Der kleine Tod. Eine Komödie über Sex

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Während der geneigte Kaufhaus-Stöberer verwundert die Stirn runzelt, macht die als „kleiner Tod“ betitelte Komödie für die frankophone Bevölkerung mehr Sinn. Das französische „la petite mort“ ist natürlich einer der Begriffe, mit dem die westlichen Nachbarn den sexuellen Höhepunkt bedacht haben. In Australien, weit weg von Frankreich, hat Regisseur und Autor Josh Lawson in den letzten Jahren seine episodische Komödie zusammengebaut, die sich neben zahlreichen Höhepunkten auch den Tiefpunkten seiner fünf Paare widmet. Das Ergebnis trägt stolz den aufregenden Titel „Der kleine Tod“ und wird ab Ende August deutsche Regale zieren. Ich habe mir die Blu-Ray angesehen und bin noch immer total aufgeregt.

Zum Film

Von der „schönsten Nebensache der Welt“ kann schon lange nicht mehr die Rede sein. Im neuen Millenium hat das Internet unsere Fähigkeit, die eigenen Perversionen auszuleben und mit (Un)Interessierten zu teilen, revolutioniert. Ob diese drastische Entwicklung förderlich fürs seelische Wohlergehen der menschlichen Seele ist, darf bezweifelt werden. Inzwischen wird der Alltag der Welt von Sex dominiert. Entweder macht man es zu wenig, zu viel, zu schlecht, zu gut oder mit den angeblich falschen Partnern. Die eine Hälfte der Bevölkerung ist übersättigt, die andere unterstättigt. Und man kann mit Zuversicht behaupten, dass Kopulation langsam aber sicher die Nr. 1 der kollektiven Prioritäten-Liste ist, knapp vor Kapital. Was wir also am wenigsten gebrauchen können, ist eine weitere langweilige und formelhafte Klamotte, die zielsicher auf die niedersten Instikte ihrer Zuschauer abzielt und ihnen das hart verdiente Geld aus der Tasche zieht.

Zum Glück ist Josh Lawsons „Der kleine Tod“ nichts von all dem.

Ungeachtet meines obigen Plädoyers ist Sex selbstverständlich ein wichtiger Aspekt der menschlichen Kondition. Diese Aussage vertritt Lawson in seinem Langfilm-Regiedebüt auch. Seine Definition von „wichtig“ beschränkt sich allerdings nicht auf notgeile Studenten, die einer Deadline hinterherrennen, um ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. In „Der kleine Tod“ haben wir das Vergnügen, ausschließlich erwachsenen und (mehr oder minder) verantwortungsbewussten Charakteren zuzusehen, wie sie durch das Minenfeld der modernen Sexualität navigieren. Denn auch wenn die Anonymität des Internets Zuflucht für nahezu alle abseitigen Vorlieben bietet, ist der Weg zur Harmonie im Ehebett noch ein langer und steiniger.

Wer sich bereits in den Tiefen der weltweit vernetzten Pornogrube verlaufen hat (was jedem passieren kann!!), wird über die Macken der Figuren kaum Schlaf verlieren. Natürlich geht es auch nicht darum, seltsame Vorlieben heraus- und bloß zu stellen, sondern vielmehr darum, wie eben solche Vorlieben eine romantische Beziehung in unserer so aufgeklärten Gesellschaft beeinflussen können. Das Schlüsselwort ist, wie immer, Kommunikation. Insofern unterscheidet sich die „Komödie über Sex“ nicht wesentlich von anderen Filmen mit Beziehungs-Thematik. Sie macht nur weitaus mehr Spaß.

Im Gegensatz zu seinen Charakteren, die mit ihren verschleierten Gelüsten zum Teil im Unreinen sind, begleitet Lawson ihre intimen Abenteuer mit einer verspielten Zutraulichkeit, die angemessen schamlos wirkt ohne dabei ins Voyeuristische abzugleiten. Damit gelingen ihm nicht nur glaubhafte Porträts von Paaren in verschiedenen Stufen ihrer Beziehung, sondern auch ein Gefühl der Natürlichkeit, die dem Thema Sex in der modernen Popkultur oftmals fehlt.

Das Thema des Films mag nicht besonders originell sein, die Herangehensweise ist es aber in jedem Fall. Selten wurden die „exotischeren“ sexuellen Differenzen zwischen Mann und Frau so lustvoll, einfühlsam und witzig behandelt. In einer Gesellschaft, die von grotesken Verzerrungen der Sexualität (siehe „Fifty Shades of Grey“) überladen ist, wirkt „Der kleine Tod“ wie ein Gegenmittel. Josh Lawson zeigt einen ehrlichen, spaßigen und nicht all zu realitätsfernen Blick, der die Welt des Matratzensports endlich wieder um ein längst überfälliges Augenzwinkern bereichert.

