Kiss the Cook – So schmeckt das Leben (Chef)

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Nach den ersten beiden Teilen von „Iron Man“ und „Cowboys & Aliens“ hat sich Filmemacher Jon Favreau insgesamt drei Jahre Zeit genommen, um mal wieder einen eigenen Film zu machen. In den letzten Jahren hat er sich eher auf seine Arbeit als Schauspieler und Produzent konzentriert, als eigene Projekte in Angriff zu nehmen. Mit „Chef“ (zu Deutsch: „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben“) bringt Favreau einen unterhaltsamen Indie-Film über die immer beliebteren Food Trucks und Familie, der sich gleichzeitig zum Thema Filmemacher versus Kritiker äußert und diese Beziehung in gewisser Weise persifliert.

Yummie!

Chef-Koch Carl Casper (Jon Favreau) hat es im Moment nicht leicht: Im Restaurant muss er jeden Abend das Menü kochen und darf sich nicht mal austoben. Die letzte negative Rezension des Restaurant-Kritikers Ramsey Michel (Oliver Platt) trägt nicht wirklich zur Besserung seines Gemütszustandes bei. Zu allem Überfluss entfremdet er sich immer mehr von seinem zehnjährigen Sohn Percy (Emjay Anthony) und seine Ex-Frau Inez (Sofía Vergara) macht ihm deswegen die Hölle heiß. Nachdem ihm sein Sohn Twitter erklärt, fordert Carl den Kritiker versehentlich heraus und verspricht ein völlig neues Menü, das ihm bei seinem nächsten Besuch umhauen würde.

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Look at mah shit!

Doch als sein Boss (Dustin Hoffman) davon Wind bekommt und ein Streit zwischen El Jefe Casper ausbricht, fliegt letzterer aus seiner Küche. Ramsey Michel zerstört das bekannte Menü via Twitter ein zweites Mal und kratzt Carl damit an seiner Ehre. Die Folge: Der Chef-Koch kommt ins Restaurant und konfrontiert den Restaurant-Kritiker in einem wahren Meltdown, der auch noch von den Besuchern festgehalten und ins Internet gestellt wird. Da er keinen anderen Job findet, geht er der Idee seiner Frau nach und versucht sich mit einem Food Truck, zu Deutsch Imbisswagen. Dieser soll Carl wieder die Freude am Kochen zurückbringen und ihn im selben Zug näher zu seinem Sohn Percy bringen.

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El Jefe is on the road again.

Ein Film der hungrig macht

Wer „Chef“ auf leerem Magen guckt, sollte ausreichend Lebensmittel im Haus gelagert haben. Selten wird Essen so schön (spiel)filmisch zelebriert, wie in diesem Indie-Projekt von Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller Jon Favreau. Doch das ist eher die Beilage der eigentlichen Handlung: Vielmehr geht es hier nämlich um die Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn, darum das Leben so oft es geht zu genießen und auf einer Meta-Ebene auch um Hollywood. Denn gleichzeitig verarbeitet Favreau hiermit die Beziehung zwischen Filmschaffenden und -kritikern im Allgemeinen. Schlechte Rezensionen haben demnach verheerende Auswirkungen auf die Macher von Filmen, die in großen Blockbuster-Produktionen á la „Iron Man 2“ weniger kreative Freiheiten haben, als in kleinen Indie-Projekten, wie „Chef“ zum Beispiel eine ist. Dadurch kommt es oft zu Missverständnissen und Fehleinschätzungen auf beiden Seiten, die zumeist zu Ungunsten der Regisseure oder Schauspieler ausfallen.

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Da wird man gleich etwas nachdenklich.

Aber mal wieder zurück zum Film selbst. Denn dieser hat neben der erwähnten Elemente einige Stärken und auch ein paar kleinere Schwächen. Auf der Habenseite steht erstmal ein talentiertes Cast mit vielen hochklassigen Schauspielern wie Dustin Hoffman, Scarlett Johansson, Oliver Platt und Robert Downey Jr. in Nebenrollen und Marvel-Sidekick Favreau in der Hauptrolle. Sofía Vergara, bekannt aus der Sit-Com „Modern Family“, macht Sinn als Ex des Protagisten und einen guten Job. Auch der junge Darsteller Emjay Anthony ist in der Summe anständig, wenn auch nicht immer perfekt geleitet. Als charismatisches Highlight dient John Leguizamo in seiner Rolle als Martin, der El Jefe bei seinem Food Truck unter die Arme greift. Neben der guten Besetzung sind auch der gemütliche Aufbau der Story und der gesamte Soundtrack mit viel kubanischer Musik klare Pluspunkte des Films.

