X-Men: Apocalypse

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Die X-Men-Serie zählt inklusive seiner Wolverine-Ableger bereits sieben Real-Verfilmungen und Einspielergebnisse in Höhe von über einer Milliarde Dollar. Mit „X-Men: Apocalypse“ kommt am 19. Mai 2016 der achte Film und dritte Teil der aktuellen Reihe aus dem X-Men-Universum. James McAvoy, Michael Fassbender und everybody’s darling Jennifer Lawrence nehmen nunmehr das dritte Mal ihre Rollen als Professor X, Magneto und Mystique ein. Unterstützt werden sie von Hochkarätern wie Nicholas Hoult als Beast, „Game of Thrones“-Star Sophie Turner in der Rolle der Jean Grey sowie Inside Poe Dameron Oscar Isaacs als Bösewicht und Mutanten-Urvater Apocalypse.

X-Men Assamble!

Der scheinbar allmächtige und unsterbliche Herrscher En Sabah Nur, besser bekannt als Apocalypse, entkommt nach tausenden von Jahren seinem steinernen Gefängnis. Voller Zorn, dass seine Mutantenkinder nicht mehr als Götter angesehen werden, strebt er nach einer neuen Weltordnung und der absoluten Macht. Dafür rekrutiert der Mutanten-Urvater seine Reiter der Apocalypse – fünf mächtige Mutanten, deren Kräfte er amplifiziert. Derweil betreibt Charles Xavier a.k.a. Professor X (James McAvoy) seine Schule für Mutantenkinder. Sein bester Freund und Feind Erik Magneto Lensherr (Michael Fassbender) hat seinen Super-Hero-Villain-Namen abgelegt und lebt unter einem Pseudonym ein einfaches Leben als Familienvater und Stahlarbeiter. Nachdem er trotz aller Vertuschungsversuche entdeckt wird, verliert er seine Familie (KZ-Flashback), entscheidet sich (erneut) dem Schurkendasein zu frönen und schließt sich Apocalypse an. Währenddessen rekrutiert und rettet Mystique/Raven (Jennifer Lawrence) allerlei Mutanten und hilft Professor X die bevorstehenden Katastrophen zu verhindern.

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„Hmm, was macht dieser Knopf wohl?!“

Bigger, better, Superhero-Movies

Superhelden-Filme werden neuerdings immer größer, schneller, kostspieliger und komplexer – das schlägt sich auch auf die Laufzeit aus. Kaum eine Comic-Verfilmung dauert weniger als zwei Stunden, die meisten orientieren sich eher an der Zweieinhalb-Stunden-Marke. Aber wen wundert’s? All die Action will gezeigt werden, die zahlreichen Stars verlangen nach Screentime und Charaktertiefe, die Fans wollen mit jedem Streifen ein Epos aufgelegt bekommen; zudem unterhalten Blockbuster heutzutage monatelang tausende von Jobs alleine im Grafikbereich. Das Brimborium verlangt dann natürlich nach einer gebührenden Vorlage.

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Vorzugsweise sollte die Vorlage eine Menge Zerstörung beinhalten.

Und genau dort liegt der Hase begraben: Ich kenne mich zugegebenermaßen wenig mit den verschiedenen Comic-Reihen des X-Men-Universums aus. So viel weiß ich aber: Die Story um Apocalypse ist umfassend angelegt und erstreckt sich über viele Jahre und Iterationen. Hierbei den filmischen Spagat zwischen Storytiefe, Charakterentwicklung und Pacing erfolgreich zu verwirklichen, ist ohne Frage schwer. Um den Bösewicht lediglich einzuleiten und in späteren Filmen eine Klimax zu erzeugen, fehlt den Studioköpfen wohl die Geduld, Zuversicht und vermutlich auch das langfristige Commitment einiger Darsteller.

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Wer weiß schon, ob Michael Fassbender in den nächsten 25 Teilen mitwirken möchte?

Zu viel vorgenommen?

Entsprechend merkt man „X-Men: Apocalypse“ eine gewisse Dringlichkeit im Schlussdrittel an, in der die Situation für die X-Men aus den Fugen gerät. Denn eigentlich fühlt sich die Story relativ generisch an, vor allem was den Villain und den roten Faden angeht. Das leicht ungleichmäßige Pacing hat auch etwas mit der Einführung einiger bekannter Charaktere aus der 2000er-Trilogie zu tun: Neben Storm (Alexandra Shipp), Angel (Ben Hardy), Striker (Josh Helman) und Cyclops (Tye Sheridan) werden auch Jean Grey a.k.a. Dark Phoenix (Sophie Turner) sowie Nightcrawler (Kodi Smit-McPhee) dem Publikum in neuer Besetzung vorgestellt.

