Blue Ruin

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„Blue Ruin“ verhält sich zunächst überhaupt nicht wie die anderen amerikanischen Reißer der letzten Jahre, die sich mit Rache und Selbstjustiz auseinandersetzen. Wir treffen unseren Protagonisten Dwight (Macon Blair) in einem desolaten Zustand. Seine Haare wachsen unkontrollierbar, seine Klamotten setzen langsam Rost an und das Domizil des Obdachlosen ist sein schrottreifes Auto. Erst als eine Polizistin ihn über die kommende Entlassung von Wade Cleland informiert, kehrt ein Funken Leben in die Augen des verlotterten Mannes zurück. Vor einigen Jahren ist Wade wegen dem Mord an Dwights Eltern zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Schockiert und empört über die frühe Entlassung des Mörders kehrt Dwight in seine ehemalige Heimatstadt zurück. Auf seiner Agenda steht neben einem flüchtigen Treffen mit seiner entfremdeten Schwester vor allem eines: Blutrache.

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Dwights erste, kaltblütige Aktion ist nur das Sprungbrett für eine bittere Fehde zwischen zwei Familien, die nach Jahren erneut auflebt. Nach dem klassischen „Auge um Auge“-Prinzip begibt der Film sich in eine Spirale aus Trauer, Wut und Gewalt. Inszeniert wird der Kleinkrieg zwischen zwei Familien von Regisseur und Autor Jeremy Saulnier bewusst anders, als man es erwarten könnte. Hier handelt es sich nicht um ehemalige Geheimagenten mit einem „very particular set of skills“, die im Handumdrehen eine europäische Großstadt ausräuchern, sondern um einen Haufen ratloser Menschen, die Konflikte mit Feuerwaffen und groben Wörtern lösen.

Saulnier verschwendet keine Zeit und etabliert bereits mit den ersten Einstellungen nicht nur eine triste, schwermütige Stimmung, sondern auch seinen Protagonisten. Sofort ist man bei dem unscheinbaren und traurig wirkenden Mann, der in Mülltonnen nach Essen und Geld sucht. Wie es in einer gewissenhaft erzählten Geschichte über gewalttätige Rache sein sollte, wird diese anfängliche Sympathie später auf die Probe gestellt.

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„Blue Ruin“ ist ein mehr oder weniger klassischer Thriller, der sich nicht lange mit genrefremden Elementen aufhält. Im Mittelpunkt steht hier die dichte und stets instabile Atmosphäre und ein starker Hauch von Gefahr, der in fast jeder Szene präsent ist. Darüber hinaus zeigt Saulnier ein feines Gespür für den Einsatz von Gewaltszenen. Die durchaus saftigen Spitzen, die hier immer mal wieder auftauchen, treiben die unangenehme Atmosphäre des Films weiter voran, ohne dem Selbstzweck zu verfallen.

Obendrein stellt „Blue Ruin“ die Aktionen seiner Figuren in ein moralisches Zwielicht, was bei dieser Thematik Pflicht ist. Hier gibt es keine Helden, die im Namen eines noblen Zwecks unterwegs sind und massenweise Menschen töten. Hier hat jeder Tod und jeder Tropfen Blut Konsequenzen, vor allem für den Mörder selbst.

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Insgesamt ist „Blue Ruin“ ein schmutziger, spannender und nahezu makellos inszenierter Rache-Thriller, der sich der populären Selbstjustiz-Thematik annimmt. Anders als die großen Hollywood-Produktionen bricht die fiese Indie-Story sie allerdings auf eine etwas realistischere Ebene herunter und präsentiert das blutige Geschehen Hand in Hand mit einer angebrachten und längst überfälligen Moralpredigt.

8/10


 

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Blue Ruin

Thriller

Regie: Jeremy Saulnier

Buch: Jeremy Saulnier

Darsteller: Macon Blair, Devin Ratray, Amy Hargreaves, Kevin Kolack, Eve Plumb

Kinostart DE: ??.??.???? (deutschlandweite Screenings im August/September auf dem Fantasy Filmfest)

Kinostart US: 25.04.2014 (limited release)

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Timo Löhndorf