Jamie Marks Is Dead

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Wenn man sich im Rahmen eines Filmfestivals in kurzer Zeit viele Filme zu Gemüte führt, sind in der Regel alle möglichen Entdeckungen und Enttäuschungen dabei. Es gibt Filme, die im Vorfeld gefeiert wurden, nur um letztendlich hinter großen Erwartungen zurückzubleiben. Es gibt schwache, gute und herausragende Filme. Was ein Festival aber besonders macht sind die obskuren Perlen, die niemand wirklich auf dem Zettel hatte. „Jamie Marks Is Dead“ war für mich die erste dieser Entdeckungen auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest. Ohne viel über die Handlung des Films zu wissen hatte ich meine Karte für den Film gekauft, weil die Produktionsfirma Verisimilitude an „I Origins“, einem meiner persönlichen Favoriten des Jahres beteiligt war.

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In einer amerikanischen Kleinstadt, die vom kalten Winter fest im Griff gehalten wird, spaziert die Schülerin Gracie (Morgan Saylor) durch ein Flussbett. Sie sucht nach besonders schönen Exemplaren für ihre Steinsammlung. Statt dem perfekten Stein findet sie die blasse und angefrorene Leiche ihres Mitschülers Jamie Marks (Noah Silver). Während die meisten Bewohner der Stadt sich vom plötzlichen Tod des Außenseiters wenig betroffen zeigen, entwickelt Adam (Cameron Monaghan) eine seltsame Faszination für den Verstorbenen. Gleichzeitig blüht eine Romanze zwischen ihm und Gracie auf. Adams Welt gerät in Schieflage, als Jamies Geist, der im Jenseits genau so einsam ist wie im Diesseits, sich ihm und seiner neuen Freundin präsentiert.

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„Jamie Marks Is Dead“ hebt sich von anderen kontemporären Filmen über Teenager und junge Erwachsene ab. Mit einer allgegenwärtigen Schwermut erzählt Regisseur Carter Smith seine Geschichte über lebende und tote Außenseiter. Schon in der ersten Einstellung, als Gracie zwischen ruhigen Wassern und entblätterten Bäumen durch die Winterlandschaft stolpert, fügen sich die unterkühlten Bilder mit einer tristen Musik zusammen und definieren den Ton des Films.

Die Charaktere zeichnen sich allesamt durch eine überwältigende Einsamkeit und Isolation aus. Der distanzierte Adam, der den Kontakt zu seiner alleinerziehenden Mutter allmählich verliert. Gracie, deren Eltern dank einer intensiven Paartherapie nie zuhause sind. Und natürlich der Geist des gequälten Jamie, der noch immer unter seinem kürzlich verendeten Leben leidet. Das Trio existiert in einem Mikrokosmos, der sich fast ohne Kontakt zur Außenwelt abspielt. Das Zusammenspiel von Lebenden und Toten weckt teilweise Erinnerungen an eine andere Außenseiter-Geschichte mit dem allseits bekannten Namen „Donnie Darko“.

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„Jamie Marks Is Dead“ ist eine originelle Geschichte, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Carter Smith, der eine Buchvorlage von Christopher Barzak inszeniert, gestaltet seinen Film als eine melancholische und ergreifende Suche nach dem Sinn des Lebens und des Todes.

8/10


 

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Jamie Marks Is Dead

Drama

Regie: Carter Smith

Buch: Carter Smith (Drehbuch), Christopher Barzak (Vorlage)

Darsteller: Cameron Monaghan, Morgan Saylor, Noah Silver, Judy Greer, Liv Tyler

Kinostart DE: ??.??.???? (deutschlandweite Screenings im August/September auf dem Fantasy Filmfest)

Kinostart US: ??.??.????

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Timo Löhndorf