9/10


Zur Blu-Ray

Wie es für die Veröffentlichungen von Weltkino üblich ist, kommt auch „Der kleine Tod“ mit einem Wendecover daher, um den unsäglichen FSK-Fleck unsichtbar zu machen. Ein weiteres Juwel der Verpackung ist ein Zitat der Cosmopolitan, die sich inzwischen mit ihren berühmten(berüchtigten) Sextipps zu einer der meist gefürchtetsten Publikationen der Männerwelt gemausert hat.

Zu den inneren Werten:

Bild

Präsentiert wird der australische Export in seinem originalen Bildformat von 2,35:1 und in einem AVC-enkodierten HD-Transfer, der dem Film mit natürlichen Farben und einer knackigen Schärfe gerecht wird. Auf Blu-Ray sieht „Der kleine Tod“ wunderbar aus und hat durch die Kompression keine nennenswerten Mängel erlitten.

Im Film tauchen in regelmäßigen Abständen Zwischentitel auf, die die verschiedenen sexuellen Vorlieben definieren. Statt die Originale zu untertiteln hat Weltkino ein deutsches Bildmaster angefertigt, in dem die Titel bereits eingedeutscht sind.

Auf der Disc befinden sich zwei deutsche Untertitelspuren. Eine mit Untertiteln für den gesamten Film, eine mit Untertiteln für einzelne Szenen, die sich in Gebärdensprache abspielen.

Ton

Es werden drei Tonspuren angeboten:

  • Deutsch 5.1 DTS-HD Master Audio
  • Deutsch 2.0 DTS-HD Master Audio
  • Englisch 5.1 DTS-HD Master Audio

Ein großes Effektfeuerwerk werden die heimischen Lautsprecher nicht abfeuern, was kaum jemanden stören dürfte. Ein Großteil des Films besteht aus Dialogen und Atmosphäre, ergänzt durch einen großzügigen Einsatz von Filmmusik. Beim Testen der englischen Tonspur fiel mir öfter eine etwas ungeschickte Balance zwischen der Sprache und der restlichen Tonkulisse auf. Gelegentlich ist der ohnehin etwas schräge Aussie-Dialekt über der sehr laut gemischten Musik nicht zu hören. Ansonsten bieten sowohl O-Ton als auch Synchronisation ein gutes Klangbild.

Bonusmaterial

An Extras bringt die Heimkino-Veröffentlichung von „Der kleine Tod“ Folgendes mit:

– Interviews (11 Videos, je 2-4 Minuten)

Ein Haufen kleiner Ausschnitte, in denen viele der Beteiligten zu Wort kommen. Dazu gehören die 10 Schauspieler hinter den fünf Paaren (darunter auch Regisseur Josh Lawson) und die Produzenten Jamie Hilton und Michael Petroni. Die kurzen Interviews sind nett anzuschauen und lassen hinter die Kulissen einer augenscheinlich sehr harmonischen Produktion blicken. Allerdings ist auch viel vom gegenseitigen Lob dabei, das man in Promo-Material für gewöhnlich findet.

Englisch, Deutsch untertitelt.

– Behind the Scenes (10:37)

Unkommentiertes Material der Dreharbeiten, das hauptsächlich die Kollaboration zwischen dem Regisseur und seinen Schauspielern zeigt. Außerdem dabei ist das übliche Geplänkel am Set, bestehend aus Gesprächen, Gelächter und Schabernack.

Englisch, Deutsch untertitelt

– Trailer (01:41)

Handelsüblicher Trailer zum Film.

Deutsch, nicht untertitelt.

– Teaser (01:42)

Teaser zum Film, der aus einem Ausschnitt des Films besteht und lustigerweise länger ist, als der Trailer.

Deutsch, (Gebärdensprache) Deutsch untertitelt

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Fazit

„Der kleine Tod“ ist ein ausgesprochen clever, witziger und einfach guter Film. Er arbeitet das Thema Sex fürs anspruchsvollere Publikum auf, ohne dabei zu ernst, zu albern oder zu ordinär zu sein. Weltkinos Veröffentlichung wird dem Film mit einer soliden technischen Präsentation mehr als gerecht. Das Bonusmaterial bringt keine großen Erkenntnisse mit sich, aber Hauptattraktion und somit Kauf/Leihgrund der Disc ist ganz klar Josh Lawsons (beinahe) revolutionäre Komödie über Sex.

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The Little Death (2014)

Der kleine Tod. Eine Komödie über Sex

Komödie

Regie: Josh Lawson

Buch: Josh Lawson

Darsteller: Bojana Novakovic, Damon Herriman, Josh Lawson, Patrick Brammall, Ben Lawson, Erin James

Kinostart DE: 09.04.2015

Kinostart US: 26.06.2015

Heimkinostart DE: 28.08.2015

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Weltkino

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Timo Löhndorf