X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (X-Men: Days of Future Past)

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Vor 14 Jahren schickte Regisseur Bryan Singer („The Usual Suspects“, „Valkyrie“) den ersten „X-Men“ ins Rennen und hob das Genre der Comic-Verfilmung, das bis dato eher einen Nischenplatz einnahm, auf den Level des internationalen Blockbusters. Die Konsequenz des ersten Films um Professor Charles Xavier und seine Mutanten-Clique war ein Umdenken der großen Filmstudios, das bis heute spürbar ist. Es folgten Sam Raimis „Spider-Man“-Trilogie, Christopher Nolans Interpretation der Batman-Story und natürlich Marvels enormes Filmuniversum, das Helden wie Iron Man, Captain America und Thor auf die Leinwand brachte und uns voraussichtlich bis in die späten 20er des 21. Jahrhunderts mit Comic-Verfilmungen beglücken wird.

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Die Geschichte der „X-Men“-Filme ist eine Achterbahnfahrt. Drei Jahre nach dem ersten Teil im Jahre 2000 schob Bryan Singer „X2“ hinterher und versorgte das Publikum mit einer weiteren, brauchbaren Mutanten-Story. Die Qualität der Filme stürzte in die Nähe des Erdkerns als man Brett Ratner („Rush Hour“, „Red Dragon“) verpflichtete, „X-Men: The Last Stand“ zu drehen. Der dritte Teil der Reihe gilt allgemein als ungeheuerliche Gurke und ließ weltweit Menschen vom Glauben abfallen. Es folgten zwei ähnlich unpopuläre Spin-Offs, die sich auf den ungehobelten aber charismatischen Wolverine (durchgehend verkörpert von Hugh Jackman) konzentrierten.

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Mit einer Generalüberholung des Franchises in Form von „X-Men: First Class“ war erstmals wieder ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Regisseur Matthew Vaughn erzählte den Ursprung von Professor X und seinem Erzfreund Magneto, besetzte den unwiderstehlichen Kevin Bacon als Nazi-Doktor und hauchte der eingestaubten Reihe so neues Leben ein. Die Genießbarkeit von „X-Men: First Class“ bestand zum großen Teil aus seinen beiden Hauptfiguren und der ausgezeichneten Chemie zwischen James McAvoy und Michael Fassbender.

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Drei Jahre später, mit insgesamt sechs Filmen auf der Uhr, kehrte Bryan Singer endlich zu seinem Baby zurück und übernahm die Regie für „X-Men: Days of Future Past“. Im Film wie in der Comic-Vorlage sieht es zunächst sehr düster aus. Im Jahre 2023 ist das sprichwörtliche Exkrement gewaltig am Dampfen, eine Armee von Killer-Robotern (Sentinels) wurde erschaffen, um den Mutanten den Garaus zu machen und hat die Welt im Zuge dieser Aufgabe in einen Haufen aus Asche verwandelt. Um das schreckliche Schicksal abzuwenden, finden sich einige der letzten überlebenden Mutanten, darunter Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) und Magneto (Ian McKellen) zusammen und schicken Wolverine (überraschend: Hugh Jackman) in die Vergangenheit. Angekommen im Jahr 1973 muss Wolverine versuchen, den Konflikt im Keim zu ersticken.

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Eine sehr ambitionierte Prämisse, wenn man bedenkt, dass Wiederkehrer Bryan Singer neben dem Erzählen seiner Geschichte den alten Cast der originalen Trilogie mit den neuen Gesichtern aus „X-Men: First Class“ unter einen Hut bringen muss. Die Gefahr einer Überladung des Films und einer gegenseitigen Kannibalisierung der Figuren, wie sie zuletzt in „The Amazing Spider-Man 2“ auftrat, war also extrem hoch.

Entsprechend überraschend ist es, dass der siebte Teil der „X-Men“-Reihe  in so gut wie jeder Hinsicht einwandfrei funktioniert. Trotz der großen Menge an alten und neuen Gesichtern verliert der Film nie seinen Fokus und behält seine Zügel zu jeder Zeit fest in der Hand. Die wohl größte Überraschung war für mich, dass der Film im Gegensatz zu vielen der Marvel-Filme („Thor: The Dark World“, „Iron Man 2“) nicht nur als Comic-Film funktioniert, sondern ebenfalls ein überaus solider Zeitreise-Film ist.

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Die Arbeit eines fähigen und kreativen Filmemachers wird hier so deutlich, wie sie in einem Sommer-Blockbuster sein kann. Singer kombiniert die Stärken der ersten beiden „X-Men“-Filme mühelos mit denen von „First Class“. Erneut lebt der Film vom Konflikt zwischen Charles Xavier und Magneto, allerdings ist es vor allem Wolverines Charakter, der hier aus seiner gewöhnlichen Rolle des raubeinigen Klauen-Schwingers heraustreten kann und als interessante Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft einiges an Gewicht bekommt.

Neben den etablierten Gesichtern stellt „Days of Future Past“ etliche neue Mutanten vor, so sorgt die Portal-Mutantin Bli nk am Anfang und Ende des Films für einige aufregende, originelle und visuell verblüffende Aktionen. Ein Goldstück des Films ist auch Quicksilver (Evan Peters), der in jeder seiner Szenen restlos die Show stiehlt. Eine Sequenz im Besonderen ist es, die den flinken Mutanten in Aktion zeigt und vor Kreativität in Planung und filmischer Umsetzung gradezu strotzt.

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Thematisch bewegt sich der Film nicht all zu weit vom Grundkonflikt der X-Men weg, erneut geht es um die mehr oder minder friedliche Koexistenz von Mutanten und Menschen. Anders als beispielsweise Nolans Batman-Filme oder Zack Snyders Totalausfall „Man of Steel“ gelingt es hier allerdings, den Film mit einer gesunden Menge an Spaß und Leichtigkeit zu füllen, ohne ins Alberne abzudriften. Einer der wenigen Makel des Films ist die spärliche Nutzung des Gegenspielers Bolivar Trask (Peter Dinklage), der leider den zahlreichen Konflikten innerhalb der X-Men zum Opfer fallen muss.

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Alles in allem ist „Days of Future Past“ eine gute Fortsetzung zu „First Class“ und ein absolut solider, eigenständiger Film, der den Vater der Comic-Blockbuster endgültig wiederbelebt und ein erfrischender, unterhaltsamer Gegenpunkt zu den dunklen und mittlerweile langweiligen Spektakeln von Marvel und DC. Als militanter Gegner von seelenlosen und uninteressanten Comic-Verfilmungen bin ich froh, dass „X-Men: Days of Future Past“ der erste Film des 2014er Kinosommers ist, der wirklich Spaß macht, visuell beeindruckend ist und seine Zuschauer nicht dümmer nach Hause schickt.

8/10


 

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X-Men: Days of Future Past

Action, Adventure, Sci-Fi

Regie: Bryan Singer

Buch: Simon Kinberg, Jane Goldman, Matthew Vaughn

Darsteller: Patrick Stewart, Ian McKellen, Hugh Jackman, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Peter Dinklage, Ellen Page, Anna Paquin, Halle Berry, Nicholas Hoult

Kinostart DE: 22.05.2014

Kinostart US: 23.05.2014

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Timo Löhndorf