Redirected

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Eines verhängnisvollen Nachts trafen sich die Publikumslieblinge „Snatch“, „Hangover“ und „EuroTrip“ zu einer richtig versauten Orgie. Das Ergebnis vom Austausch der cineastischen Körpersäfte ist „Redirected“, ein britisch-litauischer Action-Krimi-Komödien-Hybrid, der seinen Vorbildern bei jeder Gelegenheit fleißig nacheifert.

Der Film legt ab Sekunde 1 200% Tempo vor, was vor allem zu Beginn ziemlich anstrengend ist. Sobald der aufgewühlte Staub sich gelegt hat, begreift man langsam, was hier eigentlich los ist. Michael (Scot Williams) möchte in Ruhe mit seiner Verlobten seinen Geburtstag feiern, aber das Schicksal, in Form eines Trios aus losen Bekanntschaften hat andere Pläne. Sie berauben eine Bande besonders schwerer Jungs und wollen sich mit der Beute aus dem Staub und auf den Weg nach Fernost machen, als besonderes Geschenk möchten sie Michael natürlich auch mitnehmen.

Erneut laufen die Dinge nicht so wie erwartet, denn ihr Flug fällt mitten in die Flugsperre, die vor einigen Jahren durch einen isländischen Vulkan verursacht wurde. Sie werden umgeleitet (redirected) und landen im unsympathischen Litauen. Als ob die schrägen und gewalttätigen Einwohner nicht schon schlimm genug wären, machen sich die bestohlenen Engländer, angeführt von Golden Pole (Vinnie Jones), daran, eine offene Rechnung zu begleichen.

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Wer die Einleitung meiner Kritik halbwegs aufmerksam gelesen hat, wird einige Ungereimtheiten bemerkt haben. Warum „schenken“ drei Männer einem Vierten, den sie augenscheinlich nur flüchtig kennen, eine Entführung? Warum wird ein Flug nach Malaysia nach Litauen umgeleitet, liegt Island neuerdings zwischen England und dem fernen Osten? Wie kommen Vinnie Jones und Konsorten ebenfalls nach Litauen, obwohl eine offensichtliche Flugsperre besteht?

Falls du, lieber Leser, dir jetzt diese Fragen stellst, machst du dir bereits mehr Gedanken über „Redirected“, als die Filmemacher es getan haben. Der Film nimmt sämtliche Schwächen in Logik und Plausibilität (und davon gibt es einige) mit einer so unverschämten Zuversicht mit, dass es schon fast wieder sympathisch ist. Außerdem geht es bei einem rasanten Action-Krimi wie diesem ja auch mitnichten um das Erzählen einer nachvollziehbaren und dramatischen Geschichte.

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Leider ist das übermäßig fantasiereiche Drehbuch nicht die einzige Schwäche des Films. Von seinen deutlichen Vorbildern wie „Snatch“ und „The Hangover“ unterscheidet sich „Redirected“ primär, weil er leider keinerlei Charaktere vorweisen kann. Die Figuren stolpern ohne nennenswerte Eigeninitiative durch eine groteske Handlung, sind untereinander komplett austauschbar und ganz einfach schlecht geschrieben. Der Einzige, der hier etwas Ausstrahlung zusammenbringt ist erwartungsgemäß Vinnie Jones, der zwar nichts Anderes macht als sonst, aber das immerhin souverän.

Die Linie zwischen Inspiration und Imitation verschwimmt leider etwas zu oft, das Resultat davon ist, dass man bei jeder zweiten Szene das Gefühl hat, sie bereits gesehen zu haben. Übertrieben wurde es in der extrem ironischen und karikierten Darstellung der osteuropäischen Landsmänner, die klar an eine der besseren Episoden aus „Eurotrip“ erinnert. Dort hat es als Teil einer spaßigen Europa-Parodie noch geklappt, aber wenn ausnahmslos jeder Litauer, dem die Briten begegnen, entweder ein Idiot, Krimineller oder Perverser ist, reizt es das Maß des Erträglichen schon etwas zu weit aus.

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In den Bereich der Körperverletzung rutscht der Film allerdings auch nicht ab. Die Ostblock-Abenteuer der vier Briten sind skurril und abgedreht genug, um über die Laufzeit einen Unterhaltungswert aufrecht zu erhalten. Außerdem ist der Film vor allem in seinen Action-Sequenzen ausreichend gut gefilmt und geschnitten, um nicht in den Augen weh zu tun. Insgesamt handelt es sich bei „Redirected“ um einen netten, wenn auch halbgaren Versuch, an den Stil und womöglich den Erfolg eines Guy Ritchie anzuknüpfen. Stilmäßig geht dabei vieles in die richtige Richtung, aber etwas mehr Originalität und Substanz hätte der Film definitiv benötigt, um nicht sofort in Vergessenheit zu geraten.

5/10


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Redirected

Action, Thriller

Regie: Emilis Velyvis

Buch: Jonas Banys, Lewis Britnell, Emilis Velyvis

Darsteller: Vinnie Jones, Scot Williams, Gil Darnell, Oliver Jackson

Kinostart DE: ??.??.???? (deutschlandweite Screenings im August/September auf dem Fantasy Filmfest)

Kinostart US: ??.??.????

3 comments to Redirected

  • […] Spaß reichen der mäßig unterhaltsame Task-Thriller “13 Sins” und der litauische Exot “Redirected” allemal. Letzterer ist ein rasant inszenierter und skurriler Trip, der an frühe Sachen von Guy […]

  • Dom  sagt:

    NOVEMBER 7 KINOS

  • Flat Eric  sagt:

    Gerade angeschaut, kann deiner Kritik nur zustimmen. Irgendwie schade, weil viel Potenzial da war…

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Timo Löhndorf