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Genre-Fest am Rand der Republik: Das SHIVERS-Festival in Konstanz

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Kino ist immer auch Herzenssache. In den großen Multiplexen, die zwischen überteuerten Vorstellungen klebriges Popcorn unter den Sitzen aufsaugen, mag man diese Tatsache gerne aus den Augen verlieren. Die kleinen Bastionen, in denen die Vielfalt der Filmkunst gefeiert wird, sind jedoch nie weit entfernt. Im Falle des SHIVERS-Festivals haben sich eine Gruppe aus Kinomachern und Cineasten zusammengeschlossen, um eine Auswahl aus interessanten Genre-Filmen an den Mann zu bringen. Und das nicht etwa in einem großen Kultur-Puff wie Berlin, Hamburg oder München, sondern im Zebra, einem kleinen, gemütlichen Kino an der deutschen Südspitze. Zwischen dem 19. und 24. November 2015 werden dort aktuelle und vergangene Highlights des Genre-Kinos gezeigt. Wir freuen uns arg darüber, von der ersten Inkarnation des Events berichten zu dürfen und möchten im Vorfeld einen Überblick über das Festival und sein Programm verschaffen.

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The Lobster

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Mit dem unvergleichlichen „Dogtooth“ festigte der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos seinen Stil der „new greek weirdness“. In „The Lobster“, der 2015 im Wettbewerb in Cannes lief, bekommt der Hellene ein größeres Budget, namhafte Darsteller und viel Spielraum um sich auszutoben. Das Resultat ist wie bereits in „Dogtooth“ eine seltsame Mischung aus verstörender Atmosphäre, bedenklichem Humor und einer Wagenladung aus weirdness.

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Es ist schwer, ein Gott zu sein (Trudno byt bogom)

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Film mag die großartigste Form der Kunst sein, sie bringt allerdings auch die verheerendsten Zerreißproben mit sich. Die Liste an Greueln, durch die Regisseure ihr Publikum im letzten Jahrhundert geschickt haben, ist lang. Und Aleksey Germans „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ („Trudno byt bogom“) lässt kaum etwas davon aus. Eine exzessive Lauflänge von fast drei Stunden. Sets und Kulissen, die sich mit einem fast überwältigenden Ekelgefühl ins Bewusstsein des Zuschauers drücken. Ein Plot, dem man trotz des großzügigen Zeitbudgets kaum folgen kann. Alles in allem also eine aufregende Herausforderung für selbst den skrupellosesten Cineasten.

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Men & Chicken (Mænd & høns)

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10 Jahre hat Anders Thomas Jensen in der Schreibwerkstatt verbracht, nachdem er mit „Adams Äpfel“ eine der populärsten skandinavischen Komödien der letzten Jahrzehnte ablieferte. Jetzt nimmt der Däne endlich wieder hinter der Kamera Platz und lässt die Art von bizarrer Komödie auf die Welt los, die man von ihm erwarten darf. Von inszenatorischem oder humoristischem Rost ist dabei keine Spur.

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Boy7

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Ein knappes Jahrhundert nach Fritz Langs „Metropolis“ wagen die Deutschen sich erneut an die dystopische Science-Fiction. Großartig! Leider scheint dieses Genre derzeit vornehmlich in Form von Jugendromanen wie dem niederländischen „Boy7“ zu existieren. Können Regisseur Özgür Yildirim und sein Team den jugendlichen Stoff erfolgreich für die breite Masse aufarbeiten?

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Interstellar

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In einer provisorischen Station auf einem Planeten am buchstäblichen anderen Ende der Galaxie steht ein Kasten. Im Kasten befindet sich ein Astronaut im Kälteschlaf. Er hält eine stille und einsame Wache, die womöglich niemals ein Ende finden wird. Menschliche Gesichter sind hier, am Ende des Weges, kaum mehr als eine Erinnerung oder ein Traum. Das Schlummern wird von einer Gruppe weiterer Raumfahrer unterbrochen und der Schlafende wird wider Erwarten aufgeweckt. Schockiert, überwältigt und von purer Freude überschüttet fängt er das Weinen an und liegt dem neu angekommenen Kollegen für gute 10 Sekunden in den Armen. Nach einem Charaktermoment wie diesem würde man in einem Film von Christopher Nolan womöglich zuletzt suchen. Doch entgegen der Erwartungen schafft der Brite es hier nicht nur, ein astreines Science-Fiction-Epos auf die Leinwand zu bringen, sondern überrascht sein Publikum mit einem Gespür für Menschlichkeit, das man in seinen bisherigen Filmen vermisst hat.

