Youth (Ewige Jugend)

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Vor zwei Jahren näherte sich der Italiener Paolo Sorrentino mit „La Grande Bellezza“ der titulären großen Schönheit so nah an, wie wenige Regisseure vor ihm. Auf seinem weltweiten Siegeszug sprang dabei unter anderem ein Oscar für den besten fremdsprachigen Film heraus. In seinem neuen Stück, das den ähnlich malerischen Titel „Ewige Jugend“ („Youth“) trägt, setzt er sich mit einer Vielzahl an Themen auseinander. Die größte Frage, die der Film mit sich bringt, bleibt dabei natürlich der Vergleich zu seinem monumentalen Vorgänger.

Schönheit und Jugend

Rom ist passé, wir befinden uns einige Kilometer weiter nördlich. Fernab von der geschäftigen Kulisse der italienischen Hauptstadt beheimatet Sorrentino seinen nächsten Film in einem Berghotel in der Schweiz. Schon in den ersten Einstellungen und Montagen wird der starke Kontrast zum zwiespältigen Rom-Setting klar. Hier, umringt von frischer Bergluft und unbegrenztem Luxus, befindet sich ein Refugium. Inmitten der Gäste genießen die alten Freunde Fred Ballinger (Michael Caine) und Mick Boyle (Harvey Keitel) ihren Urlaub. Ihre liebste Beschäftigung während des Aufenthalts ist neben dem Philosophieren und Entspannen natürlich das Beschweren und Lästern über ihre Mitmenschen. Doch natürlich reisen die eigenen Probleme immer mit, selbst in die bergige Zuflucht des Schweizer Gebirges. So sehen sich die Männer früher oder später mit ihren eigenen Defiziten konfrontiert und müssen ihre messerscharfe Auffassungsgabe auf sich und ihre Lieben richten.

Das literarische Trio

Freunde von Sorrentinos Arbeit werden auch hier den Pinselstrich des Italieners rasch erkennen. Und das nicht nur in den spektakulären, stimmigen Bildern, die den Zuschauer ohne Mühe in die grüne Idylle der Schweiz entführen. Ähnlich wie in „La Grande Bellezza“ spannt Sorrentino um sein Protagonisten-Duo ein Netzwerk aus bunten Nebencharakteren, kleinen Geschichten und einer großen Menge an liebevollen Details. Oft lässt er das Geplänkel von Fred und Mick ruhen, um sich dem Alltag von Freds Tochter Lena (Rachel Weisz) oder dem jungen Hollywoodstar Jimmy Tree (Paul Dano) zu widmen. Im Laufe des Films kann man viele kleine Eigenheiten bewundern, die unmissverständlich dem poetischen und stellenweise sogar esoterischen Stil Sorrentinos zuzuschreiben sind. Dazu gehören beispielsweise die gerne zitierten Philosophen und Schriftsteller, auf deren Schultern sich seine Figuren erneut stellen.

Michael Caine als Jep Gambardella

Trotz der Themen von verschwendeter Jugend, verlorenen Liebschaften und den Hindernissen des Alters wird „Ewige Jugend“ von einem durchweg heiteren Ton bestimmt, der nicht zuletzt von den amüsanten Diskussionen der beiden Hauptdarsteller etabliert wird. Der großzügig eingesetzte Humor des Films mag ihn etwas zugänglicher erscheinen lassen, man muss sich stellenweise jedoch fragen, ob er dem ernsten Inhalt des Films gerecht wird. Momente wie die Auflösung von Jimmys Geschichte wirken unnötig profan und beißen sich mit der visuellen und erzählerischen Eleganz des Films.

Genau wie die Tonalität des Films scheint Sorrentino auch seine zahlreichen Haupt- und Nebenplots nicht vollends im Griff zu haben. Während die verschiedenen Elemente von „La Grande Bellezza“ wie ein perfektes Uhrwerk ineinandergriffen, kommt „Ewige Jugend“ etwas unfokussierter daher. Als Resultat der leichten Überfüllung, die das Drehbuch plagt, hat man am Ende das Gefühl, dass vor allem Mick und seine Schwierigkeiten mit der holden Weiblichkeit etwas zu kurz kommen. Die Aufteilung in zwei Protagonisten erweist sich als keine gute Entscheidung, es wäre sinnvoller gewesen, den Fokus alleine auf Michael Caines Figur und ihren Sorgen zu lassen.

Die große Schönheit gibt ein Gastspiel

„La Grande Bellezza“ gehört mit seiner perfekten Melange aus Wörtern, Figuren und Themen zu den besten Filmen des Jahrzehnts. In seinem Nachfolger „Ewige Jugend“ gelingt Paolo Sorrentino diese Mischung kein weiteres Mal. Zu überladen ist die Konstellation der Figuren, zu unbalanciert ist die Mischung aus Komödie und Tragödie. Man kann allerdings nicht bestreiten, dass Sorrentino mit „Ewige Jugend“ einen weiteren Film geschaffen hat, der mit seinen perfekt komponierten Bildern, einer traumhaften Kulisse und einem brillant geführten Cast unterhalten, amüsieren und sogar ein wenig verzaubern kann.

8,5/10


Youth (2015)

Ewige Jugend

Philosophie, Drama

Regie: Paolo Sorrentino

Buch: Paolo Sorrentino

Darsteller: Michael Caine, Harvey Keitel, Paul Dano, Rachel Weisz

Kinostart DE: 26.11.2015

Kinostart US: 04.12.2015

Heimkinostart DE:

Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Wild Bunch

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Timo Löhndorf