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What’s wrong with your faaaaaace?!

All diese Charaktere bekommen ihren eigenen kleinen Teil der Exposition zugesprochen, wodurch selbige ein bisschen zu lang ausfällt. Dafür bekommt beispielsweise Psylocke (Olivia Munn) keinerlei Hintergrundgeschichte geschenkt. Schade, denn gerade mit diesem Charakter ist man weniger vertraut. Die Origin-Storys der zuvor genannten Revamps ist den Fans der alten Trilogie zumindest in den Basiszügen bekannt – hier hätte also die Schere angesetzt werden können, um die Exposition etwas zu verkürzen. Denn der Film hat so nicht nur mit seiner Länge zu kämpfen, auch die zahlreichen aufgemachten Fässer bzw. Sidestorys verkomplizieren das Ganze. So bleiben teilweise Fragen und Schicksale der Charaktere ungeklärt. Auch ein sehr kurzes Vorkommen von Wolverine hat dem Film eher geschadet als geholfen, zu abrupt waren Anfang und Ende dieses Auftritts.

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Da war der junge Striker auch nicht wirklich froh drüber…

Wir haben’s kapiert!

Ein weiteres Manko betrifft die beiden Protagonisten Magneto und Mystique. Ersterer kann sich nicht zwischen Gut und Böse entscheiden, wählt dann Böse, um am Ende wieder Gewissensbisse zu bekommen. Jennifer Lawrences Charakter steckt in einem ähnlichen Dilemma, trennt sich im Verlauf jedoch von ihrem Alter Ego Mystique und nimmt schließlich ihre Mentoren-Rolle als die gute Raven an.

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Auch Quicksilver ist wieder mit von der Partie.

Diese beiden Storys haben wir aber wirklich schon zu genüge gehabt: Bereits in den vorherigen zwei Teilen des X-Men-Reboots gab es diese Thematik und hat jeweils einen tragenden Anteil am Storyverlauf eingenommen. So langsam ist der Groschen beim Zuschauer gefallen – Magneto und Mystique Raven Mystique sind sich ihrer Identität nicht sicher.

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Magneto smash!

Klasse Cast, super Action und tolle Effekte

Neben den negativen Punkten hat der Film natürlich auch seine Vorzüge: „X-Men: Apocalypse“ ist zunächst einmal ausgezeichnet besetzt. Zum bestehenden Roster sind einige wirklich gute Casting-Entscheidungen getroffen worden; über Oscar Isaacs hin zu Tye Sheridan oder Alexandra Shipp, die anders als ihre Storm-Vorgängerin Halle Berry den afrikanischen Akzent auf die Reihe bekommt. Der etwas größere Auftritt von Fan-Liebling Quicksilver (Evan Peters) im Vergleich zu „X-Men: Days of Future Past“ gibt dem Film und dem Charakter mehr Tiefe, obwohl die Zeitlupen-Szene nicht an die des Vorgängers herankommt und seine Storyline wenig zufriedenstellend endet. Darüber hinaus ist die Action bombastisch inszeniert, der Look und die Spezialeffekte des Films sind im Großen und Ganzen nicht zu beanstanden. Die abschließende Schlacht kann sich ebenso sehen lassen, auch wenn diese vielleicht etwas zu lang dauert.

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Ich muss ins Bett…

Fazit

In der Endsumme steht ein durchaus ansehnlicher Superhero-Blockbuster, der viele Schauwerte hat und mit gutem Schauspiel glänzt, doch unter dem neusten Genre-Trend der zunehmenden Komplexität leidet. Einigen könnte die schleppende Exposition sauer aufstoßen, die Action kann das aber zu großen Teilen auffangen. Letztlich bleibt sich die X-Men-Serie treu: Der dritte Teil des Reboots ist der bislang schwächste Film, genau wie „X-Men: Last Stand“ bei der 2000er-Trilogie.

 

6,5/10

 


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X-Men: Apocalypse (2016)

Action, Adventure, Fantasy, Identitätskrise

Regie: Bryan Singer

Buch: Simon Kinberg, Bryan Singer, Michael Dougherty, Dan Harris

Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Nicholas Hoult, Oscar Isaacs, Rose Byrne, Evan Peters, Josh Helman, Sophie Turner, Tye Sheridan, Lucas Till, Kodi Smit-McPhee, Ben Hardy, Alexandra Shipp, Lana Condor, Olivia Munn

Kinostart DE: 19.05.2016

Kinostart US: 27.05.2016

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei 20th Century FOX

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Lennart Gotta