Night Moves

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Die Gruppe von Umweltaktivisten um Josh (Jesse Eisenberg) nimmt ihr neustes Ziel ins Visier. Im Namen der aussterbenden Wildlachse planen Josh und seine Komplizen Dena (Dakota Fanning) und Harmon (Peter Sarsgaard) ihren bislang radikalsten Coup. Mit großer Vorsicht und eiserner Entschlossenheit planen sie, einen Staudamm im US-Staat Oregon zu sprengen. Als die Nacht des Anschlags gekommen ist und das Nachspiel ihrer Aktionen nach und nach immer gravierendere Folgen annimmt, muss die Gruppe sich den ungeahnten Konsequenzen stellen und ihre moralischen Standpunkte gehörig überdenken.

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Eine anfängliche Szene, in der die radikale Einstellung der Protagonisten auf die pazifistischen Bemühungen ihrer Gleichgesinnten prallt und eine potentiell hitzige Diskussion auslöst, erstickt Regisseurin und Autorin Kelly Reichardt bewusst im Keim. Anstatt die Idee des Öko-Terrorismus und seine Vor- und Nachteile zum Kernkonzept des Films zu machen, geht „Night Moves“ den Weg eines Charakterdramas. In einer unaufgeregten und nüchternen Inszenierung zeichnet Reichardt in der ersten Hälfte des Films sorgfältig die Portraits ihrer drei Hauptfiguren. Im Mittelpunkt steht der stoische Josh, der von der Ignoranz der modernen Gesellschaft so angewidert ist, dass er stellenweise kurz vor einer Implosion zu stehen scheint. Nach Richard Ayoades „The Double“ landet Jesse Eisenberg in „Night Moves“ den zweiten Volltreffer des Jahres und bereichert seine Karriere um eine subtile und trotzdem intensive Performance.

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Ohne seinen geerdeten Stil aus den Augen zu verlieren entwickelt sich der Film in seiner zweiten Hälfte ganz gemächlich von einem Drama zu einem handfesten Thriller. Spätestens nachdem sich das volle Ausmaß des Anschlages offenbart und sich die Schlinge um so manchen Hals zieht, entfaltet sich der volle Effekt der großzügigen Charakterisierung, die den ersten Teil des Films beherrscht. Das Thema des radikalen Umweltaktivismus gerät endgültig aus dem Fokus und der instabile Josh wird zur zentralen Figur. Mit einer stetig anschwellenden und beunruhigenden musikalischen Kulisse begleitet „Night Moves“ seine Figuren auf dem Weg zu einer schockierenden Eskalation. Was in den ersten Sequenzen des Films an Spannungspotential liegen gelassen wurde, findet sich umso deutlicher in seiner zweiten Hälfte wieder.

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Obwohl sich die Geschichte zu keiner Zeit von ihrem Trio loslöst und sich vor allem zum Ende hin auf ihre tragischen Einzelschicksale konzentriert, trifft „Night Moves“ einige ebenso interessante wie trostlose Aussagen über das problematische Thema des Umweltaktivismus. Nicht umsonst spielt sich der Großteil des in Blau- und Grüntönen gehaltenen Films vor der naturreichen Kulisse Oregons ab. Kelly Reichardt platziert ihre Charaktere bewusst im Mittelpunkt des Raubbaus von Flora und Fauna, den sie um jeden Preis verhindern wollen. Die verbissene Ideologie des Trios zerfällt schließlich, die politischen Konsequenzen ihrer Aktion werden von einem unmöglichen Gewissenskonflikt verdrängt und der Film fragt, wie viele Mittel ein noch so nobler Zweck heiligen kann.

8/10


 

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Night Moves

Drama, Thriller

Regie: Kelly Reichardt

Buch: Kelly Reichardt, Jonathan Raymond

Darsteller: Jesse Eisenberg, Dakota Fanning, Peter Sarsgaard

Kinostart DE: 14.08.2014

Kinostart US: 30.05.2014 (limited release)

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Timo Löhndorf