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I Origins – Im Auge des Ursprungs

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Vor drei Jahren präsentierte der amerikanische Regisseur Mike Cahill mit seinem Spielfilmdebüt „Another Earth“ einen bemerkenswerten Einstand und einen der interessantesten Filme, die das Science-Fiction-Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Vor der simplen aber eindrucksvollen Kulisse der Entdeckung eines Zwillingsplaneten in unserem Sonnensystem erzählte Cahill mit einem geringen Budget eine komplexe und vielseitige Geschichte über Isolation, Introspektion, Schuld und Sühne.

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Under the Skin

Under The Skin

Traditionell ist der Zweck von Science-Fiction ist, einen philosophischen Denkprozeß im Kopf seiner Zuschauer/Leser anzuregen. Diese Aussage lässt sich anhand einer der berühmtesten und allgemein als perfekt angesehenen Sci-Fi-Geschichten aller Zeiten zementieren, die außerdem mein absoluter Favorit des Genres ist. Die Rede ist natürlich von Arthur C. Clarkes „2001: A Space Odyssey“ und der dazugehörigen Verfilmung von Stanley Kubrick.

Mit einer monumentalen Perspektive, die seitdem nicht mehr erreicht wurde, schafft Kubrick bereits im Jahr 1968 einen Film, der das Genre bis heute definiert, zumindest im filmischen Bereich. Er begleitet die Menschen vom Anfang ihrer Zivilisation bis zur bis dato (und heute immer noch) unübertroffenen Errungenschaft. Der Reise ins Weltall. Der Philosoph Alan Watts brachte es mit seiner Phrase „You are the universe experiencing itself.“ wohl am besten auf den Punkt. Der Mensch und das menschliche Bewusstsein, das auf dem Planeten einzigartig ist, ist ein Weg des Universums, sich selber zu untersuchen und zu verstehen.

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Time Lapse

Time Lapse

Das junge Paar Callie und Finn (Danielle Panabaker, Matt O’Leary) lebt mit Jasper (George Finn) in einer 3er-WG und ist außerdem für die Hausverwaltung des Gebäudekomplexes zuständig. Als ihr Nachbar, der Wissenschaftler Mr. Bezzeredes plötzlich vom Erdboden verschluckt wird, forscht das Trio in seiner Wohnung. Was sie statt ihrem Nachbarn finden bringt ihre Köpfe zum Dampfen. Eine überdimensionierte Kamera, die auf ihr eigenes Wohnzimmerfenster gerichtet ist und jeden Tag um 8 Uhr ein Foto macht. Weil das nicht schon bedenklich genug ist, macht der Apparat kein reguläres Foto, sondern ein Foto aus der Zukunft. Genauer gesagt, 24 Stunden in der Zukunft.

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Coherence

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Vor genau 10 Jahren erschien ein Film, der für mich die Spitze des amerikanischen Indie-Kinos des Milleniums darstellt und außerdem einen festen Platz in meinem persönlichen Olymp der Science-Fiction-Filme besetzt. „Primer“ ist der Inbegriff des unabhängigen Kinos. Mit einer brillanten Idee, einem Budget von happigen 7000$ und beinahe 0 Ressourcen machte sich der Mathematiker Shane Carruth daran, einen monumentalen Zeitreise-Film zu produzieren. Neben einer der Hauptrollen übernahm er in seinem Leidenschaftsprojekt die Regie, das Drehbuch, die Produktion, das Sounddesign, den Schnitt und natürlich auch den Vertrieb. Wer mit dem Film nicht vertraut ist: Es geht um zwei Wissenschaftler, die durch Zufall eine Maschine bauen, mit der sie einige Stunden in der Zeit zurückgehen können. Durch das Interagieren verschiedener Versionen der Wissenschaftler und eine Reihe von Paradoxen entwickelt sich der Film zu einem chaotischen und fast undurchdringlichen Puzzle.

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