Frank

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Mit reichlich Verspätung startet der britische „Frank“, der eine Schneise der Verzückung durch globale Filmfestivals gezogen hat, nun auch in Deutschland. Lenny Abrahamsons Story über den pekuliären, behelmten Musiker Frank und den Möchtegern-Künstler Jon ist ein arg ungewöhnlicher Film, dessen mysteriöser Titelcharakter nur einen Bruchteil des absurden Schauspiels ausmacht.

Die Suche nach einer unglücklichen Kindheit

In Gedanken versunken sitzt Jon Burroughs (Domhnall Gleeson) an der Küste, twittert sein Gedankengut in eine uninteressierte Welt hinaus und träumt davon, so viel mehr zu sein als ein langweiliger Büro-Hengst. Er möchte Künstler sein. Eine schillernde Figur, die die Außenwelt an ihrer reichen Innenwelt teilhaben lässt. Durch ein Gastspiel des Schicksals gerät er an die Indie-Band „The Soronprfbs“ und seine Träume scheinen erfüllt. Bevölkert wird die Truppe von Charakteren, in deren Vergleich ein Regenbogen farblos wirkt. Die kratzbürstige Clara (Maggie Gyllenhaal), der depressive Don (Scoot McNairy) und natürlich Baraque und Nana, die nicht ein Wort Englisch sprechen. Der König der Kuriositäten ist allerdings Frank, ein erwachsener Mann, der sein Dasein (inklusive Duschen, Singen und Essen) in einem überdimensionalen Pappmaché-Helm fristet. Der junge, ambitionierte Jon schwebt auf Wolke 7, als er zum Keyboarder der Band wird und sie auf ihrem abseitigen Weg begleitet.

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Jon und Frank – Eine unmögliche Bruderschaft

Wo andere Filme sich mit profanen Themen wie Liebe, Geld, Ruhm und Erfolg widmen, hat „Frank“ ein weitaus weniger greifbares Ziel im Visier und nimmt passenderweise eine sehr unorthodoxe Form an. Im Kern steht Frank. Oder vielmehr ein Bild von Frank, das sich in Jons Kopf etabliert hat. Wie einen lebendigen Mythos himmelt der junge Möchtegern den ebenso rätselhaften wie kreativen Kopf an und bewundert seine Fähigkeit, aus Gefühlen und Gedanken Klänge zu machen. Auch wenn diese Klänge aus absurd arrangierten, inkohärenten Songs bestehen. Über kurz oder lang wird Jons Verblendung ihn dazu treiben, etwas zu genau hinter die Maske zu schauen und das Wohlergehen der Soronprfbs aufs Spiel zu setzen.

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Eine Maske verrät mehr als ein Gesicht

„Frank“ ist nicht nur in seinem Sujet ein angenehm außergewöhnlicher und überraschender Film. Selbst geübte Kinogänger werden ihre Orientierung verlieren, wenn die Konstellation der Figuren, ihre Rolle im Film und schließlich die gewohnte dramatische Struktur auf den Kopf gestellt werden. All diese eigenwilligen Kunststücke vollbringt Regisseur Lenny Abrahamson, ohne dabei den Unterhaltungswert seines Films aufs Spiel zu setzen. Als Motor der kuriosen Vorgänge dient Frank, der ohne seinen Helm eine charmante, freundliche und anziehende Persönlichkeit wäre. Das Drehbuch konfrontiert Frank mit vielen Situationen, die auf einer Linie zwischen abseitiger Komik und unerklärlicher Tragik balancieren. Sogar ohne seine in Stein gemeißelten Gesichtsausdrücke brilliert Michael Fassbender in dieser, vermutlich originellsten Rolle seiner Karriere.

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Ein Gig ist ein Gig, auch wenn mehr Leute auf der Bühne stehen als davor

Das britische Indie-Drama will nicht so recht in Schubladen passen und setzt sich mit einer Vielzahl von interessanten Themen auseinander, die man nicht all zu oft verfilmt sieht. Darunter die Ursprünge eines kreativen Genies, die Vor- und Nachteile des künstlerischen Ausdrucks und schlussendlich die Stolpersteine auf dem Weg zu Ruhm und Anerkennung. Man mag sich an dem ungewöhnlichen Film erfreuen oder ärgern, auf jeden Fall sollte man Franks unorthodoxen Charme über sich ergehen lassen und sich einen der originellsten Filme der letzten Jahre zu Gemüte führen. Und wenn es nur für die schlichtweg geniale Szene ist, die den Film so wunderschön und punktgenau beendet.

9/10


Zur Blu-Ray:

Unsere heimlichen Favoriten von Weltkino haben uns ein Blu-Ray-Exemplar zukommen lassen. Am 30. Oktober erscheint „Frank“ bereits im deutschen Handel als DVD und in der HD-Version. Was die Scheibe zu bieten hat und ob es eine Kaufempfehlung gibt (Spoiler: Ja, der Film ist genial), wollen wir mal herausfinden. Das Menü begrüßt einen zumindest schon mal fröhlich mit einer schlichten Handhabung.

Das Bild:

Bei 1080p und einem Bildformat von 2.40 zu 1  gibt es generell nichts zu meckern. Man bekommt genau das, was erwartet wird. Die im Film prominenten Tweets sind allesamt ins Deutsche übersetzt, stört in diesem Fall aber nicht.

Der Ton:

Neben der deutschen DTS-Tonspur in 5.1 und Stereo liefert die Blu-Ray von „Frank“ auch den Originalton in der DTS-Mehrkanal-Version. Dazu gibt es deutsche Untertitel. Alles super.

Die Extras:

Die Zusatzausstattung wirkt zunächst ein Wenig karg, doch das täuscht. Neben einem zehnminütigen Blick hinter die Dreharbeiten von „Frank“ findet man hier auch eine ganze Reihe an Interviews mit Cast und Crew. Diese sind allesamt interessant und dauern länger als nur zwei, drei Minuten. Wer sich also für die Stimmen der Macher und Schauspieler begeistern kann, hat mit dem Bonusmaterial auch Freude. Zu guter Letzt ist der Trailer vom Film selbst mit dabei sowie eine Trailershow der Weltkino-Highlights.

Das Fazit:

Es ist nicht ganz Weltkinos most likeable home-release ever, aber trotzdem eine netter Zuwachs für das heimische Filmregal. Bild und Ton sind über jeden Zweifel erhaben und auch die Extras sind die Investition wert. Der Film ist ohnehin klasse, also beide Daumen hoch für „Frank“.


Blu-Ray / DVD


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Frank (2014)

Komödie, Drama, ???

Regie: Lenny Abrahamson

Buch: Jon Ronson, Peter Straughan

Darsteller: Domhnall Gleeson, Michael Fassbender, Maggie Gyllenhaal, Scoot McNairy

Kinostart DE: 27.08.2015

Kinostart US: 15.08.2015

Heimkinostart DE: 30.10.2015

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Weltkino

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Timo Löhndorf