Kategorie SHIVERS 2015

Die 10 besten Shorts des SHIVERS

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In zwei Blöcken und einer Sondervorstellung präsentierte das SHIVERS seinem Publikum insgesamt 23 Kurzfilme, die allesamt in den thematischen Kontext des Genre-Festivals passen. Zwischen kurzen, schmutzigen Grindhouse-Filmchen, abstrakter Videokunst und anspruchsvollen Sci-Fi-Werken verstecken sich mehr als nur eine Handvoll Perlen. Die 10 besten Kurzfilme der sorgfältig kuratierten Reihe möchte ich kurz besprechen.

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The Forbidden Room

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Nachdem ich fünf Minuten auf ein leeres Dokument gestarrt und noch immer keinen guten Anfang für diesen Artikel gefunden habe, springe ich einfach rein. Die Wahrheit ist, „The Forbidden Room“ vom kanadischen Experimentalfilmer Guy Maddin ist ein Biest. Ein Biest, dem man sich nur schwer annähern kann, da mir ganz einfach die Worte fehlen, um ihn zu beschreiben und zu beurteilen. Mit meinen rhetorischen Mitteln, die dem Film nur gerade eben angemessen scheinen, will ich es trotzdem versuchen.

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Anomalisa

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Mit „Synecdoche, New York“ hat Charlie Kaufman einen der besten Filme des neuen Jahrtausends abgeliefert. Logische Konsequenz, dass sein nächstes Projekt nicht die erforderlichen Mittel auftreiben konnte und per Kickstarter ins Leben gerufen werden musste. Welches Studio möchte schließlich einen Regisseur/Autor bezahlen, der bisher nur ein höllisch kompliziertes und gleichzeitig tief berührendes Opus über Tod, Kunst und Vergänglichkeit auf seinem (Regie-)Kerbholz hat. Vielleicht überlegen die Geldgeber der Traumfabrik es sich beim nächsten Mal doppelt, denn „Anomalisa“ ist ein komplett anderes Tier. Kaufmans Pinselstrich ist zwar deutlich zu erkennen, aber Methodik und Maßstab des Films unterscheiden sich deutlich vom Vorgänger. Und das liegt nicht nur an den Puppen, die hier als Akteure auftreten.

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Demon

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„Demon“ ist ein ziemlich blöder Titel. Genau wie Vampire oder Zombies wurde die Thematik der dämonischen Besessenheit in den letzten Jahren brutal totgehauen. Gerade in diesem Jahr lief mit „Demonic“ ein Stück, das so schlecht ist, dass ich immer noch darüber lache. Mit diesem Gewäsch hat die polnisch-israelische Ko-Produktion nichts am Hut. Man mag sogar behaupten, dass sie Meilen über den Köpfen ihrer Konkurrenten schwebt. Oder dass Regisseur Marcin Wrona aus seinem Hauptdarsteller eine geradezu epische Leistung herauskitzelt, die den Vergleich zur Linda Blair eines Exorzisten nicht zu scheuen braucht. Behaupten kann man jedoch vieles. Warum für Freunde des anspruchsvollen Genrekinos kein Weg an „Demon“ vorbeiführt, kann ich sogar im Detail erläutern.

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The World of Kanako

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Wenn man ein Festival für Exoten und Nervenkitzler veranstalten will, kommt man um Japan nicht herum. Die Asiaten gehören seit Jahren zu den Haupt-Exporteuren von allem, was exzessiv ist. Zumindest im Bereich der Popkultur. Auch das dort herrschende Verhältnis zum Tod und zur Darstellung von Tod unterscheidet sich mit dem Unseren wie Tag und Nacht. Als Stellvertreter für das asiatische Kino schickt das SHIVERS-Festival den Rachethriller „The World of Kanako“ ins Rennen. Dieser liefert alles, was man vom cineastischen Asia Imbiss erwartet. Und davon sogar zu viel.

