Kategorie Kino

The Forbidden Room

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Nachdem ich fünf Minuten auf ein leeres Dokument gestarrt und noch immer keinen guten Anfang für diesen Artikel gefunden habe, springe ich einfach rein. Die Wahrheit ist, „The Forbidden Room“ vom kanadischen Experimentalfilmer Guy Maddin ist ein Biest. Ein Biest, dem man sich nur schwer annähern kann, da mir ganz einfach die Worte fehlen, um ihn zu beschreiben und zu beurteilen. Mit meinen rhetorischen Mitteln, die dem Film nur gerade eben angemessen scheinen, will ich es trotzdem versuchen.

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Anomalisa

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Mit „Synecdoche, New York“ hat Charlie Kaufman einen der besten Filme des neuen Jahrtausends abgeliefert. Logische Konsequenz, dass sein nächstes Projekt nicht die erforderlichen Mittel auftreiben konnte und per Kickstarter ins Leben gerufen werden musste. Welches Studio möchte schließlich einen Regisseur/Autor bezahlen, der bisher nur ein höllisch kompliziertes und gleichzeitig tief berührendes Opus über Tod, Kunst und Vergänglichkeit auf seinem (Regie-)Kerbholz hat. Vielleicht überlegen die Geldgeber der Traumfabrik es sich beim nächsten Mal doppelt, denn „Anomalisa“ ist ein komplett anderes Tier. Kaufmans Pinselstrich ist zwar deutlich zu erkennen, aber Methodik und Maßstab des Films unterscheiden sich deutlich vom Vorgänger. Und das liegt nicht nur an den Puppen, die hier als Akteure auftreten.

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Demon

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„Demon“ ist ein ziemlich blöder Titel. Genau wie Vampire oder Zombies wurde die Thematik der dämonischen Besessenheit in den letzten Jahren brutal totgehauen. Gerade in diesem Jahr lief mit „Demonic“ ein Stück, das so schlecht ist, dass ich immer noch darüber lache. Mit diesem Gewäsch hat die polnisch-israelische Ko-Produktion nichts am Hut. Man mag sogar behaupten, dass sie Meilen über den Köpfen ihrer Konkurrenten schwebt. Oder dass Regisseur Marcin Wrona aus seinem Hauptdarsteller eine geradezu epische Leistung herauskitzelt, die den Vergleich zur Linda Blair eines Exorzisten nicht zu scheuen braucht. Behaupten kann man jedoch vieles. Warum für Freunde des anspruchsvollen Genrekinos kein Weg an „Demon“ vorbeiführt, kann ich sogar im Detail erläutern.

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The World of Kanako

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Wenn man ein Festival für Exoten und Nervenkitzler veranstalten will, kommt man um Japan nicht herum. Die Asiaten gehören seit Jahren zu den Haupt-Exporteuren von allem, was exzessiv ist. Zumindest im Bereich der Popkultur. Auch das dort herrschende Verhältnis zum Tod und zur Darstellung von Tod unterscheidet sich mit dem Unseren wie Tag und Nacht. Als Stellvertreter für das asiatische Kino schickt das SHIVERS-Festival den Rachethriller „The World of Kanako“ ins Rennen. Dieser liefert alles, was man vom cineastischen Asia Imbiss erwartet. Und davon sogar zu viel.

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Bridge of Spies – Der Unterhändler

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Wer im Kino gerne Spione über die Leinwand hetzen sieht, hat ein regelrechtes Wonnejahr erwischt. Neben einem neuen Mission Impossible, einem neuen Bond und Guy Ritchies „The Man from U.N.C.L.E.“ fehlt allerdings eine nüchterne Auseinandersetzung mit den Geheimdienst-Marionetten. Gleichermaßen ist in der Reihe kaum ein geerdetes Drama vorhanden, das über die thematischen und narrativen Grenzen des Sommer-Blockbuster-Kinos hinausreicht. Aber keine Sorge, das altehrwürdige Team Spielberg-Hanks ist zurück und rundet den Kreis ab. In „Bridge of Spies“ schlägt das Duo sein Zelt zwischen den 50ern und 60ern auf, als der Kalte Krieg die Welt mehrmals an den Rand von Zerstörung und Verzweiflung trieb. Das zweieinhalbstündige Drama über einen amerikanischen Anwalt und den russischen Spion, den es zu verteidigen gilt, fällt dabei überraschend gehaltvoll, unterhaltsam und kurzweilig aus.

