The Man in the Wall

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In Kooperation mit dem Filmfestival in Jerusalem wurden in diesem Jahr in München drei ausgewählte Filme des israelischen Programms vorgeführt. Das High-Concept-Kammerspiel „The Man in the Wall“ ist einer der sorgfältig ausgesuchten Exporte.

Am späten Abend weckt ein forsches Klopfen die schlafende Shir (Tamar Alkan). Vor der Tür stehen ein verärgerter Nachbar und Bruno, der Hund von ihr und ihrem Lebensgefährten Rami. Von diesem ist allerdings keine Spur. Der Mann, der sich kurz zuvor abmeldete, um den Hund spazieren zu führen, ist wie vom Erdboden verschluckt. Die lokalen Krankenhäuser und Polizeidezernate sind leer, Handy und Brieftasche wurden offenbar vergessen. In mehreren Kapiteln, die jeweils in einem Take gefilmt wurden, zeigt Regisseur Evgeny Ruman, was sich in dieser kuriosen Nacht ereignet.

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Auf Shir wartet mehr als nur eine Überraschung

Was passiert im Umfeld einer Person, wenn sie nicht da ist? Auf dieser Frage basiert Ruman seinen Film, der mit einem knappen Budget in nur sechs Tagen und mit nur einem Schauplatz gedreht wurde. Für den Spannungsaufbau orientiert er sich an Profis wie Alfred Hitchcock, dessen Spuren in Inszenierung und Kamerabewegungen deutlich werden. Mit einem ungewöhnlichen Trick bietet er sogar einen höchst intelligenten und originellen Fall von Vorahnung. Wie andere Kammerspiele dieser Art („Buried“) verlässt Ruman sich hauptsächlich auf die gezielte Platzierung von Exposition. So bildet man sich nach und nach ein Bild des Verschwundenen und den Beziehungen, die er zu den Charakteren des Films pflegte. Nebenbei spielt er geschickt mit der Protagonistin und wirft Zweifel auf, wo die Loyalität des Publikums am besten aufgehoben ist.

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Traum oder Realität? Oder beides?

„The Man in the Wall“ lebt nicht ausschließlich vom Rätsel um die Figur, die zwar Thema des Films ist, die Leinwand jedoch nicht betritt. Die ominösen Ereignisse, die die Wohnung mit fortschreitender Stunde einnehmen, verleihen dem Film beklemmende Noten, die zeitweise beinahe die Form eines subtilen Horrorfilms annehmen.

Evgeny Rumans Film ist in erster Linie ein Paradebeispiel für das, was motivierte, kreative Filmemacher mit limitierten Ressourcen auf die Beine stellen können. Ein kleines, spannendes Kammerspiel, das die Aufmerksamkeit des Publikums sofort an sich reißt und bis zum Abspann nicht loslässt.

8/10


The Man in the Wall (2015)

Kammerspiel, Thriller, Psycho, Beziehungsdrama

Regie: Evgeny Ruman

Buch: Evgeny Ruman

Darsteller: Tamar Alkan, Zev Shimshoni, Ruth Rasiuk, Roi Miller, Eli Gornstein

Kinostart DE: –

Kinostart US: –

Heimkinostart DE: –

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Timo Löhndorf