Straight Outta Compton

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Im bald erscheinenden Musik-Drama „Straight Outta Compton“ zeigt Regisseur F. Gary Gray den Auf- und Abstieg der Gangsta-Rap-Gruppe N.W.A (Niggaz Wit Attitudes) und seinen bekanntesten Mitgliedern Dr. Dre, Ice Cube und Eazy-E. Dabei wird nicht nur der Werdegang besagter Rapper beleuchtet, sondern auch die Unruhen in Compton und den U.S.A. Ende der ’80er- und Anfang der ’90er-Jahre.

N.W.A Begins (…and Ends)

„Straight Outta Compton“ beginnt relativ schlicht mit der Vorstellung der einzelnen Hauptcharaktere und der Einführung der Verhältnisse des berüchtigten L.A.-Vororts Compton, in dem  O’Shea „Ice Cube“ Jackson – portraitiert von seinem Sohn O’Shea Jackson Jr., Dr. Dre a.k.a. André Romell Young (Corey Hawkins), Eric Lynn Wright, auch bekannt als Eazy-E (Jason Mitchell), und Co. aufgewachsen sind. Ziemlich früh wird dabei klar, dass sich vor allem die beiden erstgenannten alles um die Rap-Musik und ihre Karriere dreht. Nach kurzer Zeit gründen Cube, Dre und E zusammen mit MC Ren (Aldis Hodge) sowie DJ Yella (Neil Brown Jr.) N.W.A. Damit beginnt gleichzeitig eine kleine Achterbahnfahrt, während der ein rasanter Aufstieg der Rap-Gruppe mit allem drum und dran passiert.

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coming straight from the underground…

Gleichzeitig werden auch immer wieder der in den 80ern und 90ern vorherrschende Rassismus innerhalb großer Teile des Strafvollzugs  in L.A., Detroit und den U.S.A. im Allgemeinen sowie die Vorurteile gegen Gangsta-Rap thematisiert. Dabei werden die gezeigten Exemplare der Polizei und des FBIs stets in einem sehr schlechten Licht dargestellt. Immer wieder wird so klargestellt, dass Schwarze in den Ghettos zu dieser Zeit (und vermutlich auch danach) mit Vorurteilen und blankem Rassismus konfrontiert wurden. N.W.A und ihre Musik – beispielsweise der Song „Fuck tha Police“ – haben sich damals als eine Art Staatsfeind Nr. 1 herauskristallisiert und mussten sich mit Einschüchterungsversuchen und Polizeigewalt auseinandersetzen. In diesem Zuge behandelt „Straight Outta Compton“ auch Ereignisse wie den Fall Rodney King und die daraus resultierenden Los Angeles Riots von 1992.

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Sogar schwarze Cops sind schwarze Schafe…

Im Laufe des Films stellen sich Ice Cube, Dr. Dre und Eazy-E sowie der langjährige Manager von N.W.A Jerry Heller (Paul Giamatti) als die Hauptcharaktere heraus. Nach dem Zerwürfnis zwischen der Fraktion E/Heller und Cube sowie später auch Dre, befasst sich „Straight Outta Compton“ mit dem folgerichtigen Rap-Battle, dem Rumgedisse und den Kabbeleien.

Was jetzt kommt kann als Spoiler für diejenigen verstanden werden, die sich nicht mit der Geschichte von N.W.A und seinen Akteuren auskennt. Also Vorsicht:

SPOILERWARNUNG!

Während Cube und Dre erfolgreiche Solo-Karrieren starteten, musste E den mehr oder weniger stetigen Untergang von N.W.A als Leader miterleben und damit auch seinen finanziellen Ruin. Der letzte Akt behandelt dann vor allem die Wiederannäherung der ehemaligen Bandmitglieder sowie die AIDS-Erkrankung von Eazy-E und seinen frühen Tod. Zum Abschluss werden noch ein paar Originalszenen und -bilder der Rap-Gruppe gezeigt, was insgesamt ein nettes Finish für den Film darstellt.

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Im Mittelpunkt stand dabei das Gedenken an Eazy-E.

Erst bricht N.W.A auseinander… und dann der Film

Die erste Hälfte von „Straight Outta Compton“ ist ohne Zweifel gut gemacht und gut gepaced. Jeder Charakter bekommt seine nötige Zeit zur Vorstellung, ohne dass dabei große Längen entstehen. Vor allem die Tour-Szenen und Auftritte (beispielsweise in Detroit) wurden toll inszeniert. Die Musik stimmt sowieso.