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Remake, Remix, Rip-Off

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Nachdem ich 2015 schon eine Reihe toller Dokumentarfilme gesehen („Chuck Norris und der Kommunismus“ und „Der Perlmuttknopf“ empfehle ich ausdrücklich) und mich erfolgreich um eine Besprechung gedrückt habe, ist es jetzt an der Zeit, mich im Doku-Bereich auszutoben. Die zweifelhafte Ehre hat „Remake, Remix, Rip-Off“ von Cem Kaya, einem deutschen Dokufilmer mit türkischen Wurzeln. In seiner Master-Arbeit wühlt er in den Archiven einer Filmindustrie, die zeitweilig zu den größten der Welt gehörte. Unter dem Namen Yeşilçam ist das türkische Mainstream-Kino der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt. Und sein Modus Operandi ist ein spaßiges und interessantes Beispiel dafür, wie eine Filmindustrie in einem Land ohne Urheberrechtsgesetze funktioniert.

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Baskin

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Man könnte fast meinen, dass sich das Horror-Genre nach der endlich versiegten Torture-Porn-Welle wieder erholt hat. „It Follows“ brachte die immerzu lauernde Gefahr zurück. „The Babadook“ verknüpfte weltlichen mit psychischem Horror. Doch viele der populären Grusler der letzten Jahre kommen erstaunlich blutleer daher. Dieser Fehler wird mit „Baskin“ korrigiert. Und wie. Verantwortlich zeichnet die Filmnation Türkei, die für vieles bekannt ist, für losgelöstes, garstiges Horrorkino jedoch nicht. Der Film, der auf dem SHIVERS-Festival seine (inoffizielle) Deutschlandpremiere feierte, lässt sich dadurch allerdings keineswegs beirren.

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It Follows

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Als Liebhaber von Horrorfilmen ist es schwer, wirklich frische und originelle Ideen zu finden. In dem Genre, das so weit vom Geschmack des breiten Publikums entfernt ist, arbeiten zumindest momentan deutlich zu wenig innovative Filmemacher. Dieser Tage scheint Horror sich ausschließlich in zwei Extreme zu orientieren. Auf der einen Seite die Filme, die den Weg der möglichst krassen und grausamen Gewaltszenen gehen. Das andere Ende des Spektrums bevölkern weichgespülte Möchtegern-Schocker, deren Idee von Horror nicht über eine Reihe an lahmen Jumpscares hinaus geht. Dazwischen sind die Meta-Bomben wie „Cabin in the Woods“ oder „Tucker and Dale vs. Evil“, die sich zwar einen Spaß aus den traditionellen Klischees machen, aber kaum als aufrichtige Horrorfilme zählen können.

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Der Bunker

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Was muss ein deutscher Film tun, um weltweit Lob und Preise einzufahren? Mancher stützt sich auf waghalsige Gimmicks, die die Produktion des Films unsagbar verkomplizieren. Andere beschränken sich auf die kulturelle Verarbeitung des NS-Erbes, was natürlich immer willkommen ist. Und dann gibt es noch „Der Bunker“, den ersten Langfilm des Filmemachers Nikias Chryssos. Hier finden politische oder technische Tricks keine Anwendung und man beschränkt sich auf die Tugenden, die seit jeher einen guten Film ausmachen: Vier Wände, eine Handvoll talentierte Akteure und eine Wundertüte von Drehbuch, das mit jedem verstrichenen Moment an Tiefe gewinnt.

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Crumbs

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Mit einem Fokus auf exzentrische Sparten wie Horror, Thriller oder Science Fiction garantiert das Programm eines Genre-Festivals ein Sammelsurium aus kuriosen Kino-Erlebnissen. Doch auch in dieser Gesellschaft gibt es Kandidaten, die hervorstechen. Ein Glanzbeispiel hierfür ist „Crumbs“ vom spanischen Regisseur Miguel Llansó. Die sparsamste Beschreibung des Films wäre vermutlich Folgende: Ein in Spanien, Finnland und Äthiopien produziertes, surrealistisches, post-apokalyptisches Love-Story-Abenteuer. Das Wunderbare an diesem Kleinod ist die Tatsache, dass diese sperrige Umschreibung nicht annähernd ausreicht, um den Kosmos abzustecken. Und trotz all der visuellen und erzählerischen Exzentrik ist „Crumbs“ im Kern eine sehr humanistische Geschichte, die tief ins Mark geht.

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