Die Teuflischen von Mykonos (Island of Death)

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Von OFDb Filmworks aus Bremen erreicht uns ein sehr „besonderer“ Film, das Exploitation-Brett „Die Teuflischen von Mykonos“ („Island of Death“) aus dem Jahr 1975. Nach Jahrzehnten auf diversen Listen für jugendgefährdende Medien und einem Eintrag auf der englischen „Video Nasties“-Liste ist der Film von Nico Mastorakis erhältlich und wird auf die deutsche Bevölkerung losgelassen. Und das dank einer Restauration sogar auf Blu-Ray. Ich habe mir Film und Blu-Ray angesehen und möchte über mein (einschneidendes) Erlebnis berichten.

Zum Film

1974 begann ein heute sehr berühmtes Kleinod des Horrorgenres, sich den Weg über globale Leinwände zu bahnen. Und überall, wo Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ gespielt wurde, hinterließ er traumatisierte Kinobesucher. Nicht unbedingt wegen expliziter Gewalt, sondern eher durch die morbide, gottlose Stimmung, die der im kochend heißen Texas gedrehte Film versprühte. Natürlich wurden auch Regisseure auf den Erfolg des Horrorklassikers aufmerksam und machten sich ihrerseits Gedanken, wie man einen Platz auf seinem Trittbrett erhaschen könnte. Als einer der ersten Filme, die vom texanischen Blutgericht inspiriert wurden, erschien 1975 „Die Teuflischen von Mykonos“ des Griechen Nico Mastorakis.

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Die Handlung des Films passt erwartungsgemäß auf einen Bierdeckel. Auf der wunderschönen Insel Mykonos landet ein britisches Paar. Anstatt dort Urlaub zu machen, fegen die beiden wie ein brutaler Wirbelsturm über die Insel und verstehen sich als von Gott gesandte Rächer. Um dem geneigten Leser einen ersten Überblick über die düsteren Geschehnisse des Films zu machen: In den ersten 20 Minuten sind zwei Sex- und zwei Mordszenen zu sehen. Bei jeweils einem der Fälle ist eine Ziege involviert. Ohne nennenswerte Entwicklung des Plots wütet der Film weiter und präsentiert nacheinander neue Charaktere, die kurz darauf von den blutrünstigen Urlaubern ins Jenseits befördert werden. In bester Exploitation-Manier sind die Tötungsszenen alles Andere als subtil und werden reichlich ausgeschlachtet. In etwa so, wie ein wahnsinniger, religiöser Massenmörder seine Taten ausschmücken würde.

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Ebenfalls genügend wirft „Island of Death“ mit sexuellem Inhalt um sich, was die Perversion der Protagonisten noch härter einschlagen lässt. Hier liegt auch der Unterschied zwischen einem bloßen Horrorfilm, wie zum Beispiel dem Vorbild „Texas Chainsaw Massacre“. Nico Mastorakis lehnt sich vollends in den fragwürdigen Inhalt seines Films und wirft jegliche moralische Bedenken über Bord.

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Trotz der unermüdlichen Reihe von Morden und sexueller Perversion hat „Island of Death“ etwas, was ihn bemerkbar macht. Während man das grausige Geschehen zu Beginn noch mit einem leichten Kopfschütteln belächelt, taucht der Film im weiteren Verlauf auf eine tiefere Ebene, die tatsächlich schockierend wirkt, sogar für abgehärtete Fans von Leinwandgemetzel. Es macht sich ein ähnliches Gefühl des Unbehagens breit, wie schon bei „Texas Chainsaw Massacre“. Hier wird es unter Anderem durch das Einsetzen von sehr deplatziert wirkender Musik erreicht. Während das Paar blutüberströmt durch die Hügel von Mykonos läuft und über das rechtschaffene Töten sinniert, dröhnen des öfteren fröhliche Euro-Pop-Songs ins Gehör. Schnell verfliegt der anfängliche Spaß, den man ob der dilettantisch inszenierten Gewaltszenen hatte.

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„Die Teuflischen von Mykonos“ ist kaum mehr als ein Exploitation-Film, der sämtliche Scham ablegt und voll auf Schockfaktor setzt. Und doch ist man beim Erreichen des Abspanns überrascht, dass ein solcher Film 40 Jahre nach der ersten Veröffentlichung noch immer ein sehr flaues Gefühl in der Magengrube hervorrufen kann.

