Deathgasm

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Mit „Deathgasm“ bietet das diesjährige Fantasy Filmfest den ganz speziellen Dämonen-Horrorsplatter. Statt Ouija-Bretter oder teuflische Artefakte für die Dämonenbeschwörung zu verwenden, liegt der Fokus hier auf der Metal-Musik. Außerdem noch auf Dildos und Möpsen (nicht die Hunde).

Hail Aloth!

Brodie (Milo Cawthorne) ist ein junger Metalhead in Neuseeland mit einigen persönlichen Baustellen. Seine Mutter wurde endgültig in die geschlossene Anstalt gesperrt, deswegen muss er jetzt bei seinem bibelchristlichen Onkel Albert, seiner ebenso religiösen Frau Mary und ihren halbstarken Sohn leben. Dieser hat es genauso auf die hübsche Blondine Medina (Kimberley Crossman) abgesehen wie Brodie selbst.

Das Blatt wendet sich erst ein Wenig als er den rebellischen Zakk (James Blake) trifft. Mit ihm und seinen beiden nerdigen Schulfreunden Dion (Sam Berkley) und Giles (Daniel Cresswell) gründet Brodie die Metal-Band DEATHGASM – „because lower cases are for pussies!“. Nachdem Brodie und Zakk die uralten Notenblätter der Black Hymn in die Finger bekommen, beginnt das wahre Chaos. Mit dem Spielen der schwarzen Hymne schaffen sie es, die Nachbarschaft in blutrünstige Dämonen zu verwandeln und die Ankunft des Dämonen-Boss‘ Aloth durch ein Höllenportal einzuleiten.

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Good Job!

Erfrischend und bekannt

Mit „Deathgasm“ hat das Fantasy Filmfest 2015 einen erfrischenden Beitrag im Splatter-Horror präsentiert. Das liegt vor allem an der ungewöhnlichen Implementierung der Metal-Musik, die zum Ende hin an „Knights of Badassdom“ mit Peter Dinklage erinnert. Hier freut sich der Metal-Fan gerade über Umgang mit dem Thema bzw. der Musikrichtung selbst, welcher sogar eingehender hätte sein dürfen. Auch der Humor kommt hier nicht zu kurz, obwohl der sich oftmals unter der Gürtellinie befindet. Auch deswegen ist ein Vergleich zu Meta-Horrorkomödien wie „Tucker and Dale vs. Evil“ oder „Cabin in the Woods“ so unpassend wie unnötig. Viel mehr liegt der Grund in der Art und Weise wie der Humor eingesetzt wird. Denn „Deathgasm“ ist in keiner Weise ein Meta-Film für das Genre an sich, sondern einigermaßen geradlinige Splatter-Comedy.

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Bildunterschrift nicht notwendig…

Regisseur und Drehbuchautor Jason Lei Howden, der als Visual Effects Artist für die „Hobbit“-Trilogie und Blockbuster wie „The Avengers“ und „Prometheus“ gearbeitet hat, feiert mit „Deathgasm“ sein Langfilm-Debüt. Für Genre-Fans ist es dabei ersichtlich, dass sich Howden zu relativ großen Teilen an der „Evil Dead“-Reihe („Tanz der Teufel“) bedient hat. So wird „Deathgasm“ in gewisser Weise auch zu einer Hommage an die Horror-Klassiker von Sam Raimi.

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Groovy.

Doch wer sich mit „Evil Dead“ und Ashley Williams (Bruce Campbell) messen will, darf sich nicht vor einem Vergleich scheuen. Hier muss „Deathgasm“ sich geschlagen geben und ein paar Kritikpunkte wegstecken. An erster Stelle steht dabei die unnötig verkomplizierte Story. Durch viele Subplots wird diese schlicht undurchsichtiger und der Zuschauer wird wiederholt vom eigentlichen Geschehen abgelenkt. Man könnte sich zudem über einige dumme Plotholes, zu Deutsch Handlungslöcher, aufhalten, doch das wollen wir an dieser Stelle mal unterlassen. Des Weiteren ist der Humor etwas infantil. Dildos und Brüste können lustig sein, können jedoch irgendwann zuviel sein.

Zu guter Letzt schafft es „Deathgasm“ nicht, seinen zu Anfang etablierten Stil in Sachen Schnitt und Kameraarbeit bis zum Ende durchzuhalten. Gerade die witzigen Überblenden in den ersten zehn Minuten sind später nicht mehr zu sehen. Dadurch leidet auch das Tempo des 90-minütigen Films, welcher vor dem tatsächlichen Start des Gemetzels ein bisschen Langeweile entwickelt.

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Was man bei diesem Filmausschnitt nicht vermuten möchte

Auf der Habenseite stehen wiederum gutes Make-Up und für das Budget sehenswerte Effekte, bei denen Howden seine Erfahrung einbringen konnte. Auch das Design der Dämonen ist durchaus gelungen. Sehr erfreulich ist außerdem der starke Gebrauch an Kunstblut, welches dem Splatter-Charakter des Films gut getan hat.

Damit ist „Deathgasm“ ein sehr unterhaltsamer Splatter-Film mit einer guten Portion Humor und einem ansehnlichen visuellem Stil. Wenn auch nicht fehlerlos, kann der Film insgesamt überzeugen und bringt somit frischen Wind in das Genre und das Fantasy Filmfest.

 

7/10

 


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Deathgasm (2015)

Splatter-Zombie-Horror, Comedy, Dildos, Schwermetall

Regie: Jason Lei Howden

Buch: Jason Lei Howden

Darsteller: Milo Cawthorne, James Blake, Kimberley Crossman

Kinostart DE: 10.08.2015 (limited release im Rahmen des Fantasy Filmfest 2015)

Kinostart UK: 28.08.2015

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Lennart Gotta