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Als Fan der Spieleserie „Tropico“ ist die Musikauswahl eine wahre Wonne.

Zu meinen Kritikpunkten gehört die etwas durchschaubare Handlung und die hohe Feelgood-Betonung von „Chef“. Es wird relativ früh klar, dass die Casper-Familie gegen Ende des Films wieder glücklich vereint sein wird. Denn wahre Stolpersteine gibt in der zweiten Hälfte der Story nicht wirklich, viel entpuppt sich der Film Mitte des zweiten Aktes als gerade Erfolgsgeschichte. Ein weiteres Minus sind die Favreau’schen Dialogszenen: Diese sind aufgrund der hohen Improvisationsfreiheit der Regieleitung sowie des Überflusses an Dialog-Partnern mitunter ziemlich konfus und können den einen oder anderen etwas aus dem Film nehmen. Manchmal ist das aber auch ziemlich unterhaltsam und witzig.

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„Oh that’s good.“ – „Yeah, it’s good.“ – „Really? Is it good?“ – „Yeah, it’s good!.“ – „Don’t fuck with me, is it really good?“

Insgesamt ist „Chef“ ein charmanter und niedlicher Indie-Film, der sich dem Food-Truck-Trend bedient und eine kleine Familien-Komödie aufzieht. Die mitgelieferte Meta-Ebene ist nett verpackt und eröffnet so manchen ein Einblick in die Gefühlswelt eines Filmemachers. Zwar sind einige Dialoge etwas chaotisch und das Ende ziemlich offensichtlich, doch mir hat das persönlich gefallen. Für einen gemütlichen und sorgenfreien Abend ist der Film absolut zu empfehlen. Der deutsche Titel, „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben“, ist aber vollkommen dämlich und macht betroffen.

 

7/10

 


Zur Blu-Ray:

Nachdem „Chef“ knapp ein Jahr nach dem USA-Kinostart auch einen kurzen Run in den deutschen Lichtspielhäusern genießen durfte, erscheint der Film am 22. Oktober 2015 auf DVD und Blu-Ray. Ich hab mir letztere etwas genauer angeguckt und gebe mein Heimkino-Urteil.

Das Bild:

Das farbenfrohe Geschehen und die dort präsentierten Leckereien kommen im gewohnten 1080p und 2,40:1 (Full HD mit Letterbox) gut zur Geltung. Das Bild ist mit den kräftigen Farben schön und macht schon im Menü Spaß auf den Film.

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Ich habe hunger.

Der Ton:

Die Blu-Ray von „Chef“ kommt mit zwei 5.1-Tonspuren im DTS-HD Master, einmal die deutsche Synchro und der englische Originalton. Zudem gibt es einen Audiokommentar mit Jon Favreau und dem Koch Roy Choi, der selbst in Food Trucks gekocht hat und Favreau für den Film trainiert hat. Optional stehen deutsche Untertitel zur Verfügung.

Die Extras:

Unter dem Bonusmaterial findet man eine Reihe an Trailern (Englisch, Deutsch kurz und lang), ein paar Szenen, die es nicht in das Endprodukt geschafft haben (Deleted Scenes) und einige Interviews mit den Schauspielern, Favreau und Roy Choi. Zuletzt sind noch „Weitere Trailer“ im Paket. Naja.

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Neben den Dreharbeiten gab es wohl nicht mehr viel Zeit für Extras. Zudem ist das eine Frage des Budgets und der Größe des Projekts.

Das Fazit:

Das Angebot der Blu-Ray ist alles in allem solide. Zwar sind die Extras etwas mager, doch ein kleiner Indie-Film wie „Chef“ hat muss auch nicht mit drei Stunden Bonusmaterial aufwarten. Der Film ist sehenswert und ein guter Zuwachs im Filmregal mit Wiederschauwert.


Blu-Ray / DVD


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Chef (2014)

Kiss the Cook – So schmeckt das Leben

Adventure, Comedy, Drama, (Meta-)Food-Truck-Essen

Regie: Jon Favreau

Buch: Jon Favreau

Darsteller: Jon Favreau, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Sofia Vergara, Dustin Hoffman, John Leguizamo, Emjay Anthony, Oliver Platt, Amy Sedaris, Bobby Cannavale

Kinostart DE: 28.05.2015

Kinostart US: 09.05.2014

Heimkinostart DE: 22.10.2015

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Koch Media

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Lennart Gotta