Free Fire

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Das grobe, schnörkellose Action-Kino der 80er und 90er wird dieser Tage von Filmfans schmerzlich vermisst. Zum Glück gibt es aber immer wieder kleine Lichtblicke wie zum Beispiel „John Wick“, die effektgeladene Riesenschlachten mit generischen Charakteren zu Gunsten von handgemachten Stunts und knackiger, brutaler Action vernachlässigen. Das ist anscheinend auch dem Briten Ben Wheatley aufgefallen, der die Kinolandschaft jüngst im Titel wie „High-Rise“ oder „Kill List“ bereicherte. Mit „Free Fire“ versucht er, nach Horrorthrillern und Science-Fiction-Dystopien im Actiongenre eine Fußspur zu hinterlassen. Zu Verfügung steht ihm dafür neben seiner Reputation als junger, stilbewusster Regisseur eine Riege an fähigen Schauspielern wie Brie Larson, Sharlto Copley, Cillian Murphy und Armie Hammer.

Die Einkaufsliste eines unterhaltsamen Action-Reißers

Man braucht überraschend wenig, um für ein grobes, kurzweiliges Spektakel zu sorgen. Filme wie der indonesische „The Raid“, der besagte „John Wick“ oder „Dredd“ machen es vor. Ohne zu viel Exposition und Gerede schalten sie kurz nach Beginn in den nächsten Gang, geben Vollgas und treten nur selten auf die Bremse. Auch „Free Fire“ hält sich an die bekannte Regel „Weniger ist mehr“. Es geht um eine Gruppe Iren (angeführt vom immer gern gesehenen Cillian Murphy), die von einem windigen Waffenverkäufer (Sharlto Copley, dem die Rolle des instabilen Narzissten scheinbar maßgeschneidert wurde) eine Ladung Sturmgewehre abkaufen möchte. In der Mitte steht Brie Larson als Vermittlerin, die sich zwischen ihren Indie-Meisterstücken „Short Term 12“ und „Room“ und ihrem Ausflug in die Marvel-Welt mal mit etwas ganz Anderem versucht.

Verstärkt werden die beiden Seiten von einer ganzen Reihe an bunten und überzogenen Charakteren, denen man sehr gerne dabei zusieht, wie sie sich mehr oder wenige souveräne Macho-Sprüche zuspielen. Wie es sich für halbseidene Waffendeals gehört, geht auch hier nach kurzer Zeit etwas gewaltig schief. Bald tropft das erste Blut auf den verstaubten Boden der ehemaligen Fabrikhalle in Boston und die beiden Teams sind in ein Feuergefecht verstrickt. Gespickt wird das Geballer von humorvollen Interaktionen und fragwürdigen Loyalitäten mancher Figuren.

Mehr braucht es nicht, um sein Publikum anderthalb Stunden bei Laune zu halten. Das beweist Ben Wheatley mit „Free Fire“ ein Mal mehr. Er segnet seine Horde von schrägen Charakteren mit einem spaßigen Drehbuch und lässt sie ohne Rücksicht auf Verluste gegeneinander antreten. Und das ganz ohne überflüssige Subplots oder sonstiges filmisches Füllmaterial. Seine leicht überzogene Vision vom Boston der 70er ergänzt das Geplänkel wunderbar, außerdem profitiert der Film stark von der stilsicheren Hand des Regisseurs. Das Szenenbild und vor allem das Sounddesign greifen gut ineinander, um die Atmosphäre der umkämpften Fabrikhalle greifbar zu machen.

Natürlich ist „Free Fire“ kein revolutionärer Film, der das Kino neu erfindet, aber zum Wohl des Zuschauers war das ausnahmsweise nicht das Ziel. Wheatley hält sich an alle wichtigen Genrekonventionen und nimmt seinen Film zu keiner Zeit zu ernst. Am Ende kommt dabei ein sehr kurzweiliger Streifen heraus, der mit lässigen Darbietungen (vor allem von Sharlto Copley, Armie Hammer und Michael Smiley) glänzt und zu den starken Vertretern des modernen Actionkinos zählt.


Free Fire (2016)

Action

Regie: Ben Wheatley

Buch: Ben Wheatley, Amy Jump

Darsteller: Brie Larson, Cillian Murphy, Sharlto Copley, Armie Hammer, Jack Reynor, Michael Smiley

Kinostart DE: 06.04.2017

Kinostart US: 21.04.2017

Heimkinostart DE: ??.??.????

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Timo Löhndorf