marvel-Zyklus um die Avengers und die Guardians weitgehend genießbare Filme produziert, ist diese Interpretation einer dritten Superhelden-Gruppe frei von all dem, was (Comic)Filme erträglich macht. Namentlich ein kohärentes Drehbuch, eine harmonische Figuren-Konstellation, aufregende Szenen, Spaß, Spannung und Action.

Ben und Reed, eine steinige Freundschaft

Stattdessen zeichnet sich „Fantastic Four“ durch eine mehr als holprige Struktur, unnötige, irritierende Zeitsprünge und last but not least schlichtweg dumme Charaktere aus, deren Dialoge und Aktionen ein konstantes Kopfschütteln verursachen. Um den unkoordinierten Haufen von Film abzurunden, hetzt „Fantastic Four“ 20 Minuten vor Schluss ins essentielle Finale, bei dem die Zerstörung der kompletten Welt drohen muss. Selten war die Langeweile im letzten Akt eines Films so ausgeprägt und penetrant.

Ich möchte erneut unterstreichen, wie lächerlich der Name Victor von Doom ist

Die Produktion wurde von Neudrehs, komplizierten Bedingungen und offenbar internen Unstimmigkeiten gebeutelt. Leider wird dies im gehetzten, halbseidenen Film nur all zu deutlich. „Fantastic Four“ ist ein extrem schwacher und beinahe ungenießbarer Versuch, die beinahe vergessene Superhelden-Truppe erneut aufzuwärmen. Es bleibt zu hoffen, dass die Rechte an den Figuren nach diesem Rohrkrepierer entweder an Marvel zurückgehen, oder dass die Kinolandschaft zunächst vom Auftritt der „Fantastischen“ Vier verschont bleibt.

2/10


Fantastic Four (2015)

Superhelden, Action, Langeweile

Regie: Josh Trank

Buch: Josh Trank, Simon Kinberg, Jeremy Slater

Darsteller: Miles Teller, Kate Mara, Michael B. Jordan, Jamie Bell, Reg E. Cathey, Toby Kebbell, Tim Blake Nelson

Kinostart DE: 13.08.2015

Kinostart US: 07.08.2015

Heimkinostart DE: –

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Constantin

3 comments to Fantastic Four

  • Flo Lieb  sagt:

    Ich gehöre ja zu der Minderheit, die Tim Storys ersten Teil damals ziemlich in Ordnung fanden. Effekte waren natürlich schon damals – da immerhin von Bernd Eichinger produziert – nicht state of the art, aber als Helden-Genesis funktionierte der für mich ordentlich. Vielleicht auch für dich mal einen Blick wert, bezweifle, dass er schlechter ist als das Remake hier.

  • Timo Löhndorf  sagt:

    Da mir das Superhelden-Gedöns inzwischen sowieso mehr und mehr auf den Geist geht glaube ich kaum, dass ich mich da noch durch den Back-Katalog wühle. Aber danke für den Tip!

  • Lennart Gotta  sagt:

    Als jemand, der sowohl die 2000er als auch den neuen F4 gesehen hat, kann ich sagen, dass die beiden „alten“ Filme im Gegensatz zum 2015er vollkommen okay sind. Der Neue ist einfach der letzte Müll und bekommt das jetzt auch um die Ohren gehauen. Ich hoffe Miles Tellers und Michael B. Jordans Karrieren werden dadurch jetzt nicht stark beeinträchtigt. Für mich einer der größten Fails der 2010er.

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Timo Löhndorf