Hervorzuheben sind Paul Giamatti als der (un-)sympathische Jerry Heller und  O’Shea Jackson Jr., der sein Schauspieldebüt feiert, seinen Vater wirklich gut portraitiert und somit auch in dessen Fußstapfen tritt. Allgemein erweist sich das Casting alleine vom Lookalike-Faktor aus gesehen als brillant. Jeder Charakter ist zumindest äußerlich richtig gut getroffen und auch die Leistungen der einzelnen Darsteller können sich insgesamt sehen lassen. Als positiv ist mir zudem aufgefallen, dass sowohl die guten als auch die schlechten Seiten jedes Hauptcharakters kritisch beleuchtet wurden.

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Vor allem Jerry Heller bekommt sein Fett weg.

Auch Kurzauftritte wie von Marcc Rose als Tupac Shakur und Keith Stanfield, der nach seinem fantastischen Langfilmdebüt im wunderschönen „Short Term 12“ einige gute Rollen in bekannten Features (z. B. „Selma“) hingelegt hat und hier einen jungen Snoop Dogg darstellt, sind absolut solide.

Was aber schade ist und „Straight Outta Compton“ ein Stück weit das Genick bricht, ist die zweite Hälfte. Der Zusammenbruch des Filmes wird quasi durch das Auseinanderbrechen von N.W.A eingeleitet. Wohingegen im ersten Abschnitt eine klare Struktur, der sogenannte rote Faden, stets zu erkennen ist, fühlt sich der Rest ein Wenig so an, als ob kleine Storybausteine fließbandartig abgehandelt werden, ohne elegante Übergänge. Das nimmt einen irgendwie vollkommen aus dem Film heraus und führt dazu, dass sich die knapp 2,5 Stunden Spieldauer unheimlich ziehen. Als Sympathisant und nicht Hardcore-Fan von N.W.A bzw. Gangsta-Rap im Allgemeinen fällt somit die zweite Hälfte deutlich ab.

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„Achja, das müssen wir auch noch in den Film einbauen…“

Etwas irritierend ist auch die grundsätzlich negative Darstellung des amerikanischen Strafvollzugs. Es wäre schön gewesen, wenn sich zumindest ein kleiner weißer Cop nicht wie ein Vollblut-Nazi-KKK-Schwein verhalten hätte und der Vorgehensweise seiner Kollegen kritisch gegenüber gestanden hätte. Mir ist zwar klar, dass dies zum Vibe von „Straight Outta Compton“ und N.W.A beitragen sollte („Fuck tha Police“), doch irgendwie ist diese Charakterisierung etwas zu Schwarz/Weiß. Obwohl ich das nicht wirklich einschätzen kann und die Zustände in den U.S.-Ghettos gerade gegen Ende der ’80er- und Anfang/Mitte der ’90er-Jahre gewiss schlimm gewesen sind.

Im Fazit steht ein ordentlicher Film, der aber vor allem im zweiten Abschnitt deutlich an Elan verliert. Die Leistungen der Darsteller sind generell gut bis sehr gut und das Production Design sehr gelungen. Da sich die knapp 150 Minuten zum Ende aber eher wie 180 Minuten anfühlen, verharrt „Straight Outta Compton“ im Mittelfeld. Als Fan von N.W.A und Gangsta-Rap oder „White Guilt“-Filmen ist ein Kinobesuch durchaus zu empfehlen. Wer sich damit aber nicht identifizieren kann oder die Materie nicht interessant findet, wird nicht wirklich viel für sich mitnehmen können. Mir hat „Straight Outta Compton“ insgesamt gefallen, mehr nicht.

Ab dem 27. August 2015 wird der Film auch in die deutschen Kinos Eingang erhalten.

 

5,5/10

 



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Straight Outta Compton (2015)

Biographie, Drama, Musik, Polizeigewalt

Regie: F. Gary Gray

Buch: Andrea Berloff, Jonathan Herman, S. Leigh Savidge (Story), Alan Wenkus (Story)

Darsteller: O’Shea Jackson Jr., Corey Hawkins, Jason Mitchell, Neil Brown Jr., Aldis Hodge, Paul Giamatti, R. Marcos Taylor, Keith Stanfield

Kinostart DE: 27.08.2015

Kinostart US: 14.08.2015

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Universal Pictures

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Lennart Gotta