Für die Freunde des Trash-Horrors haben sich Timo und Lennart den gerade auf Blu-Ray und DVD erschienenen „GirlHouse“ angesehen (im Double-Feature mit „Winterschlaf“ wohl gemerkt). Wer wissen möchte was der Film und das HD-Heimkinorelease können, sollte sich das mal durchlesen.
Ein Slasher nach Schema F
Falls der eine oder andere sich nicht so gut mit dem Slasher-Genre auskennen sollte, umreiße ich die Handlung von „GirlHouse“ mal kurz und knapp. Im Grunde folgt der Streifen dem altbekannten Schema eines Horror-Slashers á la „Halloween“ oder „Scream“.
Zunächst aber wird mit dem später maskierten Loverboy (Slaine) im Kindesalter angefangen. Dieser wurde aufgrund seines Übergewichts von zwei Mädchen, darunter Camren Bicondova (bekannt als Selina Kyle a.k.a. Catwoman aus der FOX-Serie „Gotham“), gehänselt. Da ihm deswegen eine Synapse wegbricht, killt er die Initiatorin kurzerhand auf relativ saftige Art und Weise.

Danach springt der Plot ein paar Jahrzehnte nach vorne und führt die Protagonistin Kylie (Ali Cobrin) ein. Diese ist eine junge und attraktive Studentin, die sich das Studium über das Online-Portal GirlHouse finanzieren will. Dabei wird sie in ein kameraverscheuchtem Haus mit jungen und attraktiven Frauen gepackt, um fortan die Internetgemeinde mit sexuellen Live-Inhalten zu beglücken. Einer ihrer ersten Fans ist der vorher erwähnte Loverboy, der ihr nach kurzer Zeit ein Bild von sich schickt. Ein paar Mitbewohnerin treiben damit ihren Schabernack, was Loverboy mitbekommt. Er entschließt folgerichtig sich eine Maske aufzuziehen und die Mädels vom GirlHouse im Livestream abzuschlachten. Zwischendurch trifft Kylie übrigens noch auf ihren ehemaligen Schulkameraden Ben (Adam DiMarco), der schon lange in sie verknallt war und sie über ihren Internet-Fame ausfindig machen konnte. Die beiden haben dann sowas wie eine Beziehung. Wirklich irgendwas beitragen kann er jedoch nicht.

Soweit so gut, ich komme zum Urteilsspruch: Wirklich Neues bringt der Film sicherlich nicht. Stattdessen folgt er dem gesetzten Muster des Genres. Tatsächlich weiß „GirlHouse“ im Bereich des Storytelling einigermaßen zu überzeugen. Sowohl die Motivation des mental kaputten Frauenschlächters Loverboy als auch die Beweggründe der in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Kylie sind nachvollziehbar. Auch die Performances der meisten Darsteller (und Rapper) sind okay bis akzeptabel.

Im Kontrast dazu stehen wiederum teilweise sehr dumme Wortwechsel, vor allem zwischen Ben und seinem Kumpel Alex (Wesley MacInnes). Letzterer sagt ungefähr 200 Mal „DUUUDE“, woraus man schon fast ein Trinkspiel machen könnte. Dass Loverboy aufgrund seines Dachschadens ein einsamer, unberührter IT-Heini ist und es durch seine ausgeprägten Computer-Skills schafft, den Server und das Frauenhaus selbst zu finden, ist zwar etwas platt, aber was solls? Auffallend ist jedoch, dass beim Casting der GirlHouse-Bewohner besonders darauf geachtet wurde so viele Ethnizitäten und sexuelle Orientierungen bzw. Vorlieben abzudecken, wie es eben geht.

Fatal sind tatsächlich die Versäumnisse bei den Todessequenzen. Anstatt auch mal über die eine oder andere Grenze zu treten (natürlich ohne geschmacklos zu werden), wurde hier bei den einigermaßen kreativen Abschlachtungen oder Verstümmelungen viel zu häufig und zu früh weggeschnitten. Vermutlich hatten die Produzenten ein bisschen Angst im Hinblick auf sexuelle Implikationen, die ein No-No für die MPAA (FSK-Äquivalent der USA) sind.
Im Rahmen des Trash-Kinos ist „GirlHouse“ vollkommen akzeptabel. Empfehlenswert ist bei Sichtung ein paar Leute einzuladen und sich gemeinsam zu amüsieren. Wirklichen Horror kann der Film zwar nicht entfachen, doch insgesamt ist der Plot stimmig im Sinne eines klassischen Slashers. Der Fakt, dass bei den meisten Todesszenen irgendein verfrühter Schnitt passiert, macht aber ein Wenig traurig. Gerade solche Trash-Filme dürfen und müssen sich hier mehr trauen, um sich von der Masse absetzen zu können und vielleicht ein Kult-Status unter den Liebhabern zu erlangen. Da helfen auch die passablen Leistungen der Schauspieler nichts. Deswegen ist „GirlHouse“ auch in der Summe nur alter Kaffee mit ein paar guten Momenten… und somit leider Mittelmaß.
4,5/10
Seit dem 11. Juni 2015 ist „GirlHouse“ als DVD und Blu-Ray erhältlich. Letztere werde ich im Folgenden anhand des Bildes, des Tons und der Extras besprechen.
Das Bild
Der Film wird im gewohnten Bildformat von 2,40:1 (16:9) in 1080p-Full-HD präsentiert. Ingesamt wirkt das Bild ein wenig dunkel, was aber auf die Produktion an sich zurückzuführen ist. Für die manchmal etwas wackelige Kameraarbeit kann die Blu-Ray ohnehin nicht. Ansonsten ist die visuelle Präsentation absolut solide, so wie es sich auch gehört.

Der Ton
Der Heimcineast darf sich über die deutsche Synchronisation und die englische Originaltonspur im DTS-HD Master Audio 5.1 freuen. Insgesamt macht der Sound dabei einen guten Eindruck. Auffällig ist, dass die Dialoge der deutschen Version das ein oder andere Mal ein bisschen zu laut gemischt ist. Der Unterschied zwischen den beiden Tonspuren wird vor allem ersichtlich, wenn man während des Filmes ab und zu die Audiospuren wechselt. Für Hörgeschädigte liegt zudem ein deutscher Untertitel bereit.
Die Extras
Bei den Extras sieht es leider mau aus. Außer einem deutschen und dem Originaltrailer sowie Programmtipps, findet man hier leider nichts. Ein paar Punkte gewinnt das Wendecover, mit dem man die FSK-Angabe wegzaubern kann.

Das Fazit
Die Frage, ob man sich „GirlHouse“ dauerhaft zulegen sollte, hängt wohl davon ab, ob man Fan des Trash-Horrors ist oder nicht. Für diejenigen, die den Film lediglich einmal schauen möchten, empfehle ich eher den Gang in die örtliche Videothek (die gibt es hier und da auch noch) oder auf den Release auf einer der bekannten Streaming-Plattformen wie Netflix oder Amazon Prime Instant Video zu warten. Für alle anderen gibt es hier noch die Links für die Blu-Ray und die DVD.
GirlHouse (2014)
Horror, Trash, Slasher, Axt
Regie: Trevor Matthews
Buch: Nick Gordon
Darsteller: Ali Cobrin, Adam DiMarco, Slaine
Kinostart DE: 05.06.2015 (UCI Midnight Movie)
Kinostart US: 13.02.2015 (limited release)
Heimkinostart DE: 11.06.2015
–
Die Rechte an allen verwendeten Grafiken in diesem Artikel liegen bei Concorde Home Entertainment