Shame

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Ich hatte bislang immer ziemlich viel Glück, wenn ich zur Sneak Preview gegangen bin. In den bisherigen vier Sneaks habe ich immer mindestens ordentliche Filme sehen dürfen, darunter Tinker Tailor Soldier Spy, Black Gold und nun auch das Meisterwerk „Shame“ von Regisseur Steve McQueen.

Der andere Teil des Napalm-Duos fragte mich Anfang des Jahres, ob ich mit ihm mal mit in die Sneak Preview kommen würde. Da ich das eh mal machen wollte, sagte ich zu. Er warnte mich aber auch vor, dass das Sneak-Publikum etwas „speziell“ sei, aber ich dachte mir: „So schlimm kann es ja nicht sein…“

Wie ich mich da geirrt habe…

Das war ungefähr mein Blick nach dem Film (Quelle: silverscreenslags.com)

Das war ungefähr mein Blick nach dem Film

Wie ich schon zuvor erwähnt habe, bekam ich „Shame“ zu sehen, ein wirklich toll geschriebenes und gespieltes Drama über einen Sexsüchtigen, der einen etwas längeren „Besuch“ von seiner Schwester bekommt. In den Hauptrollen spielen Michael Fassbender (Inglorious Basterds, X-Men: First Class) und Heulboje Carey Mulligan (Drive, An Education).

Zwischen den beiden herrscht eine tolle, verstörende Chemie (Quelle: aceshowbiz.com)

Zwischen den beiden herrscht eine tolle, verstörende Chemie

Doch das wahre Drama hat sich vor der Leinwand während der Sneak Preview im Streit’s Filmtheater ereignet.

Der größte Teil dieser Hipster-Versammlung (siehe Video) war anscheinend mit dem Film überfordert, da sie die Vielschichtigkeit des Protagonisten nicht mit einem Holzhammer ins Gesicht geschlagen bekommen haben und kein Fäkal-Humor zu entdecken war. Es war sehr erschreckend und traurig zugleich zu sehen, dass der Großteil des Publikums nicht mit den Themen Sexualität, Nacktheit und Depression sowie mit langen, ungeschnittenen Szenen mit nur einer oder zwei Kameraeinstellungen umgehen können.

"Ihh, die knutschen!" (Quelle: aceshowbiz.com)

„Ihh, die knutschen!“

Doch anstatt sich wie „normale“ Kinogänger zu verhalten und einfach ruhig zu sein oder zu gehen, wenn der Film den Geschmack nicht trifft, haben sich locker über 90 % der Anwesenden gedacht: „Es wäre doch viel viel lustiger, cooler und eine bessere Art und Weise den Film zu sehen, wenn ich mich selbst präsentiere und so superlustige Dinge wie „LANGWEILIG“ schreie!“

Ach ja, wie wir dabei doch gelacht haben…

Die Vorstellung kam einem Saufgelage schon näher (Quelle: aceshowbiz.com)

Die Vorstellung kam einem Saufgelage schon näher

Das anhaltend-lärmende Gelächter zu den unglaublich unpassenden Momenten des Films, haben das Napalm-Duo so verdammt wütend gemacht, dass das schon nicht mehr messbar ist.

"HAHAHAHA, er ist traurig" (Quelle: aceshowbiz.com)

„HAHAHAHA, er ist traurig“

Dieses Verhalten der überwiegenden Mehrheit der Zuschauer brachte uns dazu uns zu fragen, ob es mittlerweile etwas Spezielles ist zumindest ausreichende Intelligenz an den Tag zu legen.

Ich möchte wetten, dass sich Herr Fassbender das Gleiche gefragt hätte (Quelle: aceshowbiz.com)

Ich möchte wetten, dass sich Herr Fassbender das Gleiche gefragt hätte

Eine Frau schrie nach dem Film „SHAME ON YOU“, dabei meinte sie natürlich den Film, der einige Sex- und Nacktszenen hat.

Sie hat zwar das Richtige gesagt, damit aber die Falschen gemeint.

Naja, genug ausgekotzt!

Um noch mal zurück zum Film zu kommen: Ich kann „Shame“ mit Michael Fassbender und Carey Mulligan mit ganzen Herzen empfehlen. Die Themen Sexsucht und Depression werden wunderbar mit Bild, Musik und der Performance eingefangen und verarbeitet, absolut meisterhaft. Wenn man jedoch eine Aversion gegen Sexualität und Nacktheit sowie einen IQ unter dem Gefrierpunkt hat und die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches hat, sollte man sich davon fernhalten.

Gerade Fassbender hat eine unglaubliche Präsenz (Quelle: aceshowbiz.com)

Gerade Fassbender hat eine unglaubliche Präsenz

Für mich filmisch gesehen eines der Highlights und Überraschungen bislang.

8,5/10


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Shame

Drama

Regie: Steve McQueen

Buch: Steve McQueen, Abi Morgan

Darsteller: Michael Fassbender, Carey Mulligan, James Badge

Kinostart DE: 01.03.2012

Kinostart US: 02.12.2011 (limited release)

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Lennart Gotta