Die 10 besten Shorts des SHIVERS

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In zwei Blöcken und einer Sondervorstellung präsentierte das SHIVERS seinem Publikum insgesamt 23 Kurzfilme, die allesamt in den thematischen Kontext des Genre-Festivals passen. Zwischen kurzen, schmutzigen Grindhouse-Filmchen, abstrakter Videokunst und anspruchsvollen Sci-Fi-Werken verstecken sich mehr als nur eine Handvoll Perlen. Die 10 besten Kurzfilme der sorgfältig kuratierten Reihe möchte ich kurz besprechen.


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10. Crow Hand

Ein Mann ist mit seiner Verlobten unterwegs und findet auf dem Boden eine geheimnisvolle Krähenfigur. Er hebt sie auf und die Situation eskaliert SEHR schnell. Viel kürzer und knackiger geht es nicht. „Crow Hand“ ist ca. zwei Minuten lang und ein absurder Horrorspaß, der in dieser kurzen Zeit alles erledigt, was er sich vorgenommen hat.

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9. Night of the Slasher

„Night of the Slasher“ ist das genaue Gegenteil von „Crow Hand“, zumindest was die Produktionsbedingungen angeht. Der (womöglich geschummelte) One-Shot zeigt den Abend eines typisches Slasher-Opfers. Eine junge, großzügig ausgestattete und knapp bekleidete Blondine lädt einen arglosen Lockvogel zu einem gemütlichen Abend ein. Aber ihre Intentionen sind düster. So wartet sie bereits auf den Schlitzer, der kurz darauf vor der Tür steht und zum Messern ausholt. Clevere Kamera, viel Kunstblut und coole Kampfszenen runden diese Variation der Slasher-Sparte ab.

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8. Dead Hearts

„Dead Hearts“ ist ein Märchen über die Liebe des Lebens. Und den Tod. Mit einem morbiden Humor verfolgt der Kurzfilm das Leben eines Jungen, der im Bestattungsinstitut seines Vaters arbeitet. Und das bis ans Ende seines Lebens. Frei nach dem geflügelten Wort „Manche Leute sterben mit 20 und werden mit 80 beerdigt“ erkundet „Dead Hearts“, was ein Leben lebenswert und genießbar macht. Dabei strengt er nicht nur das Herz, sondern auch die Lachmuskeln an.

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7. Dernière Port au Sud

Selten während des SHIVERS laufen einem so sehr die titelgebenden Schauer über den Rücken. Ein deformierter Junge erzählt von sich, seiner Mutter, seinem Haus und seinem siamesischen Zwilling. Der in schwarz-weiß präsentierte Kurzfilm versprüht eine triste Leere. Die Tatsache, dass der Zwilling des Protagonisten sehr stark vom Baby aus „Eraserhead“ inspiriert wurde, trägt dazu bei. In erster Linie aber ist es die tragische Geschichte des einsamen Jungen und das verheerende Ende, das „Dernière Port au Sud“ nimmt.

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6. Supervenus

Die weibliche Anatomie im Wandel der Zeit. „Supervenus“ ist eine simple aber vernichtende Kritik am Schönheitswahn, der die Frauen heimsucht. Ein weiblicher Körper wird allmählich entstellt, um sich dem „Ideal“ zu nähern. Bemerkenswert ist die Soundkulisse, die den langsamen Verfall der Weiblichkeit mit Knacken, Knirschen und Schnippeln begleitet. Ein abstrakt illustrierter Eintrag im Genre des Body-Horrors, der zugleich unbehaglich und nachdenklich ist.

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5. Tarim le brave contre les 1001 effets

Auf der Suche nach neuen Abenteuern landen Tarim und seine Männer am Strand einer Insel. Im Herzen der Insel wartet eine Prinzessin, die einem grausamen Zauberer entrissen werden muss. Schnell bemerkt Tarim, dass er sich in einem Film befindet und beginnt sogleich, die Regeln der Narrative zu biegen und zu brechen. Er springt wild in der Zeitebene seiner Geschichte umher und macht sich die Grenzen der Leinwand zu Nutzen, um seine Mission zu erfüllen. „Tarim le brave contre les 1001 effets“ ist verspielt, fröhlich und höchst kreativ.

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4. Sister Hell

Eine junge Nonne scheint mit ihrem Leben nicht ganz zufrieden und verbringt die Zeit im Kloster damit, Fotos der weiblichen Form zu bestaunen. Es beginnt ein Kampf um ihre Seele, der zwischen den Mächten von oben und unten ausgetragen wird. „Sister Hell“ ist ein durchgestylter Film, der mit charmanter Grindhouse-Optik und einer entzückenden Hauptdarstellerin verzaubert. Die norwegische Sünde wurde von der Jury mit dem Kurzfilm-Preis des Festivals ausgezeichnet.

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3. How to Be a Villain

Als Vorfilm von „Frankenstein“ und außer Konkurrenz lief „How to Be a Villain“, der erste Film von Helen O’Hanlon. Und man sieht ihm an, dass er eine Herzensangelegenheit ist. Als Fan der Horrorklassiker der 30er und 40er taucht O’Hanlon in die Welt der Schurken hinab und bringt dem Zuschauer bei, wie man am besten einer von ihnen wird. Natürlich dürfen eine böse Lache, ein extravagantes Versteck und die nötige Garderobe nicht fehlen. Mit ausgezeichneter Kameraarbeit, die den Stil der Vorbilder emuliert, und einem charismatischen Protagonisten bildet „How to Be a Villain“ eine einflussreiche Epoche der Filmgeschichte ab und ist ein großer Spaß für Cineasten und alle, die es werden wollen.

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2. Dive

Diese umwerfende Metapher hat den ganzen Weg von Neuseeland nach Konstanz auf sich genommen. Darin geht es um George, einen zurückgezogenen, trübseligen Mann, der in seiner Wohnung eingeschlossen ist. Abgeschottet von Freunden und Familie muss er auf die Suche nach sich selbst gehen, um seine Seele zu retten. „Dive“ ist eine kurze und bündige Metapher, die das Thema Depression so gut visualisiert wie kein anderer Film, den ich gesehen habe. Anders als beispielsweise Lars von Trier, dessen Filme selbst depressiv sind (und machen), nähert Matthew Saville sich dem Thema mit einer einfallsreichen und lustigen Herangehensweise. Ein essentieller Film, der in nur 13 Minuten eine komplexe mentale Erkrankung greifbar macht.

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1. World of Tomorrow

Don Hertzfeldt gehört zu den bekanntesten und besten Zeichnern der Branche. In seinem neuen Œuvre „World of Tomorrow“ hat er es auf Gegenwart und Zukunft abgesehen. Anhand des schwindelerregenden Fortschritts von Technologie und Wissenschaft träumt er sich eine futuristische Welt zusammen, die wichtige Fragen aufwirft. Wohin wird uns das stete Wachstum führen? Welche Effekte werden neue Errungenschaften auf die Seele und den Körper der Menschen haben? All das verpackt Hertzfeldt mit seinem gewohnt absurden Humor zu einem bunten Gesamtpaket, das mein persönlicher Favorit der 23 Kurzfilme des SHIVERS 2015 ist.

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Timo Löhndorf