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Remake, Remix, Rip-Off

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Nachdem ich 2015 schon eine Reihe toller Dokumentarfilme gesehen („Chuck Norris und der Kommunismus“ und „Der Perlmuttknopf“ empfehle ich ausdrücklich) und mich erfolgreich um eine Besprechung gedrückt habe, ist es jetzt an der Zeit, mich im Doku-Bereich auszutoben. Die zweifelhafte Ehre hat „Remake, Remix, Rip-Off“ von Cem Kaya, einem deutschen Dokufilmer mit türkischen Wurzeln. In seiner Master-Arbeit wühlt er in den Archiven einer Filmindustrie, die zeitweilig zu den größten der Welt gehörte. Unter dem Namen Yeşilçam ist das türkische Mainstream-Kino der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt. Und sein Modus Operandi ist ein spaßiges und interessantes Beispiel dafür, wie eine Filmindustrie in einem Land ohne Urheberrechtsgesetze funktioniert.

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Baskin

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Man könnte fast meinen, dass sich das Horror-Genre nach der endlich versiegten Torture-Porn-Welle wieder erholt hat. „It Follows“ brachte die immerzu lauernde Gefahr zurück. „The Babadook“ verknüpfte weltlichen mit psychischem Horror. Doch viele der populären Grusler der letzten Jahre kommen erstaunlich blutleer daher. Dieser Fehler wird mit „Baskin“ korrigiert. Und wie. Verantwortlich zeichnet die Filmnation Türkei, die für vieles bekannt ist, für losgelöstes, garstiges Horrorkino jedoch nicht. Der Film, der auf dem SHIVERS-Festival seine (inoffizielle) Deutschlandpremiere feierte, lässt sich dadurch allerdings keineswegs beirren.

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Der Bunker

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Was muss ein deutscher Film tun, um weltweit Lob und Preise einzufahren? Mancher stützt sich auf waghalsige Gimmicks, die die Produktion des Films unsagbar verkomplizieren. Andere beschränken sich auf die kulturelle Verarbeitung des NS-Erbes, was natürlich immer willkommen ist. Und dann gibt es noch „Der Bunker“, den ersten Langfilm des Filmemachers Nikias Chryssos. Hier finden politische oder technische Tricks keine Anwendung und man beschränkt sich auf die Tugenden, die seit jeher einen guten Film ausmachen: Vier Wände, eine Handvoll talentierte Akteure und eine Wundertüte von Drehbuch, das mit jedem verstrichenen Moment an Tiefe gewinnt.

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Crumbs

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Mit einem Fokus auf exzentrische Sparten wie Horror, Thriller oder Science Fiction garantiert das Programm eines Genre-Festivals ein Sammelsurium aus kuriosen Kino-Erlebnissen. Doch auch in dieser Gesellschaft gibt es Kandidaten, die hervorstechen. Ein Glanzbeispiel hierfür ist „Crumbs“ vom spanischen Regisseur Miguel Llansó. Die sparsamste Beschreibung des Films wäre vermutlich Folgende: Ein in Spanien, Finnland und Äthiopien produziertes, surrealistisches, post-apokalyptisches Love-Story-Abenteuer. Das Wunderbare an diesem Kleinod ist die Tatsache, dass diese sperrige Umschreibung nicht annähernd ausreicht, um den Kosmos abzustecken. Und trotz all der visuellen und erzählerischen Exzentrik ist „Crumbs“ im Kern eine sehr humanistische Geschichte, die tief ins Mark geht.

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The Invitation

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Im lauen Küstenstädtchen Los Angeles sind kuriose Einladungen zu Dinnerparties nur mit extremer Vorsicht zu genießen. Insbesondere jene, die von der Ex-Frau stammen, nachdem diese in den letzten zwei Jahren vom Radar verschwunden ist. Noch schlimmer, wenn der Abend in dem Haus stattfinden soll, in dem sich eine furchtbare Tragödie ereignet hat. Die fremden Überraschungsgäste, die im Kreis der eingeschworenen Clique Platz nehmen, sind dann auch kein Problem mehr. Oder? In „The Invitation“ wird in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal (nach „The Overnight“) ein harmloses Paar durch ein Labyrinth aus ungewissen Situationen gejagt. Und obwohl die Grundideen der Filme sich ähneln, eröffnet mit „The Invitation“ ein völlig anderes Tier das erste SHIVERS-Festival.

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