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6,5/10

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Zur Blu-Ray

OFDb Filmworks hat dem fiesen Filmchen eine Veröffentlichung spendiert, die sich vor allem für einen so untergründigen Film sehen lassen kann. Gegrüßt wird man nach Einlegen der Disc von Regisseur Nico Mastorakis persönlich, der speziell für diese Veröffentlichung ein kleines Grußwort eingesprochen hat. Anschließend trifft man im Menü erstmals auf die fröhlich-sentimentale Pop-Musik, die den Zuschauer bereits vor Filmbeginn leicht aus der Bahn wirft.

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Bild

Vor allem Detailschärfe und Farben glänzen in der neuen Restauration. Die Insel Mykonos, die eine ungewöhnlich hübsche Kulisse für einen so ungemütlichen Film liefert, ist eine Augenweide. Natürlich stößt ein Film wie dieser, der nicht unbedingt zum Weltkulturerbe gehört, auf Probleme. Der Transfer wird getrübt von Farbschwankungen und kleinen Schmutzpartikeln, die sich augenscheinlich nicht entfernen ließen. Vor allem zum Ende lassen die kräftigen Grün- und Blautöne der Insel nach und flackern. Beachtet man das Alter und die Umstände des Films, wurde hier jedoch ein gutes Ergebnis erzielt.

Ton

Die Schwächen im Bild finden sich auch in der Tonspur des Films wieder. Die Dialoge sind klar verständlich, auch Musik und Tonkulisse sind gut restauriert worden. Schwachpunkt ist ein dumpfes Klopfen, das in einigen Szenen auftritt. Auch hier ist vermutlich das Ausgangsmaterial schuld, das sich nicht komplett retten ließ. Alles in allem stehen die Macken in der technischen Präsentation dem Film aber gut, je nach persönlicher Einstellung könnten sie sogar verstärkend auf das Bahnhofskino-Flair des Films wirken.

Präsentiert wird er mit einer deutschen und einer originalen (englischen) Tonspur. Außerdem gibt es deutsche Untertitel für den Hauptfilm und die meisten Extras.

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Extras

Eine verhältnismäßig großzügige Menge an Bonusmaterial erwartet Freunde des obskuren Films und generell des Exploitation-Genres.

Return to Island of Death (16:55, deutsche Untertitel)

In diesem kurzen Featurette, das im Frühjahr 2015 produziert wurde, kehrt Regisseur Nico Mastorakis nach Mykonos zurück und nimmt den Zuschauer auf einen Rundgang über die Insel mit. Dabei besucht er einige der Orte, an denen der Film gedreht wurde. Nebenbei verrät er einige Anekdoten über den Dreh selbst und die Lokalitäten, die er besucht.

Exploring Island of Death (38:24, deutsche Untertitel) Stephen Thrower

Dieses ausführliche Extra ist neben dem Film die Hauptattraktion der Blu-Ray. Der Vollblut-Experte Stephen Trower bespricht „Island of Death“ ausführlich, beleuchtet die Hintergründe des Films und seine lange Zensurgeschichte. Außerdem gibt er einen Überblick über die Karriere von Nico Mastorakis und ordnet den besprochenen Film darin ein. Ein Leckerbissen für jeden, der sich für das umstrittene Genre und insbesondere diesen Film interessiert!

Trailer Deutsch (02:59)

Ein Trailer zum Film.

Trailer Englisch (03:03)

Der gleiche Trailer in englischer Sprache.

Alternativer Vorspann 1 (01:06)

Eine Variation des grafischen Vorspanns.

Alternativer Vorspann 2 (00:48)

Dito.

Island Sounds (5 Lieder)

Hier kann man sich fünf Songs des Soundtracks anhören. Darunter auch die sehr eingängigen und wohlklingenden Pop-Songs, die den Film um eine perfide Note bereichern.

Fotogalerie

Als letztes Extra gibt es einige Szenenbilder des Films zu sehen. Es handelt sich dabei um die typischen Fotos, die man in Aushängen von Kinos oder Videotheken sieht.

Fazit

Die Kollegen von OFDb Filmworks haben der angestaubten Exploitation-Perle eine liebevolle Veröffentlichung beschert. Selbstverständlich ist der Hauptfilm in seiner ungeschnittenen Fassung vorhanden. Ein akzeptabler Transfer und einige sehr interessante Extras runden die Blu-Ray ab und machen sie zu einer Kaufempfehlung für Freunde des „etwas anderen“ Films.

 

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Timo Löhndorf