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Baskin

Man könnte fast meinen, dass sich das Horror-Genre nach der endlich versiegten Torture-Porn-Welle wieder erholt hat. “It Follows” brachte die immerzu lauernde Gefahr zurück. “The Babadook” verknüpfte weltlichen mit psychischem Horror. Doch viele der populären Grusler der letzten Jahre kommen erstaunlich blutleer daher. Dieser Fehler wird mit “Baskin” korrigiert. Und wie. Verantwortlich zeichnet die Filmnation Türkei, die für vieles bekannt ist, für losgelöstes, garstiges Horrorkino jedoch nicht. Der Film, der auf dem SHIVERS-Festival seine (inoffizielle) Deutschlandpremiere feierte, lässt sich dadurch allerdings keineswegs beirren.

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It Follows

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Als Liebhaber von Horrorfilmen ist es schwer, wirklich frische und originelle Ideen zu finden. In dem Genre, das so weit vom Geschmack des breiten Publikums entfernt ist, arbeiten zumindest momentan deutlich zu wenig innovative Filmemacher. Dieser Tage scheint Horror sich ausschließlich in zwei Extreme zu orientieren. Auf der einen Seite die Filme, die den Weg der möglichst krassen und grausamen Gewaltszenen gehen. Das andere Ende des Spektrums bevölkern weichgespülte Möchtegern-Schocker, deren Idee von Horror nicht über eine Reihe an lahmen Jumpscares hinaus geht. Dazwischen sind die Meta-Bomben wie “Cabin in the Woods” oder “Tucker and Dale vs. Evil”, die sich zwar einen Spaß aus den traditionellen Klischees machen, aber kaum als aufrichtige Horrorfilme zählen können.

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Der Bunker

Was muss ein deutscher Film tun, um weltweit Lob und Preise einzufahren? Mancher stützt sich auf waghalsige Gimmicks, die die Produktion des Films unsagbar verkomplizieren. Andere beschränken sich auf die kulturelle Verarbeitung des NS-Erbes, was natürlich immer willkommen ist. Und dann gibt es noch “Der Bunker”, den ersten Langfilm des Filmemachers Nikias Chryssos. Hier finden politische oder technische Tricks keine Anwendung und man beschränkt sich auf die Tugenden, die seit jeher einen guten Film ausmachen: Vier Wände, eine Handvoll talentierte Akteure und eine Wundertüte von Drehbuch, das mit jedem verstrichenen Moment an Tiefe gewinnt.

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Crumbs

Mit einem Fokus auf exzentrische Sparten wie Horror, Thriller oder Science Fiction garantiert das Programm eines Genre-Festivals ein Sammelsurium aus kuriosen Kino-Erlebnissen. Doch auch in dieser Gesellschaft gibt es Kandidaten, die hervorstechen. Ein Glanzbeispiel hierfür ist “Crumbs” vom spanischen Regisseur Miguel Llansó. Die sparsamste Beschreibung des Films wäre vermutlich Folgende: Ein in Spanien, Finnland und Äthiopien produziertes, surrealistisches, post-apokalyptisches Love-Story-Abenteuer. Das Wunderbare an diesem Kleinod ist die Tatsache, dass diese sperrige Umschreibung nicht annähernd ausreicht, um den Kosmos abzustecken. Und trotz all der visuellen und erzählerischen Exzentrik ist “Crumbs” im Kern eine sehr humanistische Geschichte, die tief ins Mark geht.

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The Invitation

Im lauen Küstenstädtchen Los Angeles sind kuriose Einladungen zu Dinnerparties nur mit extremer Vorsicht zu genießen. Insbesondere jene, die von der Ex-Frau stammen, nachdem diese in den letzten zwei Jahren vom Radar verschwunden ist. Noch schlimmer, wenn der Abend in dem Haus stattfinden soll, in dem sich eine furchtbare Tragödie ereignet hat. Die fremden Überraschungsgäste, die im Kreis der eingeschworenen Clique Platz nehmen, sind dann auch kein Problem mehr. Oder? In “The Invitation” wird in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal (nach “The Overnight”) ein harmloses Paar durch ein Labyrinth aus ungewissen Situationen gejagt. Und obwohl die Grundideen der Filme sich ähneln, eröffnet mit “The Invitation” ein völlig anderes Tier das erste SHIVERS-Festival.

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Victoria

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An der Ehrenrettung des durchwachsenen Wettbewerbs der Berlinale war in diesem Jahr ein heimisches Stück beteiligt. Genauer gesagt eines, das sich nur wenige Meter von den Leinwänden des Festivals abspielt. Warum “Victoria” tatsächlich eine Hoffnung für das deutsche Kino und dessen Platz auf der internationalen Bühne ist, erläutert Timo in seiner Kritik.

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Genre-Fest am Rand der Republik: Das SHIVERS-Festival in Konstanz

Kino ist immer auch Herzenssache. In den großen Multiplexen, die zwischen überteuerten Vorstellungen klebriges Popcorn unter den Sitzen aufsaugen, mag man diese Tatsache gerne aus den Augen verlieren. Die kleinen Bastionen, in denen die Vielfalt der Filmkunst gefeiert wird, sind jedoch nie weit entfernt. Im Falle des SHIVERS-Festivals haben sich eine Gruppe aus Kinomachern und Cineasten zusammengeschlossen, um eine Auswahl aus interessanten Genre-Filmen an den Mann zu bringen. Und das nicht etwa in einem großen Kultur-Puff wie Berlin, Hamburg oder München, sondern im Zebra, einem kleinen, gemütlichen Kino an der deutschen Südspitze. Zwischen dem 19. und 24. November 2015 werden dort aktuelle und vergangene Highlights des Genre-Kinos gezeigt. Wir freuen uns arg darüber, von der ersten Inkarnation des Events berichten zu dürfen und möchten im Vorfeld einen Überblick über das Festival und sein Programm verschaffen.

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Spectre

Die britische Doppelnull James Bond ist ein heikles Thema. Schließlich hält sich die Filmreihe seiner Abenteuer seit Jahrzehnten auf den weltweiten Leinwänden und ist somit nicht nur halb so alt wie das Kino selber, sondern auch ein fester Bestandteil der Popkultur. Entsprechend oft stößt man im Internet (und außerhalb) auf Diskussionen wie “Welcher Bond-Darsteller war der Beste?” oder “Wann wird Idris Elba endlich als Bond verpflichtet?”. Heute soll es aber um das neueste, mittlerweile 24. offizielle Kapitel der Bond-Filme gehen. Sein Name ist Spectre und seine Liste an Fehltritten und Unstimmigkeiten ist überraschend lang.

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Mustang

In vielen Filmen gibt es die Abenteuer von Kindern und Jugendlichen über einen malerischen Sommer zu begutachten. Doch wo Filme wie “Stand By Me” wie einen melancholischen Rückblick an vergangene Zeiten wirken, nimmt “Mustang” eher die Form eines Albtraums an. Für fünf junge Schwestern der ländlichen Türkei hat die Zeit nach dem Schulabschluss vor allem eines zu bieten: Die rigorose Vorbereitung auf das verheiratete Leben und die schnellstmögliche Verkupplung mit einem geeigneten Liebhaber.

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The Lobster

Mit dem unvergleichlichen “Dogtooth” festigte der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos seinen Stil der “new greek weirdness”. In “The Lobster”, der 2015 im Wettbewerb in Cannes lief, bekommt der Hellene ein größeres Budget, namhafte Darsteller und viel Spielraum um sich auszutoben. Das Resultat ist wie bereits in “Dogtooth” eine seltsame Mischung aus verstörender Atmosphäre, bedenklichem Humor und einer Wagenladung aus weirdness.

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